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Die Rückkehr des Reichsgrafen

Das Schloss Lauenstein konnte dank Spendern zwei Gemälde zurückkaufen. Einst hingen sie im Nachbarort.

© Egbert Kamprath

Von Gabriele Gelbrich

Lauenstein. Zum Jahreswechsel gab es ein ganz besonderes Geschenk für das Osterzgebirgsmuseum Schloss Lauenstein. Das Museum bekam zwei wertvolle großformatige Gemälde zurück, die jetzt gezeigt werden. Beide Porträts stammen ursprünglich aus dem benachbarten Schloss Bärenstein. Sie wurden ab 1995 im Osterzgebirgsmuseum gezeigt, allerdings neun Jahre später nach Ablauf des Niesbrauchrechts im Auftrag der Familie von Lüttichau, die Restitutionsansprüche gestellt hatte, nach München verbracht. Nun sind sie wieder im Osterzgebirge zu bewundern. Das Museum im Schloss Lauenstein konnte die beiden Porträts zurückkaufen. Sie sind historisch wie künstlerisch ein Gewinn für das Haus und gehören nun zu den wertvollsten Objekten der Sammlung. Es ist ein großes Glück, dass die Abwanderung der Bilder abgewendet werden konnte. Möglich wurde dies dank großzügiger Unterstützung der zum Freistaat Sachsen gehörenden Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, der Stadt Altenberg und einigen privaten Spendern.

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Bei den Bildern handelt es sich um zwei Porträts. Das ältere der beiden Gemälde stammt aus dem Jahr 1589. Es zeigt Margarethe von Pflugk wohl als 15-Jährige. Sie heiratete einst den 1553 geborenen Caspar von Bernstein und gebar zwei Söhne und eine Tochter. Sie starb am 19. Januar 1638 in Bärenstein. Das Gemälde ist in erster Linie wegen der detailreichen Tracht und der sorgfältigst dargestellten Ketten, Ringe und mit Wappen versehenen Kleinodien bemerkenswert. Der Maler ist nicht bekannt.

Mit dem Bild ist die Sage von der unglücklichen Margarethe verbunden, wie der Bärensteiner Heimatforscher Helmut Richter herausfand. Margarethe soll wegen ihrer Liebe zu einem ihr nicht ebenbürtigen oder nicht standesgemäßen Jüngling im Schloss Bärenstein eingemauert worden sein und noch heute ruhelos im Schloss spuken. Das Renaissance-Porträt ist das älteste Gemälde, welches derzeit im Museum gezeigt wird und damit auch ein wunderbarer Zeitzeuge. Es repräsentiert jene Epoche, in welcher nicht nur das Lauensteiner Schloss, sondern eine ganze Region zu großer Blüte gelangte und welche das Schloss als Denkmal noch heute im Wesentlichen prägt – die Renaissance. Für die Museumsarbeit besitzt dieses Bild viel Substanz: Von Mode über Sozialgeschichte bis hin zu Sagen im Osterzgebirge oder Wappenkunde – viele Themen lassen sich anhand des Gemäldes illustrieren.

Das zweite für die Sammlung nicht minder bedeutende Gemälde entstand 1729 und zeigt das Porträt des Reichsgrafen Christian Gottlieb von Holtzendorff. Es ist künstlerisch von hoher Qualität. Zwar ist der Künstler nicht bekannt, es kann aber stilistisch nach Sachsen verortet werden. Weitere Forschungsarbeit wird sicher noch Genaueres ergeben. „Der auf diesem Bild Dargestellte war unter August dem Starken und dessen Sohn eine der führenden und milieuprägenden Persönlichkeiten des kursächsischen Adels“, sagt der Dresdner Kunsthistoriker Hendrik Bärnighausen. Im Auftrag beider Kurfürsten bekleidete dieser bei Hofe, im Finanz- und im Konsistorialwesen bedeutende Ämter. Die sächsische Kulturgeschichte des „Augusteischen Zeitalters“ prägte von Holtzendorff durch sein Agieren bei Hofe, aber auch durch den Bau seines Schlosses in Oberlichtenau. Auf dem Gemälde hat sich von Holtzendorff als Herr von Ober- und Niederlichtenau darstellen lassen: Rechts neben der Person wird als Hintergrundmotiv ein Teil des Schlossparks von Oberlichtenau wiedergegeben,“ sagt Bärnighausen. Die Familiengeschichte des Dargestellten sei eng mit der Geschichte der Lauensteiner Herrschaft und der Familie der Gräfin Cosel verbunden.

Unsere Autorin ist Leiterin des Lauensteiner Osterzgebirgsmuseums.