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Die Retterin der Oberschule Hartha

Kerstin Wilde ist Schulleiterin, Coach und Berufsberaterin. Die Kraft dafür holt sie sich aus der Natur.

Seit 2012 ist Kerstin Wilde Leiterin der Harthaer Oberschule.
Seit 2012 ist Kerstin Wilde Leiterin der Harthaer Oberschule. © Dietmar Thomas

Hartha. Sie ist die Chefin von 15 Lehrerkollegen, darunter vier Männer, Coach für künftige Schulleiter, Mutter zweier mittlerweile erwachsenen Kinder, Ehefrau und begeisterte Radfahrerin. Sie liebt die Natur, Reisen nach Schottland und Frankreich und entspannt sich im Urlaub am liebsten dort, wo Berge und Meer ganz nah sind. Und Kerstin Wilde lebt für ihren Beruf.

Seit 1985 ist die geborene Karl-Marx-Städterin Lehrerin für Deutsch, Russisch und Französisch. Ihre ersten Berufsjahre absolvierte sie in einer Schule auf dem Chemnitzer Sonnenberg und übernahm dort für sechs Jahre die Aufgaben der stellvertretenden Schulleiterin. In dieser Zeit wurde sie zudem Mutter. „Dann wollte ich etwas anderes ausprobieren, mich weiterentwickeln“, erinnert sie sich. Das konnte sie fünf Jahre lang am Sächsischen Bildungsinstitut in Radebeul. „Dort habe ich vor allem wissenschaftlich gearbeitet. Wir haben Module entwickelt, mit denen künftige Führungskräfte im Schulalltag aus- und weitergebildet werden“, berichtet sie. Nebenberuflich habe sie zusätzlich eine Ausbildung als Trainer für Erwachsenenbildung und als Systemischer Business-Coach absolviert. Diese Erfahrung kann sie bis heute als Schulleiterin der Harthaer Pestalozzi-Oberschule nutzen.

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Seit 2012 leitet sie die Einrichtung. „Ich musste damals erst mal auf der Karte suchen, wo Hartha eigentlich liegt“, erinnert sie sich noch gut, als sie sich erfolgreich für die Stelle der Schulleiterin beworben hatte. „Da habe ich mir mein Rad geschnappt und habe mir die Gegend erfahren“, erzählt sie. Dass das eine Tour von 26 Kilometern von ihrem Wohnort Lichtenau bis nach Hartha und zurück war, erwähnt sie nur nebenbei.

Eine große Herausforderung wartete auf die Pädagogin, die sie mit Begeisterung und großem Engagement annahm. „Das Bestehen der Schule stand seit zehn Jahren auf der Kippe. Unsere Aufgabe war es, gemeinsam ein zukunftsfähiges Konzept für die Einrichtung zu entwickeln“, berichtet sie.

Das habe schließlich gut geklappt. „Wir haben entschieden, dass wir uns über Inhalte und entsprechende Angebote definieren wollen. Das haben wir geschafft“, blickt sie zurück. Die Unterrichtseinheiten wurden vom 45-Minuten-Rhythmus auf 90-minütigen Blockunterricht umgestellt. In der Region einmalig sei, dass in der Harthaer Oberschule mit dem sogenannten „Wochenband“ eine Möglichkeit für alle Schüler geschaffen wurde, freie Lernzeit mit Ganztagsangeboten zu kombinieren.

Der Tag der 56-Jährigen beginnt sehr früh. Schon 4.30 Uhr schlüpft sie in ihre Laufschuhe, setzt die Stirnlampe auf und und dreht eine Runde. „Ich muss mich jeden Tag morgens in der Natur bewegen. Das brauche ich“, sagt sie. Entweder im zügigen Geh- oder im lockeren Laufschritt absolviert sie in aller Herrgottsfrühe drei bis fünf Kilometer. Spätestens 7 Uhr beginnt dann ihr Arbeitstag in der Harthaer Oberschule, der meist zehn bis zwölf Stunden dauert. Dienstberatungen, Unterricht, Verwaltungsaufgaben, Elterngespräche stehen tagtäglich auf dem Programm.

Außerdem ist Kerstin Wilde Mitglied im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft im Altkreis Döbeln, der sich intensiv um eine bessere Berufsorientierung für die Schüler bemüht und Veranstaltungen sowie Kooperationen organisiert. „Ich möchte den jungen Menschen nach ihrem Schulabschluss Selbstbewusstsein und Rückgrat mitgeben. Ich hoffe, dass sie neugierig bleiben, zuhören können und vor allem – in der heutigen Zeit – Dinge auch hinterfragen“, sagt sie.

Ihre wichtigsten Führungsprämissen als Leiterin eines Kollegenteams seien Anerkennung und Wertschätzung, so die Lehrerin. Dabei spiele es überhaupt keine Rolle, ob sie einen Mann oder eine Frau vor sich hat. „Ohnehin habe ich Hochachtung vor allen meinen Kolleginnen und Kollegen. Sie schauen nicht auf die Uhr und es ist beachtlich, wie junge Familien heutzutage Arbeit, Elternzeit und Beruf unter einen Hut bringen.“

Trotzdem empfinde sie auch den Frauentag nach wie vor als gerechtfertigt und wichtig. Deshalb erhält auch jede Kollegin in der Schule am Frauentag von ihr eine Blume. „Einen Feiertag wie jetzt in Berlin brauchen wir zwar nicht, aber zum Beispiel das diesjährige Jubiläum 100 Jahre Frauenwahlrecht ist eine bedeutende Errungenschaft und auf jeden Fall wert, dass wir uns daran erinnern und dass wir dankbar dafür sind“, macht sie deutlich.

Den Anlass des Frauentages brauche sie privat aber eigentlich nicht. „Bei mir ist immer mal Frauentag, denn Blumen bekomme ich von meinem Mann unabhängig von einem bestimmten Datum“, sagt sie. Da sei ihr der Freitag als Wochentag viel wichtiger, denn da komme der Ehemann von seiner Arbeit fürs Wochenende nach Hause. Und das ist Grund genug, den Arbeitstag auch mal früher zu beenden als sonst.