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Die Rente geht für den Pflegeheimplatz drauf

Soziales. Bei der Suche nach einem Platz imPflegeheim spielen auch die Kosten eine Rolle. Die liegen im Elbland über dem Durchschnitt.

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Von Jürgen Birkhahn

Wer für sich selbst oder für einen Angehörigen einen Platz in einem Pflegeheim sucht, der muss viel Geduld haben. Nicht nur die Plätze in den Heimen sind rar, auch für einen Preisvergleich sollte man sich ausreichend Zeit nehmen. So lang die Wartelisten in den Heimen des Elblandes sind, so groß sind auch die Unterschiede im Preis eines Heimplatzes.

Wartelisten haben verschiedene Ursachen, wie Karl-Heinz Halbich, Leiter des Altenpflegeheimes St. Benno in Meißen sagt. „Wir haben die Besonderheit, dass die Hälfte der Betten in Doppelzimmern stehen“, sagt er. Das hätte einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Heimen.

Dennoch gibt es auch hier eine Warteliste. Während die Listen in nahezu allen Heimen gleich lang sind (viele Interessenten melden sich in mehreren Heimen an), gibt es bei den Heimkosten Unterschiede bis zu 170 Euro. Heimkosten sind gesetzlich nicht vorgeschrieben, liegen im Verhandlungsgeschick zwischen dem Träger des Pflegeheimes und der Pflegekasse. „Und da geht es um Kostendeckung“, sagt Eduard Gauggell vom Referat Senioren und soziale Betreuung im Sozialministerium Sachsen. Der Kostenaufwand für Pflegeleistung und Unterkunft und Verpflegung ist von Heim zu Heim unterschiedlich. Gleich sind die Anteile, die Pflegekasse übernimmt. Die betragen derzeit 1 023 Euro für die Pflegestufe I, für die Stufe II sind es 1 279 Euro und 1 432 Euro für die Stufe II, erklärt Gauggell. Seinen Aussagen zufolge würden im Landesdurchschnitt die Heimbewohner für die Pflegestufe I noch etwa 600 Euro zuzahlen, 650 Euro bei der Stufe II und 900 Euro bei der Stufe III.

Das sieht im Landkreis Meißen allerdings etwas anders aus. Billigster Anbieter ist hier der städtische Eigenbetrieb mit einem Heim „Luise-Otto Peters“. 680 Euro müssen die Bewohner bei der Pflegestufe I zuzahlen. Bei der Pflegestufe II sind es 770 Euro, sagt Betriebsleiterin Erika Arlitt. Seit April arbeitet das Heim nach einer Leistungs- und Qualitätsvereinbarung. Die spiegele sich auch in den Kosten wieder. Denn mit einer Tagespauschale von 13,72 Euro für Unterkunft und Verpflegung gehört das Heim zu den sparsamsten in dieser Position. Das bedeute keinesfalls, so die Betriebsleiterin, dass am Essen gespart werde. Mit der gemeinsamen Essenzubereitung für die Bewohner der Seniorenanlage könne die Küche wirtschaftlicher arbeiten. In den nächsten Wochen soll die Zahl der täglichen Portionen erhöht werden, um weitere Interessenten mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Kostengünstig sei das städtische Heim auch wegen der geringeren Investitionsaufwendungen, die auf die Heimkosten der Bewohner umgelegt werden. 7,52 Euro sind es hier täglich. Bewohner in Heimen, für deren Bau es keine staatliche Förderung gab, müssen tiefer in die Tasche greifen. So im Seniorenpark Carpe Diem in der Dresdner Straße in Meißen. Hier werden täglich 12,75 Euro für Investitionsaufwendungen berechnet. Damit bezahlen Bewohner mit der Pflegestufe I eine Eigenleistung von 840 Euro monatlich.

Zusätzliche Angebote

„Allerdings“, so Gabriele Lindner von der Heimverwaltung, „ist in dem Preis auch der Wäschedienst inbegriffen. Wir reinigen sogar die private Wäsche und bieten kostenfrei die Ergotherapie an“. Zusätzliche Leistungen bieten viele Heime, da habe jeder ein anderes Angebot. So gibt es im „Schönen Blick“ in Nossen umfangreiche Freizeitangebote. Für die Unterbringung im Heim des ASB zahlen die Bewohner zwischen 717,65 Euro und 1 164 Euro.

„Die Eigenleistungen können meist mit der Rente aufgebracht werden“, sagt Gauggell. Wenn die nicht reicht, können die Betroffenen einen Antrag auf ergänzende Sozialhilfe stellen. „Da kommt es aber auch auf das Einkommen der Angehörigen an. Das ist nicht unproblematisch“, so Gauggell. Neu festgelegt werden die Vergütungen für die vollstationäre Pflege, wenn der Träger des Heimes mit der Erstattung der Kosten nicht mehr klar kommt. Niemand, so seine Aussage, könne die Zuzahlung für die Bewohner einfach in die Höhe treiben. Die Entscheidung für einen Heimplatz fällt oft aber danach, wo ein Platz frei ist. Egal, was er kostet.