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Die Sammlerin vom Walberg

Claudia Zickler aus Schwosdorf macht sich für das Wal- und Wüsteberghaus stark. Ihr Enthusiasmus steckt an.

© es gelten meine agb.

Von Annett Kschieschan

Ein kleiner Berg türmt sich auf dem Tisch. 1-Cent-, 2-Cent- und 5-Cent-Münzen. 12,36 Euro sind es genau. Claudia Zickler hat nachgezählt. Und jetzt strahlt sie, als lägen da vor ihr hundert Euro oder mehr. „Zwölf Euro sind zwölf Euro – und jeder Euro hilft“, sagt die Schwosdorferin resolut und häuft den Münzenberg wieder zusammen. Gefunden hat sie ihn gemeinsam mit ihrem Sohn vor ein paar Tagen auf einem Stein vorm Wal- und Wüsteberghaus. Das Geld war in einen Lappen eingewickelt und mit einem Stück Geschenkband verschnürt. „Vielleicht hat sich jemand einfach einen Scherz erlaubt oder hatte eben selber keine Lust, das kleine Geld im Portemonnaie mit sich herumzutragen“, mutmaßt Claudia Zickler. Eigentlich ist es egal. Wichtig ist, dass wieder ein bisschen Geld in die Kasse kommt. Und was in die Kasse kommt, hilft dem Wal- und Wüsteberghaus.

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Baustelle braucht Hilfe

Das markante Haus mit der roten Fassade ist so etwas wie Claudia Zicklers zweite Heimat. Fast täglich ist sie hier. Und das nicht nur, weil sie auf 410-Euro-Basis für den Verein, der das Haus trägt, arbeitet. Die Schwosdorferin – sie wohnt nur wenige Hundert Meter von ihrem Arbeitsplatz entfernt – lebt auch ein bisschen für dieses Haus. Vor allem lebt sie für die Ideen, die hinter dem Wal- und Wüsteberghaus stehen. Naturnahes Leben und Wandern, Pilgern und vor allem Gemeinschaft gehören dazu. „Ich finde, man muss doch was machen hier auf dem Dorf, sonst passiert schließlich nichts“, sagt Claudia Zickler. Sie gehört zu denen, die wollen, dass noch ein bisschen was passiert auf den Dörfern. Deshalb schließt sie als Herbergsmutter Pilgern das Wal- und Wüsteberghaus zum Schlafen auf. Deswegen gibt sie Schulklassen Wandertipps, bastelt mit Kindern Nistkästen, sammelt alte Handys zur umweltgerechten Entsorgung. Deswegen organisiert sie Lesungen, Frühlings- und Weinfeste und kümmert sich um Herthas Laden, der mit zum Wal- und Wüsteberghaus gehört. Dieser Laden war gewissermaßen der Anfang. Als Schwosdorferin kannte Claudia Zickler das Lädchen noch aus Kindertagen. Später, das Geschäft war längst geschlossen und der Wal- und Wüstebergverein war gerade dabei, das Haus an der Landstraße Stück für Stück herzurichten, erinnerte sie sich an die alten Zeiten. Das war vor knapp zehn Jahren. Claudia Zickler – gelernte Dekorateurin – war gerade in Elternzeit und fand, aus dem Fenster zu Herthas Laden müsste doch was zu machen sein. Sie bot ihre Hilfe an.

Der Rest, so könnte man salopp sagen, ist Geschichte. Denn seit dieser Zeit gehören Claudia Zickler und das Wal- und Wüsteberghaus zusammen. Die dreifache Mutter wurde Vereinsmitglied und packt seitdem überall dort mit an, wo sie gebraucht wird. Jetzt zum Beispiel auch immer mal auf der Baustelle. Das Haus hat gerade eine neue Heizung bekommen. Als Nächstes sind die Fenster dran. Das alles kostet Geld, das der Verein mit einem Dutzend Mitgliedern nicht einfach so auf dem Konto hat. Ohne Hilfe – ohne Fördermittel und vor allem Spenden – geht es nicht. Claudia Zickler ist sich nicht zu schade, um Geld zu bitten. Die kleine, quirlige Frau mit den blonden Haaren ruft Kommunalpolitiker und Firmen an. Und sie erzählt jedem, warum das Wal- und Wüsteberghaus wichtig ist. „Manchem gehe ich bestimmt auf die Nerven damit, aber es geht ja nicht um mich dabei, sondern um das Haus“, sagt sie und weiß dabei den Verein hinter sich. Die direkte Art kommt an.

Rentnertreff und LAN-Party

Der Verein hat inzwischen ein gutes Netzwerk. Dazu gehören Firmen, aber auch Organisationen wie die Deutsche Umwelt- und die Davidstiftung. Inzwischen ist auch genug Geld für die Hälfte der Fenster zusammengekommen. Und der Rest – der wird auch zusammenkommen. Claudia Zickler lächelt: Wieder ein Meilenstein geschafft, heißt das. Es wird noch ein paar Steine brauchen. Gerade wird noch ein Sponsor für den Bodenbelag gesucht. Aber Claudia Zickler hat Energie.

Die braucht sie auch. Neben ihrem Job für den Verein verkauft sie Tupperware, ist Elternratsvorsitzende in der Kita ihrer Kinder und kandidiert nun auch noch für den Schönteichener Gemeinderat. Sie tritt für die Initiative kinderfreundliches Schönteichen an. „Aber mir geht es eigentlich um alle Generationen. Die Alten und Jungen – das gehört doch zusammen“, findet Claudia Zickler. Deshalb macht sie gemeinsam mit ihren Mitstreitern Front gegen die gestrichenen Busverbindungen von Schwosdorf ins Umland. Und deshalb ist es auch kein Widerspruch, wenn die Rentner bei Kaffee und Kuchen im Wal- und Wüsteberghaus sitzen und an einem Wochenende Jugendliche hier ihre LAN-Party veranstalten. „Man kann über alles reden. Die Leute müssen nur sagen, was sie hier gerne machen wollen“, sagt Claudia Zickler. Vielen Schulen gefällt das. Sie kommen seit Jahren mit ihren Klassen ins Wal- und Wüsteberghaus. Auch Geburtstage werden hier gefeiert. Und natürlich schlafen die Pilger hier. Viele Menschen bedeuten viele Gespräche. Claudia Zickler mag das. „Ich hab viel gelernt in den Jahren hier , auch über mich selber“, sagt sie. Ein bisschen gelassener sei sie geworden. Sie war auch selbst schon Pilgern. Die nächste Tour ist geplant. Mal raus aus Schwosdorf – das sei auch nicht schlecht. Aber noch besser ist das Wiederkommen. Nach Hause – zum Wal- und Wüsteberghaus.