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Die Pieschener Nachwuchs-Baumeister

In der Markusstraße 11 bauen sich Kinder und Jugendliche ihr eigenes Freizeitquartier.

Von Alexander Gessert

Der siebenjährige Philipp buddelt und schüttet den Sand in einen Eimer, den dann ein Betreuer aus der Grube hievt. Als er etwas findet, ein Stück altes Porzellan, zeigt er es Michael Jopt, einem dieser Betreuer, und dieser verstaut das Gefundene sicher. Er ist zum ersten Mal hier, aber es macht ihm gleich sichtlich Spaß. Die Anlage auf dem Grundstück in der Markusstraße 11 hat der Verein „Stoffwechsel“ geschaffen. Dieser engagiert sich seit 1993 für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in ganz Dresden.

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Früher stand hier ein Haus, das im Krieg zerstört wurde. „Wir vermuten, dass hier ein Arzt oder Apotheker gewohnt hat, da wir sehr viele kleine Flaschen mit Etiketten finden, in denen wahrscheinlich Medikamente waren“, sagt Michael Jopt. „Ziel der Bauarbeiten ist erst einmal, den Keller freizulegen.“ Danach soll dieser wieder aufgebaut werden und in ihm drei neue Räume entstehen, die die Kinder als eine Art Freizeitquartier nutzen können. Michael Jopt hat dabei als technischer Leiter des Vereins die Aufsicht. Er überprüft aber lediglich Dinge wie Statik und Sicherheit, den Großteil der Arbeit machen die jungen Baumeister selbst. „Die Mädchen und Jungen sind alle freiwillig hier, weil es ihnen Spaß macht, niemand zwingt sie dazu“, erklärt der 49-Jährige. Zum Anfang sei der Elan der Mädchen und Jungen noch nicht so groß gewesen, da hätte man sie öfter motivieren müssen. Jetzt sei es häufig so, dass sie länger als die vorgegebenen Öffnungszeiten da bleiben wollen.

Pünktlich zum Tag der offenen Tür am 10. Mai sollen die Kellerräume vollständig ausgehoben sein, damit die Arbeit an den Jugendzimmern beginnen kann. Allerdings sei viel mehr der Weg das Ziel, so der Chef der Anlage Johannes Oßwald. „Es geht vor allem darum, die Kinder aus sozialen Brennpunkten zu holen und ihnen eine sinnvolle sowie spaßige Freizeitbeschäftigung zu bieten“, sagt der 38-Jährige. Der Verein finanziert sich hauptsächlich durch Spenden, unter anderem stellte der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Preisgeld für den Erich-Kästner-Preis zur Verfügung.

Demnächst soll das Gebäude erweitert werden, um Platz für einen Elternraum sowie eine Praktikantenwohnung zu schaffen. „Dann können unsere Mitarbeiter 24 Stunden vor Ort sein und auch außerhalb der Öffnungszeiten jedem ein offenes Ohr schenken“, erklärt Michael Jobt.