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Die rüstigen Rentner

Seit 20 Jahren üben sie jeden Dienstag in der Sporthalle. Nicht wenige sind aber schon über 80.

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© Brühl

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Was ist der Unterschied zwischen sporttreibenden Senioren und Schülern im Sportunterricht? „Die einen wollen immer, die anderen nicht“, sagt Heinz Lösche und schmunzelt. Der langjährige Sportlehrer weiß, wovor er spricht. 40 Jahre unterrichtete er in der Schönfelder Schule. Deshalb kam der heute 81-Jährige auch dazu, Übungsleiter der Seniorensportgruppe der SG Schönfeld zu werden. „Wenn wir uns jeden Dienstag in der Turnhalle treffen, wollen wir etwas für unsere Gesundheit tun“, sagt Lösche kategorisch. So viel Erkenntnis haben die Jungen oft eben noch nicht.

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Die 30 Frauen und zwei Männer der SG Schönfeld wissen dagegen: wer rastet, der rostet. Und das wollen sie auf keinen Fall. Deshalb recken die 65- bis 85-Jährigen munter große Medizinbälle in die Höhe, halten sich mit Geschicklichkeitsübungen und Reaktionsspielen fit. Nach angemessener Erwärmung versteht sich. Kleine Hilfsmittel wie für den Ringzielwurf bauen sie sich selbst. Und das alles trotz Hüftprothesen, wie bei Heinz Lösche und seiner Frau. Seine Ingrid unterstützt ihn in vielem.

Größte Abteilung des Vereins

Bei einer Rückenschule der AOK hatten die Schönfelder 1994 die Lust an regelmäßiger sportlicher Betätigung entdeckt. Schnell war der Wunsch aufgekommen, weiterzumachen. So kann die Gruppe, von denen noch vier Gründungsmitglieder dabei sind, am 1. April auf ein 20-jähriges Bestehen zurückblicken. Die 32 Seniorensportler sind mithin die größte Abteilung der Schönfelder Sportgemeinschaft.

Mit der Frau von Bürgermeister Hans-Joachim Weigel hat die Gruppe eine prominente Abteilungsleiterin. Auch die Senior-Gastwirtsleute Thiele turnen mit. „Von der Gemeinde werden wir Sportler gut unterstützt, wir nutzen die Halle kostenfrei“, ist Vorstandmitglied Heinz Lösche zufrieden. Dafür helfen die rüstigen Sportler bei Gemeindeveranstaltungen wie beim Heimatfest oder der Schlossweihnacht. Und sie brachten jahrelang Ruhm und Ehre vom Großenhainer Seniorensportfest zurück nach Schönfeld. „Wir haben oft viele Medaillen abgeräumt, vor allem die goldenen“, sagt Heinz Lösche. Leider gibt es das Sportfest seit zwei Jahren nicht mehr. Doch zum Kreissportfest der Senioren fahren die Schönfelder noch gern nach Strehla. Da zeigen die rüstigen Rentner in ihren flotten T-Shirts, was sie drauf haben. Denn sie erhalten sich nicht nur bei der wöchentlichen Sportstunde gesund. Heinz Lösche blättert in seinen dicken akribisch geführten Chroniken und zeigt auf die Jahressportpläne: Wanderungen und Radtouren in die Umgebung sind da dokumentiert, Fahrten in sieben Bäder der Region. Heinz Lösche: „Wir kennen in der Umgegend jeden Strauch und jeden Baum.“ Ist einer mal nicht mehr so gut zu Fuß, darf er auch mit dem Auto fahren. Gute Laune und ein positives Lebensgefühl schenken sich die Seniorensportler bei Festen und Feiern, seien es runde Geburtstage oder sonstige Jubiläen. Sie sind zweifellos eine eingeschworene Gemeinschaft. Mit großem Schwungtuch und anderen Geräten präsentiert sich die Gruppe am örtlichen Seniorenheim – vor Gleichaltrigen, die leider nicht mehr so fit sind.