merken
PLUS

Die Pflege dazwischen

Kein Fall für die Intensivstation – aber auch nicht für die normale: Darauf geht das Meißner Klinikum jetzt speziell ein.

Von Anna Hoben

Große Fenster, viel Licht, helle Farben – die neue Station im Meißner Klinikum sieht auf den ersten Blick so gar nicht nach Krankenhaus aus. Intermediate Care Station heißt sie, und sie ist für diejenigen Patienten gedacht, die nicht auf die Intensivstation müssen, aber dennoch mehr Überwachung brauchen, als sie auf der Normalstation bekommen können. Das Pflegepersonal auf der Intensivstation und der Normalstation soll so entlastet werden.

Anzeige
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage

In Hainichen kann ab sofort sicher, sorglos und sozial wertvoll Geld angelegt werden.

Seit heute, Punkt 6.30 Uhr, sind die ersten Patienten auf der Zwischenpflegestation. 15 Betten hat sie, aufgeteilt auf ein Zimmer für drei Patienten, zwei Zimmer für je zwei Patienten und einen großen Bereich mit acht Betten, die durch gelb-orangefarbene Vorhänge getrennt sind. Dort sollen Menschen unterkommen, die nach großen Operationen noch einer intensiveren Überwachung und Betreuung bedürfen.

Schon vergangene Woche gab es einen Probebetrieb in dem neuen Bereich, während auf der Intensivstation Wartungsarbeiten stattfanden – mit positivem Testergebnis. „Es hat gut geklappt“, sagt Holger Sebastian, der ärztliche Direktor der Klinik. Bei einer Führung für die Presse und für Mitarbeiter des Klinikums gestern sind die Betten erst einmal wieder leer. „Na, mal hinlegen?“, scherzt Sebastian.

Nach Radebeul und Riesa ist Meißen das letzte Klinikum, das eine Zwischenpflegestation bekommen hat. Sie ist auch eine notwendige Konsequenz auf die demografische Entwicklung: Das Durchschnittsalter der Patienten, so sagt der ärztliche Direktor, sei in den vergangenen zehn Jahren um sieben Jahre gestiegen; man operiere heute standardmäßig Patienten, die über 80 Jahre alt sind. „Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“ Oftmals kommen diese älteren Patienten für eine Operation, haben gleichzeitig aber noch andere Krankheitsbilder – darauf kann die Zwischenpflegestation besser eingehen.

„Wenn sie von der Intensivstation kommen, sind Patienten oft gestresst, weil es so laut dort ist“, sagt Sebastian. Auf der Zwischenpflegestation werde es wesentlich ruhiger zugehen. Er rechnet außerdem damit, dass bei den Patienten dort die Hemmschwelle sinken werde, sich zu melden, wenn sie etwas brauchen.

Einst war an der Stelle, wo sich jetzt die neue Station befindet, ein Labor. Nachdem es umgezogen war, begann im November vergangenen Jahres der Umbau – also vor fast fünf Monaten. „Damals haben alle gesagt, das wird niemals rechtzeitig fertig“, sagt Holger Sebastian. Doch man blieb im Plan – und vollendete das 500 000 Euro teure Projekt Mitte März sogar etwas früher als ursprünglich gedacht.

Für den Architekten der Elblandkliniken, Frank Willimowski, war vor allem der Platzbedarf eine Herausforderung: „Das Ziel waren mindestens zwölf Betten“, sagt er. Jetzt sind es sogar 15, dank der Lösung mit dem offenen Bereich. „Durch die Vorhänge ist dennoch die Privatsphäre gewährleistet“, sagt Willimowski. Seit vergangenem September arbeitet er für die Elblandkliniken; die Meißner Zwischenpflegestation ist sein erstes Krankenhaus-Projekt. Davor war er etwa am Bau von Flughäfen, Hochhäusern und Einkaufszentren wie der Dresdner Altmarktgalerie beteiligt. Bei den Planungen für die Station ging er zunächst von den Fluchtwegen aus, erst dann kamen Überlegungen zu Betten und Nasszellen. Die Versorgungsräume schließlich, etwa zur Bereitung von Medikamenten, befinden sich alle auf der hinteren Seite. „So werden die Patienten nicht beeinträchtigt.“ Der wichtigste architektonische Vorteil aber war ohnehin schon gegeben: die kurzen Wege zur Intensivstation. „30 Meter sind es bis dorthin“, schätzt Schwester Annett Schlacht.

Sie ist als Stationsleiterin ab sofort für beide Bereiche zuständig und sieht die Zwischenpflegestation vor allem als Entlastung für die Intensivstation. „Patienten, die nicht dort sein müssen, belegen dann auch keine Plätze mehr dort.“ In Zukunft werden tagsüber drei Schwestern auf der Zwischenpflegestation arbeiten, nachts eine. 13 neue Stellen haben die Elblandkliniken geschaffen: neben elf im Pflegebereich fangen auch zwei Ärzte neu an, ein Intensivmediziner und ein Anästhesist.