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Radebeul

Die Rietzschke hat die Straße zerstört

Der kleine Bach im westlichsten Grund von Radebeul kann Kraft entwickeln. Jetzt wird er aber in die Schranken gewiesen.

Vorbereitungen für das Verlegen des Rietzschkebachs von den Männern der Firma Heinz Lange aus Ottendorf-Okrilla. Der Wasserlauf soll wieder näher an den Wald heran – weg von der Straße.
Vorbereitungen für das Verlegen des Rietzschkebachs von den Männern der Firma Heinz Lange aus Ottendorf-Okrilla. Der Wasserlauf soll wieder näher an den Wald heran – weg von der Straße. © Arvid Müller

Radebeul. Wer vielleicht dieses Wochenende im Rietzschkegrund wandert, sollte mal an der schmalen Grundstraße entlanggehen. Gefährlich ist es derzeit ohnehin nicht, denn Autos können hier momentan nicht fahren. Was der Wanderer da zu Gesicht bekommt, ist das, was der Rietzschkebach anzurichten vermag.

Die Bäume und Büsche am östlichen Rand der Straße bis zum Wald sind gerodet, und es wird deutlich, was der Bach, der im amtlichen Sprachgebrauch als „temporär wasserführendes Kleingewässer“ eingestuft wird, für eine Kraft entwickeln kann. Die Straßenränder sind ausgebrochen. Steine liegen umher. Asphalt sieht aus wie ein ausgefranster Teppich. Immer dann, wenn ein Starkregen niedergeht und das Wasser aus dem Oberland zu Tale will, werden die Schäden größer.

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Schon vor Jahrzehnten haben die Rietzschkegrund-Bewohner versucht, den Bach zu bändigen. Es gelang offenbar immer nur kurze Zeit. Zerborstene Rohre im Bachbett zeugen von ehemaliger Drainage, die nicht gehalten hat, was sie sollte. Auch ist der Bach gewandert. Von seinem eigentlichen Bett direkt am Waldrand immer weiter zur Straße hin. Einfach dem Gefälle gefolgt. Zuletzt, also vor allem seit dem Unwetter von 2013, ist die Rietzschke bis an die Straße vorgedrungen und hat diese teilweise unterspült.

Nur eine von vielen Bruchstellen an der Straße Rietzschkegrund. Hier hat der Bach die Straße ausgespült. Eine ehemals als Drainage eingebrachte Rohrleitung ist zerbrochen und erfüllt ihren Zweck nicht mehr.
Nur eine von vielen Bruchstellen an der Straße Rietzschkegrund. Hier hat der Bach die Straße ausgespült. Eine ehemals als Drainage eingebrachte Rohrleitung ist zerbrochen und erfüllt ihren Zweck nicht mehr. © Arvid Müller

Das ist auch der Grund, weshalb Radebeul für die wesentliche Straßenstrecke neben dem Bachverlauf Landesmittel aus dem Hochwasserschutztopf bekommen hat, um die Fahrbahn wieder in Ordnung zu bringen. Weil das aber alleine nichts nützt, der Bach wieder an der Straße arbeiten könnte, so Ronald Ramisch als Projektsteuerer des Bauvorhabens, muss der Bach gebändigt werden.

Das geschieht jetzt in den nächsten Monaten bis Jahresende. Ramisch hat dafür auch historisches Kartenmaterial von der Unteren Naturschutzbehörde bekommen, welches belegt, wo der Rietzschkebach einmal verlief. Ziel ist nun, den Wasserverlauf naturnah wieder an den Hangfuß zurückzuverlegen.

Die technische Gestaltung und Ausbildung des Bachlaufs sollen dabei der Größenordnung eines nur temporär wasserführenden Kleinstgewässers entsprechen. So wird der Bachquerschnitt relativ flach ausgeführt und zur Stabilisierung von Bachsohle und Böschungen sollen vor allem natürliche Materialien eingesetzt werden. Keine großen Steinblöcke, wie anderswo zum Hochwasserschutz verwendet.

Eine zweite wichtige Schutzmaßnahme ist es, den bisher unter der westlichen Straßenseite verlaufenden Rohrkanal stillzulegen – weil dieser an vielen Stellen zerstört ist. Stattdessen wird unter der östlichen Straßenseite ein neuer Kanal angelegt.

Beim darauffolgenden Neuaufbau der Straße, die Fachleute sagen grundhafter Ausbau, wird die Neigung der Straße komplett gedreht. Bisher neigt sich die Straße Rietzschkegrund nach Osten Richtung Wald. Wenn die Rietzschke viel Wasser hat, kann sie so direkt auf die Straße fließen und Schaden anrichten. 

Der Neuaufbau geschieht so, dass sie der Asphalt gerade zur anderen Seite neigt. Damit wird die Waldseite erhöht, der Bach bekommt mit dem neuen Straßenbankett eine klare Grenze. Damit das Wasser nicht mehr an der Straße arbeiten kann, werden dort außerdem kleine Buhnen angelegt. Und zugleich bekommt die Straßenseite mit den Häusern einen ordentlichen Bord mit Wassereinläufen, die mit dem neuen Rohrkanal unter der Straße verbunden sind.

Projektsteuerer Ronald Ramisch: „Zielstellung der Maßnahme ist es, neben einer kostenoptimierten Straßeninstandsetzung die eigentlichen Ursachen, Schädigungen durch das permanent fließende Wasser entlang der Straße mit jährlichen Überflutungen von Straßenteilen, zukünftig auszuschließen.

Die Baukosten betragen rund 480 000 Euro, die vom Bund und vom Freistaat im Rahmen der Instandsetzung nach dem Hochwasser 2013 zu 100 Prozent gefördert werden. Mit dem Bau auf der rund 230 Meter langen Strecke im Rietzschkegrund ist die Firma Heinz Lange Bauunternehmen GmbH aus Ottendorf-Okrilla beauftragt worden. Plan ist es, bis Dezember alles erledigt zu haben, so Ronald Ramisch.

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