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Die Russen sind zurück

Zwei Jahre war es ruhig um die Touristen aus Osteuropa. Vorbereitet auf sie ist Dresden schon lange.

© AP/Michael Probst

Von Sandro Rahrisch

Bei Karstadt verraten kyrillische Buchstaben, wo Damen teure Handtaschen finden. Auf dem Flughafen sorgen Schneemädchen in weiß-blauen Kostümen für einen herzlichen Empfang. Und Luxusläden locken mit steuerfreiem Shopping. Dresden hatte sich voll auf zahlungskräftige russische Touristen eingestellt, als der Rubel plötzlich massiv an Wert verlor. Von den gut 52 000 Übernachtungen im Jahr 2015 konnten Hoteliers letztes Jahr nur träumen: Gerade einmal 34 500 kamen durch Gäste aus Russland zusammen.

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Doch einige Dresdner werden es vielleicht schon beim Bummel durch die Stadt gemerkt haben: In diesem Jahr kommen wieder deutlich mehr Russen an die Elbe. „Sie halten uns die Treue“, sagt die scheidende Marketingchefin Bettina Bunge am Mittwoch. Auch wenn sie nicht immer Geld in der Tasche hätten. Von Januar bis Juli haben sich die Russen Platz vier der stärksten Touristengruppen aus dem Ausland zurückerkämpft.

Schon jetzt sind über 27 000 Übernachtungen zusammengekommen, also 42 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Und da steht die Weihnachtszeit noch bevor, die viele Russen gern zum Einkaufen im Ausland verbringen. Ein Grund dafür, dass es wieder bergauf geht: Der Rubel gewinnt an Stärke. Fast acht Prozent hat die russische Währung seit Jahresanfang an Boden gut gemacht gegenüber dem Euro. Nicht nur die Geschäfte wird es freuen, auch die Moskau-Flieger von und nach Dresden sind deutlich voller als noch vor einem Jahr.

Insgesamt sieht es 2017 besser aus im Dresden-Tourismus. Bislang konnten 5,4 Prozent mehr Gäste und 3,6 Prozent mehr Übernachtungen aus dem In- und Ausland gezählt werden, verkündet Bunge auf ihrer letzten Pressekonferenz, bevor sie sich ab November um die Vermarktung Schleswig-Holsteins kümmert. Die Ergebnisse für August und September sind zwar noch nicht zusammengerechnet. „Aber es soll gut gewesen sein“, so Bunge. Der Deutschland-Tag der Jungen Union vor einer Woche und ein Urologen-Kongress mit mehreren Tausend Teilnehmern hätten die Betten gut gefüllt. Nach zwei schwachen Jahren soll es 2017 erstmals wieder aufwärts gehen. Bunge hatte den Begriff „Pegida-Delle“ geprägt, als deutsche Touristen infolge der Montagsdemonstrationen ausblieben.

Nächstes Jahr will die Stadt mit Großveranstaltungen Gäste locken. Im Januar findet erstmals der Skilanglauf Sprint Weltcup an der Elbe statt. „Es kommen Sportler, Trainer und Journalisten, die vorher vielleicht nicht so ein großes Interesse an Dresden hatten“, so Bunge. Im Kraftwerk Mitte wird das Musical „Club27“ inszeniert, das sich auf Stars konzentriert, die mit 27 Jahren aus dem Leben geschieden sind – Kurt Cobain, Jimi Hendrix und Amy Winehouse zum Beispiel. Bis 1 500 Reisefachleute werden im Mai zum Germany Travel Mart erwartet. Der Wettbewerb mit anderen Städten um solche Kongresse sei knallhart, sagt Bunge, aber wichtig, geführt zu werden. Immerhin würden Teilnehmer mehr Geld ausgeben als klassische Touristen.

Das Reiseziel Dresden wird im kommenden Jahr erstmals zusammen mit der Region zwischen Torgau und Radebeul vermarktet. So teilt sich die Brühlsche Terrasse das Werbeplakat mit der Meißner Albrechtsburg und das Militärhistorische Museum spiegelt sich mit dem Moritzburger Schloss. Man wolle mit den neuen Motiven, die in 15 Ländern gezeigt werden, überraschen, auch durch Gegensätze. Durch die gemeinsame Werbung sollen mehr Elbland-Touristen nach Dresden gelockt werden und umgekehrt. „Besucher kennen die Stadtgrenze nicht“, sagt Kai Schulz, der die DMG führen wird, bis ein neuer Geschäftsführer gefunden ist.