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„Die Preise wollen wir nicht erhöhen“

Das Weingut Schloss Proschwitz gibt seine Eventagentur auf und hat Sorgen mit der Ernte. Hilfe kommt aus Thüringen.

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© Claudia Hübschmann

Im Meißner Schloss Proschwitz sind Parkettspezialisten bei der Arbeit. Sie restaurieren das Tafelparkett im Gelben Saal der Bel Etage. Auch im Erdgeschoss werden weitere Räume restauriert. Etwa ein Drittel des Schlosses wartet noch auf seine Restaurierung. Mit Schlossherrin Alexandra Prinzessin zur Lippe (50) sprach die SZ über Gegenwart und Zukunftsstrategien des Lippeschen Familienunternehmens.

Prinzessin zur Lippe, Sie lösen die Eventagentur des Weingutes auf. Was ist der Grund dafür?

Wir haben den Veranstaltungsbereich nicht aufgegeben, sondern werden ihn erweitern, haben aber unsere Organisationsstruktur verändert. Wie jedes andere private Unternehmen müssen wir regelmäßig unsere Kostenstrukturen überprüfen und haben erkannt, dass wir auf die Gegebenheiten des Jahres 2013 (Ernteverlust von einem Drittel – die Red.) mit Strukturveränderung im Event-Bereich und Personalreduktion reagieren mussten. Das Jahr 2013 war ein schweres Jahr für uns, es gab einen langen Winter, und im Frühsommer wurden infolge der Flut mehrere große Veranstaltungen leider abgesagt.

Warum hatte die Kooperation mit dem Sternekoch Mario Pattis in Ihrem Restaurant in Zadel keine Zukunft?

Mario Pattis und uns verband von Anfang an ein auf zwölf Monate begrenzter Vertrag. Es hat sich gezeigt, dass sich eine Küche auf Sterne-Niveau auf dem Lande hier nicht realisieren lässt. Da ist die Stadt Dresden einfach zu nah und zu stark, der Markt zu klein. Mario Pattis, den wir persönlich sehr schätzen, möchte auf höchstem Niveau kreativ sein. Wir setzen auf eine qualitativ hochwertige Küche mit regionalen, frischen Zutaten, die in Harmonie mit unseren Weinen steht.

Wo sehen Sie ihre neue Rolle im Familienunternehmen?

Ich leite weiter den Bereich Veranstaltungen. Wir verzeichnen zunehmend Aufträge für Hochzeiten, Familienfeiern, Firmenveranstaltungen und immer mehr Tagungen. Seit einem Jahr bin ich zusätzlich für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit auch im Weingut zuständig. Ansonsten bin ich noch ein bisschen das Mädchen für alles in unserem Betrieb. Auch im Journalismus bin ich weiter aktiv, moderiere regelmäßig im Deutschlandradio und übernehme manchmal freie Moderationsaufträge.

Es wird gesagt, Ihr Weingut macht exzellente und oft prämierte Weine, hat aber beständig wirtschaftliche Probleme. Warum ist das so?

Wenn das so wäre, hätten wir wohl nicht über knapp 25 Jahre beständig investiert. Natürlich ist der Weinbau in Sachsen wirtschaftlich nicht einfach, die Erträge sind nicht jedes Jahr gleich, schwanken enorm. Naturereignisse wie Frost oder Hagel lassen die Durchschnittserträge in Sachsen auf ein im deutschen Vergleich sehr geringes Niveau fallen, kommen dann noch Ereignisse wie die Flut 2002 oder 2013 hinzu, die plötzlich eine große Zahl von gewerblichen Kunden, Hotels und Handelsbetriebe betrifft, so schlägt dies natürlicherweise auch auf den Umsatz eines Weingutes durch. Insgesamt sehe ich jedoch nicht nur auf Basis unserer Zahlen, sondern auch aus der Betrachtung des Marktes, eine nachhaltig positive Entwicklung für unser Unternehmen.

In den zurückliegenden zweieinhalb Jahrzehnten haben wir mit hohem unternehmerischen Risiko Aufbauarbeit betrieben. Wir haben Weinberge erneuert, eine riesige marode Bausubstanz in Zadel im Weingutshof und in Proschwitz saniert und einige signifikante Neubauten errichtet. Wir haben unseren Betrieb hinsichtlich seiner technischen Ausstattung und Möglichkeiten zu einem der modernsten Betriebe seiner Branche in Deutschland gemacht.

War der Kauf des Schlosses in Proschwitz vielleicht ein Fehler?

Ich glaube nicht. Das Schloss gehört zu uns, zur Familie und zum Weingut. Es ist ein Anziehungspunkt für unsere Kunden und für viele Menschen aus der Region und weit darüber hinaus. Aber wir müssen natürlich die Kredite für unsere Aufbauinvestitionen jeden Monat abzahlen. In den Jahren 2009 und 2010 verloren wir durch Frost und Hagel die Hälfte der Ernte. Solche Einbußen sind Millionenschäden für uns, die wir nur Schritt für Schritt wieder ausgleichen können. Trotz der Versicherung, die uns jährlich eine sechsstellige Summe kostet. Sie werden ohnehin kaum ein Weingut finden, das im Geld schwimmt. Wir tun dies auch nicht. Natürlich besitzen wir Vermögen, es ist aber in Stein und in den Weinbergen gebunden. Dafür haben wir sichere Arbeitsplätze geschaffen. Knapp 100 in Meißen und fast 20 in Weimar. Mein Mann ist durch und durch Unternehmer. Er hat Visionen und klare Vorstellungen, wie diese realistisch schrittweise umzusetzen sind.

Was wird, wenn Sie in Rente gehen? Kann Ihr Sohn Moritz das Weingut übernehmen?

Unser Sohn ist neuneinhalb. Er soll erst einmal eine schöne Kindheit haben und eine gute Bildung. Dann kann er sich entscheiden. Wir schauen auch, wie es andere machen. Alternativ existieren Modelle wie Stiftungen, falls unser Sohn andere Pläne hat. Für uns ist wichtig, dass wir alle, unsere Mitarbeiter und wir, eine gesicherte wirtschaftliche Basis haben, und, dass das jahrhundertealte Weingut Schloss Proschwitz in die Zukunft geführt wird.

Sie haben ein Drittel weniger geerntet. Droht den Kunden eine Preiserhöhung?

Wir haben in Proschwitz deutlich weniger geerntet, aber dafür eine gute Erntemenge in Weimar eingefahren. Die Preise wollen wir dieses Jahr nicht erhöhen.

Das Gespräch führte Ulf Mallek.