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Die richtige Atmosphäre fehlt

Bis hin zur „1. Zittauer DJ-Night“ hatte sich die Zittauer Werbegemeinschaft so einiges für den vergangenen Sonnabend, den Nikolaustag, einfallen lassen. Von 9 bis 20 Uhr luden ihre Händler zum „Wunschzetteltag“ in die Zittauer Innenstadt. Auch Nichtmitglieder öffneten ihre Geschäfte.

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Von Torsten Töpler

Das traditionelle Rot schmiegt sich besonders eng an den Körper der jungen „Nikolausfrau“. Ein hübsches Gesicht schaut unter der Zipfelmütze hervor. Mit ihrem Glühwein-Ausschank bringt die derart verwandelte Verkäuferin von „Sport-Kunick“ ganz besondere Weihnachtsstimmung unter die Laden-Besucher. Immer wieder mal schaut einer rein. „Besser als letzte Woche, wo es so geregnet hat“, umschreibt ihre Kollegin Doreen die Anzahl bisheriger Kauflustiger. Ihr ganz eigener Wunsch für den Sonnabend: „Es könnte mal schneien.“

„Wenn es dann noch einen Weihnachtsmarkt gäbe“, sagt Erika Röthig. Die Zittauerin nutzt die verlängerten Öffnungszeiten zur Geschenksuche für ihre Familie. „Es ist kein Anziehungspunkt da“, ärgert sie sich. „Wenn wenigstens ein paar Buden auf dem Markt stehen würden. Man isst ja doch mal eine Bratwurst oder trinkt Glühwein.“

Doch der städtische Platz wirkt noch trist. Wenigstens der Schmuck in luftiger Höhe ums Rathaus leuchtet an diesem Nachmittag in der vierten Stunde. Hingegen der große Weihnachtsbaum und der zum Leuchter umgestaltete Brunnen bleiben duster. Nahezu verlassen wirkt ein kleines Häuschen inmitten des Marktplatzes. Das weiträumig ringsherum gezogene rotweiße Absperrband unterbindet jegliche Annäherungsversuche. Doch zu gucken gibt es sowieso nicht viel. Nur die schmucke dreistöckige Pyramide auf dem Dach gibt einen Hinweis auf die scheinbar berechtigte Existenz des hölzernen Baus. „Die haben offen, aber bloß in der Woche“, lüftet Katja Scholze das Rätsel der geheimnisvollen Bude. Da soll es dann auch Bratwurst geben.

Auch die Leiterin des „s. Oliver“ hätte sich den Weihnachtsmarkt zeitiger gewünscht. „Wir sind schon zufrieden“, bewertet Katja Scholze das bisherige Kundeninteresse, „hätten aber vom Nikolaustag mehr erwartet.“ Als Ursache sieht sie auch fehlende Ideen anderer Geschäfte.„Wir haben uns Mühe gegeben und einen DJ engagiert.“ Die würzig-scharfen Klänge von Sound-Macher „Letscho“ wummern die Gedanken schon mal in Richtung abendlicher „DJ-Night“ in Zittauer Kneipen. „Unsere Richtung ist das eher nicht“, gesteht die 24-jährige Susann Rößner. Eine Weihnachtsfeier ist eh heute Abend bei ihr angesagt. Gemeinsam mit ihrer Freundin bummelt die Oberseifersdorferin die Innere Weberstraße entlang. Die Idee des Einkaufstages mit dem kostenfreien Parken finden beide prima. Auch sie vermissen aber den Weihnachtsmarkt mit Pfefferkuchen und Glühwein.

Die für andere Heißgetränke notwendigen Blätter und Blüten haben im benachbarten Teehaus Hochkonjunktur. Allein zwei Frauen sind dort mit dem Verpacken beschäftigt. „Bei uns“, sagt Inhaberin Rita Martens, „waren heute Weihnachtsgeschenke der Renner.“ Bis Nachmittag sei es sehr gut gelaufen. „Aber dass es heute länger geht, wusste kaum jemand.“ „Wir hoffen, dass er was bringt“, sagt der Inhaber von „Theile & Wagner“ und behält sich die endgültige Wertung des „Wunschzetteltages“ noch vor. Er vermutet, dass viele Leute der Region in den großen Zentren, wie beispielsweise auf dem „Dresdner Striezelmarkt“, sind. „Wenn es nicht glatt ist“, so seine Meinung, „fahren sie dorthin.“