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Die Pulsnitzer Bibliothek muss erhalten bleiben!

Holger Längert aus Pulsnitz hat einen längeren Leserbrief zur geplanten Schließung der städtischen Bibliothek verfasst. Die Sächsische Zeitung bringt ihn hiermit in gekürzter Fassung zur Kenntnis: Mit...

Holger Längert aus Pulsnitz hat einen längeren Leserbrief zur geplanten Schließung der städtischen Bibliothek verfasst. Die Sächsische Zeitung bringt ihn hiermit in gekürzter Fassung zur Kenntnis:

Mit Entsetzen habe ich vernommen, dass wegen einer Sparauflage in Höhe von 20 000 Euro die Stadtbibliothek in Pulsnitz geschlossen werden soll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine gewissenhafte Prüfung von Alternativen erfolgte.

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Bürgermeister Peter Graff spricht von nur 300 Lesern. Diese Zahl widerspricht der offiziellen Statistik. Dort wird im September die Zahl von 418 angegeben, das sind 100 Leser mehr. Gleichzeitig ist dort ersichtlich, dass die Leserzahl nach dem Tiefpunkt von 2011 mit 327 Lesern in beiden letzten zwei Jahren um jeweils ungefähr 45 zunahm. Es ist eine positive Entwicklung erkennbar, und eine Schließung sollte deshalb keine Option zur Einsparung darstellen. Die internationalen Standards empfehlen eine hauptamtliche Bibliothek für Orte ab 5000 Einwohner. Ich frage mich ernstlich, ob Möglichkeiten der Kooperation mit anderen Bibliotheken gesucht wurden. Das würde aufgrund bessere Synergieeffekte als die Integration in die „Kultur- und Tourismus gGmbH“ mit völlig anderem Schwerpunkt bieten. Weitere Möglichkeiten wären Beitragserhöhungen, Spendenaufrufe zur Verbesserung der Ausstattung und auch eine moderate Kürzung der Öffnungszeiten.

Die Kultur-GmbH wieder auflösen

Damit komme ich zu einem weiteren Vorschlag, die 20 000 Euro einzusparen: die Auflösung der „Kultur- und Tourismus gGmbH“. Diesen Vorschlag halte ich aus vielen Gründen für diskussionswürdig. Der Wichtigste: Es ging nie um die Gründung einer Gesellschaft um ihrer selbst willen, sondern nur dafür, die anstehenden kulturellen und touristischen Aufgaben besser als bis 2012 zu meistern. Dies ist der Gesellschaft nicht gelungen; die ihnen zugewiesenen Teilaufgaben des Marktbetriebes und der Bibliothek sollen beziehungsweise sind mehr oder weniger abgestoßen worden, und über dem Stadtmuseum schwebt schon dasselbe Damoklesschwert. Wenn jetzt verlautbart wird, dass der Erhalt der Gesellschaft das Ziel sein soll (Zitat aus der Schließungsinformation), werden Zweck und Ziel vertauscht. Wichtige Träger des kulturellen Lebens schließen sich der gGmbH nicht an, was deren demokratisches Recht ist, sodass Teile des Gesellschaftsvertrages eine Utopie darstellen. Die finanzielle Konstruktion dieser Gesellschaft ist ein Risiko für die Stadtkasse, da sie zum unbegrenztem Verlustausgleich durch Zuschüsse verpflichtet ist. Die anlässlich der Wahl zum Bürgermeister versprochene Transparenz ist in der Gesellschaft nicht erkennbar; meines Wissens wurde weder die Geschäftsleitung öffentlich ausgeschrieben, noch die privaten bzw. ehrenamtliche Befangenheiten der derzeitigen Geschäftsführerin ernst genommen. Auch der Beirat nahm meines Wissens nicht die Arbeit auf.

Ich kann nicht zustimmen, dass die Erhaltung einer derartigen Gesellschaftskonstruktion das Ziel sein soll, dem die Bibliothek als ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens für die Einwohner der Stadt und seiner Umgebung geopfert werden soll. Nutzen wir das Geld, was für deren Geschäftsführung eingestellt ist, besser dafür, um die bis 2012 funktionierenden Strukturen zu stärken, ehe noch mehr finanzielle Probleme auf die Stadt zukommen.