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Die Sache mit der Axt

Der Richter legt dem Angeklagten dem Gang zum Psychiater nahe. Der will dem nachkommen, aber nur unter einer Bedingung.

Von Manfred Müller

Sicher gibt es in der Psychiatersprache eine Bezeichnung für das Leiden, zwanghaft andere Menschen beschimpfen zu müssen. Das herauszufinden, ist aber nicht Sache eines Gerichts. Im Falle von Matthias Z. muss die Justiz jetzt aber einfach die Segel streichen.

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Der Niegerodaer ist angeklagt, einen Nachbarn bedroht zu haben. Wenn er ihm einmal bei Nacht begegne, soll Z. gesagt haben, werde er ihn mit der Axt um einen Kopf kürzer machen. Nachbar Walter U. zeigte den Vorfall und Matthias Z. bei der Staatsanwaltschaft in Meißen an, und Matthias Z sollte sich dafür nun vor dem Gericht verantworten. Aber der 49-Jährige hatte dazu keine Lust. Er erschien nicht zur Verhandlung und musste von der Polizei abgeholt werden. Nein, sagt er wenig später vor Gericht, er habe seinem Nachbarn nicht mit der Axt gedroht. Die Äußerung sei viel allgemeiner gewesen.

Eulenspiegel oder kranker Mensch?

Und zwar in etwa so: Im Krieg habe man den Feind vor sich, im Frieden habe man ihn mit einem Beil in der Hand im Rücken. Nein, sagt die als Zeugin geladene Lebensgefährtin des Nachbarn, sie habe genau gehört, dass er ihrem Mann persönlich bedroht habe. Der Mann hat wohl Probleme mit dem Gehör und außerdem, sagt er, höre er bei den teils wüsten Beschimpfungen gar nicht mehr hin. Er müsse sie bereits seit Jahren ertragen. Auch Titulierungen, wie „Nazischwein“, „Mördersau“ und „Hundesau“ seien ihm zuteil geworden. Nein, widerspricht der Angeklagte, weder Hunde noch Sauen seien der Gattung Mensch zuzurechnen. Er könne das also gar nicht gesagt haben.

Das Gericht will sich nun eigentlich der Wahrheitsfindung widmen, aber Matthias Z. fällt sowohl den Zeugen als auch der Staatsanwältin und dem Richter munter ins Wort. Auch die Androhung von 100 Euro Ordnungsgeld wegen Missachtung des Gerichts bringt ihn nicht zum Schweigen. Wie sich herausstellt, hat der Niegerodaer schon etliche Verurteilungen wegen Beleidigung, Bedrohung und Nötigung. Auch in psychiatrischer Behandlung war er. Hat die Justiz hier einen modernen Eulenspiegel auf der Anklagebank oder einen kranken Menschen?

Der Riesaer Amtsrichter Herbert Zapf tendiert zu Letzterem und fragt, ob Matthias Z. bereit sei, sich in Dresden von einem Gerichtspsychiater untersuchen zu lassen. „Ihnen zuliebe mache ich das“, gibt Z. gönnerhaft zurück. Hauptsache der Arzt sei nicht wieder so eine Alkoholleiche wie der Letzte. Erleichtert und auch ein wenig amüsiert lässt der Richter den Delinquenten von der Polizei nach Niegeroda zurückfahren. Weniger amüsiert sind die beiden Nachbarn, denen nichts Gutes schwant.