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Die Sauberfrau aus Leipzig

Weil sie keine Lust zum Putzen hatte, hat Ute Steglich vor 25 Jahren angefangen, Haushaltshilfen zu vermitteln. Inzwischen ist ihre Firma ASL bundesweit vertreten. Jetzt bewirbt sie sich um den Titel "Unternehme des Jahres".

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Ute Steglich hat es geschafft: Sie muss nicht mehr selbst schrubben.
Ute Steglich hat es geschafft: Sie muss nicht mehr selbst schrubben. © Foto: Andre Kempner

Wann sie zuletzt geputzt hat? Ute Steglich ist ehrlich: „Ich hab noch nie selbst sauber gemacht. Zumindest nicht gern.“ Genau deshalb habe sie ja vor 25 Jahren auch eine Hauswirtschaftsagentur eröffnet, die einem genau das abnimmt. „Und mein erster Kunde war ich selbst.“

Dass aus der Agentur Steglich Leipzig (ASL) einmal eine Firma mit knapp 70 Mitarbeitern allein in Leipzig, einem bundesweiten Franchisenetz und einem Umsatz im Millionenbereich werden würde, damit hatte Steglich damals selbst nicht gerechnet. „Das hätte ich mir damals nie träumen lassen“, sagt die heute 64-Jährige.

Denn eigentlich war die studierte Diplom-Ökonom-Pädagogin Berufsschullehrerin, unterrichtete schon seit 1979 in Leipzig Ökonomie und Rechnungswesen – und nach der Wende dann auch Marketing, EDV und Existenzgründung. Die eigene Agentur sollte da nur ein Nebenjob sein.

„Ich wollte einfach mal ausprobieren, ob das, was ich den Schülern erzähle, auch wirklich funktioniert.“ Deshalb kam die Idee, quasi als Praxis-Test eine eigene Firma zu gründen – zusätzlich zum Lehrer-Job. „Und als ich dann überlegte, was ich denn kann, stellte ich fest: Ich kann eigentlich nichts. Das Einzige, was ich richtig gut kann, ist organisieren, motivieren und Arbeit verteilen.“ So kam die Idee, eine Agentur zu gründen, die genau das zusammenführt. Und weil sie nicht nur ungern sauber macht, Mutter einer damals 17-Jährigen Tochter war und im Haus eine ältere Dame lebte, bastelte die Gründerin daraus dann ihr „Rundum-Sorglos-Paket“ zusammen: Neben sauber machen, Wäsche waschen und bügeln auch Kinder- und Seniorenbetreuung, Haustiere hüten, kleinere Reparaturen im Haus, Gartenpflege oder auch mal im Urlaub das Haus hüten.

Allerdings: Wirklich nachgefragt wurden solche Haushaltshilfen in Sachsen damals noch nicht. Gefragt war zunächst vor allem Kinderbetreuung und das Hüten von Haustieren. Für den Komplettservice blieb die Chefin selbst lange ihre einzige Kundin. Eigene Mitarbeiter hatte sie damals noch nicht, die Arbeiten übernahmen vor allem Studenten – auf eigene Rechnung. Die Agentur vermittelte die Aufträge nur – gegen Provision. Das Organisatorische erledigte Steglich, die weiter als Lehrerin unterrichtete, nach Feierabend. „Die Schule hatte bei mir immer erste Priorität. Ich war ja mit Leib und Seele Lehrerin.“ Vormittags wurde unterrichtet, anschließend Klassenarbeiten korrigiert und der Unterricht vorbereitet. „Erst danach hab ich mich dann um ASL gekümmert.“ Das änderte sich erst Ende der 90er-Jahre. Bei Unternehmern, Ärzten, Professoren und auch Politikern fand Steglich ein wachsendes Klientel. Vor allem Zugezogene aus den alten Bundesländern, die nach Jahren im Hotel inzwischen eine eigene Wohnung im Osten hatten, suchten jemanden, der sich um die Bleibe kümmert. Steglich stellte ihre erste feste Mitarbeiterin ein, dann die zweite. Und weil auch das Management irgendwann nicht mehr im Nebenjob zu stemmen war, gab erst ihr fünf Jahre älterer Mann Siegfried seinen Job als Kfz-Schlosser auf. 2000 hängte dann auch die Chefin selbst ihre Stelle als Lehrerin an den Nagel – und widmet sich seither voll der Agentur.

Schon zwei Jahre später wagte die Powerfrau den Sprung über die Leipziger Stadtgrenze hinaus: In Torgau startetet der erste Ableger von ASL – nicht als Außenstelle, sondern als Franchise-Partner. 2009 kam Dresden hinzu, ein Jahr später Chemnitz. Inzwischen gibt 25 selbstständige ASL-Partner bundesweit – mit zusammen fast 1 000 Mitarbeitern. Das Netz reicht von Norderstedt bei Hamburg bis zum Bodensee.

Vom angestammten Firmennamen „Agentur Steglich Leipzig“ musste sich die Gründerin für die West-Expansion aber trennen. Ihre Partner dort meinten, mit dem „Leipzig“ im Firmennamen lasse sich im Westen nicht punkten. Ehemann Siegfried hatte dann 2005 die rettende Idee: Statt für „Agentur Steglich Leipzig“ stehen die Buchstaben ASL jetzt für „Alles Saubere Leistung“. Der Versuch, auch in Österreich Fuß zu fassen, endete aber mit einem Fiasko. Der dortige Partner kopierte das ASL-Konzept und vermarktet es im Nachbarland unter eigenem Namen. In Deutschland will Steglich jetzt umso mehr Gas geben: In diesem Jahr will sie auf der ASL-Karte die weißen Flecken in Frankfurt am Main, München, Nürnberg und Bremen schließen. Größtes Problem sei es dabei aber, dort Partner zu finden, die dann als ASL-Lizenznehmer den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. „Als ich vor 25 Jahren angefangen habe, haben mir die Bewerber noch die Türen eingerannt“, erinnert sich die Gründerin. „Das hat sich angesichts der gesunkenen Arbeitslosigkeit in Leipzig geändert.“ Und in München, wo die Quote bei nur noch bei 3,2 Prozent liegt, sei es noch schwerer. „Kunden gäbe es dort genug. Aber man findet keine Mitarbeiter.“

Vom eigenen Angebot ist Steglich, die ja selbst ihre langjährigste Kundin ist, auch nach 25 Jahren noch begeistert: „Ich liebe es, nach Hause zu kommen, und alles ist sauber. Die Wäsche liegt gebügelt im Schrank. Das ist ein Gewinn an Lebensqualität, den ich nicht mehr missen möchte.“