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Die Räuchermänneln aus dem Wald

Ein paar ganz besondere Herren sind der Kipsdorferin Karin Schmidt schon seit Kinderjahren ans Herz gewachsen.

Von Regine Schlesinger

Die beiden Pfeifenraucher haben es sich auf ihrer Bank gemütlich gemacht. Es sind ganz offensichtlich honorige Herren, wie die exakt frisierten Schnurrbärte, die schwarz glänzenden Zylinder und die ebenfalls dunklen Anzüge verraten. Einziger Farbtupfer ist jeweils der akkurat um den Hals geschlungene, blaue Schal, der ihnen eine lässige Eleganz verleiht.

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Diese beiden Ehrenmänner kann offenbar nichts aus der Ruhe bringen und auch die Zeit nichts anhaben. Sie sehen noch genauso aus wie vor einem guten halben Jahrhundert, als Karin Schmidt, die heutige Besitzerin, sie zum ersten Mal bei ihrem Onkel Ewald sah. Er hieß mit Nachnamen Phillip und dürfte in Glashütte kein Unbekannter gewesen sein. Der Postangestellte Ewald Phillip gab 1956 den Anstoß für die Gründung einer Schnitz- und Klöppelgruppe in Glashütte. Im Schnitzerhäusel der Uhrenstadt pflegte er über viele Jahre hinweg nicht nur selber die Schnitzkunst, sondern brachte sie auch anderen bei.

Bei seinen Spaziergängen durch den Wald kam ihm irgendwann offenbar die Idee für ein paar ganz besondere Räuchermänner. Er hielt aufmerksam nach Wurzel- und Aststücken Ausschau, die zu seinem Vorhaben passen könnten. Vogelbeer- oder Kirchholz schien ihm besonders geeignet. Drei solcher Ast- und Wurzelmänneln sind heute im Besitz von Karin Schmidts Familie. „Sie werden von uns gut gehütet“, versichert die Kipsdorferin. In der Advents- und Weihnachtszeit ist den originellen Kunstwerken ihres Onkels ein fester Platz im Haus immer sicher.

Sie selbst erinnert sich sehr gern an die Besuche bei ihrem Onkel Ewald und der Tante Klara in Glashütte, besonders an die in der Adventszeit. „Die Tante hatte dann immer süße Plätzchen und Kakao für uns parat“, erzählt sie. Am liebsten aber saß sie in Onkel Ewalds kleiner „Werkstatt“, einem winzigen Raum im Postamt Glashütte. Manchmal konnte sie ihren Onkel darin kaum erkennen, weil der nicht nur seinen Räuchermänneln große Pfeifen verpasste, sondern auch selbst bei seiner Schnitzerarbeit gerne ein Pfeifchen schmauchte. In dem Kämmerchen schnitzte er nicht nur Neues, sondern reparierte auch defekte Pyramiden oder Leuchter, die ihm die Leute brachten. Technik wie eine Drehbank oder Ähnliches benutzte er nicht, erinnert sich Karin Schmidt. „Er hatte sein Schnitzermesser, sonst nichts“, sagt sie. Dass die Männeln tatsächlich rauchen können, zeigen die verfärbten Schnurrbarthaare aus Hanf. Und wie kommen die Räucherkerzen in sie hinein? Ein Loch im rückwärtigen Teil der Herren ist nicht zu erkennen. „Ganz einfach“, sagt Karin Schmidt und hebt von einem der Pfeifenköpfe den oberen Teil ab, sodass er zum Herrn ohne Unterleib mutiert. Ein Schicksal, dass diese Räuchermännel mit allen anderen teilen, auch wenn sie etwas ganz Besonderes sind.