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Die Ruhe in Person

Adam Susac spielt bei Dynamo seit Wochen beständig gut. Aufgefallen ist das bislang nur wenigen.

© Robert Michael

Von Tino Meyer

Man nimmt ihn nicht wahr. Von hinten schleicht sich Adam Susac meist heran, so leise und unaufgeregt, wie er auch durchs Leben geht. Und wenn man Dynamo Dresdens kroatischen Abwehrspieler bemerkt, hat er den Ball schon erobert. Oft noch ehe der Zweikampf wirklich begonnen hat. Dass rund 30 000 Zuschauer um ihn herum im Stadion toben, schreien und gestikulieren wie zuletzt beim 3:2-Spektakel gegen Kaiserslautern, hebt den jungen Mann nicht an. Und dass es morgen in Köln noch viel mehr werden und auch seine Gegenspieler mutmaßlich viel besser sind, stört ihn genauso wenig. Susacs Gemütslage bleibt offenbar immer dieselbe: ruhig, bescheiden, blickig.

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Ihm selbst ist das natürlich auch schon aufgefallen, doch ein großes Thema will er daraus nicht machen. „So bin ich“, sagt der 24-Jährige nur. Für seine unendliche Ruhe auf dem Spielfeld hat er aber eine erstaunliche Erklärung parat. „Fußball ist doch ein Spiel, das wir für die Fans spielen. Und am besten ist es, wenn das Stadion voll ist. Es gibt also keinen Grund, warum ich deshalb unruhig sein sollte“, sagt Susac, der zwar ganz gut Deutsch versteht und die wichtigsten Begriffe auch schon sagen kann. Bei längeren Interviews weicht er aber doch lieber ins Englische aus – und benutzt das Wort cool, um sich und seine Spielweise zu erklären.

Auch wenn man neudeutsch darunter andere Vorstellungen hat, heißt das übersetzt nichts anderes als besonnen und gelassen. Und das wiederum beschreibt Susac perfekt. Große Worte sind ihm fremd, große Gesten sowieso. Nach Toren – drei hat er bislang schon für Dynamo erzielt, allesamt per Kopf – ballt er bestenfalls die Faust und trabt zurück an den eigenen Strafraum. Andere würden tanzen, springen oder sich das Trikot über den Kopf ziehen, Susac aber nicht. Er beschränkt sich auf das Wesentliche. Ein begeisterter Fußballer ist der Neuzugang trotzdem.

Seine Karriere hat in Novi Marof begonnen, einem kleinen Ort im Norden Kroatiens, in dem auch Handballstar Blazenko Lackovic aufgewachsen ist. „Er war für mich immer Motivation. Nicht weil ich so bekannt werden wollte wie Blazenko. Das ist mir egal, ich will nur Fußball spielen. Aber er hat mir gezeigt, dass es jemand aus unserer kleinen Stadt ganz weit schaffen kann“, erzählt Susac, der als 19-Jähriger für NK Varazdin in der höchsten kroatischen Liga debütierte. Zudem bestritt der frühere Junioren-Nationalspieler vier Partien in der Europa-League-Qualifikation. Doch 2012 schien seine Karriere dann zu stagnieren, er wurde ausgeliehen an einen Zweitligisten. Die Möglichkeit, in Deutschland spielen zu können, kam deshalb ebenso recht wie überraschend.

Der Wechsel zu Dynamo, meint er nun fünf Monate später, sei definitiv der richtige Schritt gewesen. Vor allem die Popularität des Vereins findet er faszinierend.

Sicherer Platz in den Jahrbüchern

„Die Fans sind unglaublich. In den ersten Wochen war ich wirklich überrascht. So was habe ich noch nie erlebt“, erzählt Susac. Er erinnert sich noch gut an sein erstes Spiel in Pirna. Eben wegen der Fans, die auch von einem Probespieler wie ihm ein Autogramm wollten. Zudem hat er dort nicht nur auf Anhieb ein Tor erzielt, sondern den ersten Saisontreffer der Dresdner überhaupt. Den Platz in den Jahresbüchern hat er also schon mal sicher.

Ein fester Platz gehört Susac auch in der Startformation, spätestens seit dem elften Spieltag darf er sich zum Stammpersonal zählen. Er weiß, dass er dabei auch ein Stück weit von den Kopfverletzungen Adnan Mravacs profitiert hat. Der Innenverteidiger kämpft momentan mit den Folgen des Zusammenpralls mit Benjamin Kirsten im Spiel gegen Aue vor vier Wochen. „Ado ist ein guter Freund und ein guter Spieler. Ich hoffe, er ist bald wieder bei uns“, meint Susac, dessen Vertrag vorerst bis nächsten Sommer läuft.

Geht es nach ihm, ist die Zukunft jedoch schon klar. „Ich würde gern fünf oder auch zehn Jahre hierbleiben“, sagt Susac. Ihm gefallen Stadt und Leute. Dresden, findet er, sei ein guter Platz zum Fußballspielen. Und das hat er auch seiner Frau Anja gesagt, die in Zagreb Medizin studiert.

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Für die Vertragsverlängerung ist er jedoch selbst verantwortlich. Bestreitet Susac über 20 Spiele, läuft sein Kontrakt ein weiteres Jahr bis Juni 2015. Zwölf Partien hat er bislang absolviert, die Chancen stehen also gut. „Doch du weißt nie, was passiert“, sagt Susac. Jedes Kopfballduell bringe zum Beispiel ein gewisses Risiko mit sich. Das aber, sagt er fast schon gleichgültig, gehöre zu seinem Job dazu. Also auch kein Grund zur Aufregung.