merken
PLUS Weißwasser

Die polnischen Händler sind wieder da

Nicht alle Grenzübergänge sind für sie offen. Aber trotz der Probleme locken Märkte und Käufer in und um Weißwasser.

Die polnische Händlerin Janina Rulyna steht seit zwei Wochen wieder jeden Tag, bis auf Sonntag, von morgens bis mittags an Bendels Kreuzung in Krauschwitz. Die deutschen Kunden haben lange auf ihre Rückkehr gewartet, nutzen das Angebot gern.
Die polnische Händlerin Janina Rulyna steht seit zwei Wochen wieder jeden Tag, bis auf Sonntag, von morgens bis mittags an Bendels Kreuzung in Krauschwitz. Die deutschen Kunden haben lange auf ihre Rückkehr gewartet, nutzen das Angebot gern. © Sabine Larbig

Schon von weitem fallen das blau-weiß gestreifte Zeltdach und die bunten Pflanzen vorm Gasthaus an Bendels Kreuzung in Krauschwitz auf. Viele Autofahrer, selbst Durchreisende, steuern aus Neugier den Parkplatz an. Andere kommen gezielt zum Einkauf von Obst, Gemüse und Blumen. Vorrangig ältere Bürger, weil sie sich so Fahrten in andere Orte ersparen.

Viele Wochen ohne Einnahmen

Möglich macht es Janina Rulyna. Seit Jahren steht die Polin von Montag bis Sonnabend in Krauschwitz. Nur nicht in den letzten Monaten. Denn Janina, die in Olszyna wohnt, durfte durch die corona-bedingte Grenzschließung zwischen Polen und Deutschland nicht anreisen. „Ich hatte viele Wochen keine Einnahmen. Es war sehr hart“, erzählt sie. Seit zwei Wochen ist sie dank Lockerungen der polnischen Regierung wieder da. Dass ihr die deutschen Kunden treu blieben, freut sie besonders.

Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Auf Wochenmärkten in Weißwasser und Niesky anzutreffen ist auch wieder Waclaw Bugank. In Polen baut er auf 1,7 Hektar Spargel an. Auch ein Erdbeerfeld und 26 Hektar für Getreide und Kartoffeln gehören zu seinem Betrieb, dessen Erzeugnisse er in Deutschland verkauft. Lange Anfahrten hat Waclaw, der einen für Deutschland gültigen Gewerbeschein besitzt, nicht. „Ich habe nur etwa 30 Minuten Fahrzeit.“ Ihn plagen andere Sorgen. „Normalerweise habe ich bei der Spargel- und Erdbeere-Ernte Helfer aus der Ukraine. Die durften wegen Corona dieses Jahr nicht nach Polen. Nun sind nur meine drei polnischen Mitarbeiter und ich auf den Feldern, weshalb ich auch nur zwei deutsche Märkte mit geringerer Warenmenge als sonst besuchen kann“, erzählt er. „Trotzdem bin ich froh, überhaupt in Deutschland verkaufen zu dürfen.“

Hohe Kosten durch lange Umwege

So geht es ebenfalls Dorota Oleksyszyn, deren Frischwaren und Süßigkeiten in Weißwasser und Löbau gefragt sind. Normalerweise fahren sie und ihre Kollegin in Leknica über die Grenze. Nun, da nur die großen Autobahn-Grenzübergänge Frankfurt (Oder), Guben, Forst und Görlitz für fliegende Händler mit Genehmigungen offen sind, fahren sie hin und zurück 180 Kilometer Umweg. „Dadurch haben wir einen noch längeren Arbeitstag und zusätzliche Kosten. Doch bisher hatten wir gar keine Einnahmen. Aber wir hoffen trotzdem, dass die Grenzen bald wieder ganz offen sind“, bekennt Dorota.

Darauf, dass lange Wartezeiten und Staus, Temperaturmessungen und Gewerbeschein-Kontrollen an der Grenze wegfallen, hofft auch Familienvater Krzysztof Skowron. Drei Mal die Woche baut er seinen kleinen Stand in Weißwasser beziehungsweise Zittau auf. Die Kunden freuen sich, dass er und andere polnische Händler wieder auf den regionalen Märkten vertreten sind. „Ohne die polnischen Händler ist das Angebot an frischem Obst und Gemüse auf den Märkten relativ gering. Außerdem sind sie alle sehr hilfsbereit und freundlich“, so Angelika Ansorge aus Weißwasser, die bei Krzysztof aus Bunzlau bekennende Stammkundin ist.

Während die bisherigen Lockerungen auf beiden Seiten der Grenze bereits als Erleichterung empfunden werden, könnte es bald wieder zur Normalität in der Grenzregion kommen. „Wir gehen davon aus, dass es möglich sein wird, nach dem 15. Juni Grenzen zu öffnen, wenn sich die Situation nicht schneller entwickelt als jetzt“, sagte Entwicklungsministerin Jadwiga Emilewicz kürzlich der Wirtschaftszeitung „Puls Biznesu“. Abhängig macht sie die Entscheidung von der Anzahl der Corona-Neuinfektionen in polnischen Nachbarländern und deren Sicherheits- und Hygienestandards.

Große Hoffnung auf Grenzöffnung

In Sachsen hat man schon auf die angekündigten Grenzlockerungen von Polen (und Tschechien) reagiert und die Förderung für Berufspendler aus diesen Ländern zum 31. Mai eingestellt. Wie das sächsische Wirtschaftsministerium mitteilte, wurden bislang über 1,8 Millionen Euro Unterbringungszuschuss an 10.466 Grenzgänger aus Polen und 9.134 aus Tschechien gezahlt. „Wir konnten so dazu beitragen, unser Gesundheitssystem, Pflegeeinrichtungen und weitere Bereiche systemrelevanter Infrastruktur aufrechtzuerhalten“, so Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig. Davon profitierten fliegende Händler aber nicht. Sie hoffen auch auf Polenmärkten wie in Łęknica und anderswo auf offene Grenzen.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser