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Die Schätze des Leo van de Water

In dem kleinen Ort gibt es nicht nur eine Bibliothek, sondern auch eine Kunstausstellung. Die soll bald durch die Galerien wandern.

Von Nicole Czerwinka

Noch ist es ein Geheimtipp mitten in Staucha. Nur einen Steinwurf von Peter Sodanns Bibliothek entfernt, beherbergt das Haus van de Water in der Lommatzscher Straße 1 moderne Kunst in kräftigen Farben und lebensgroße Skulpturen sowie Reliefs in gelacktem Weiß.

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Die Nachbarn wissen es schon. Sie kommen gern mal eine Stunde lang vorbei, lassen sich von Leo van de Water durch die Sammlung seiner Werke führen. „Viele fragen mich, wenn sie eine Geburtstagsfeier oder Gäste haben, ob sie mal rüberkommen können“, sagt der grauhaarige Künstler mit der gelassenen Ausstrahlung. Der 71-Jährige malt und modelliert seit etwa 2009. Er hat, nachdem er seine Werbefirma verkauft hat, seine Passion zu Hause in Staucha verwirklicht. Inzwischen ist das Erdgeschoss seines Wohnhauses zur Kunstgalerie geworden, die sich Tür an Tür mit der Physiotherapiepraxis seiner Frau befindet. „Wir verbinden das als Symbiose“, sagt Leo van de Water lächelnd.

Auch seine Kunstwerke sind Symbiosen. Sie vereinen Natur und Geometrie, Kunst und Geschichten aus dem Leben. „Aktuelle Themen werden bei mir oft mit Religiösem verknüpft, auch ein bisschen Erotik gehört dazu“, erzählt er beim Rundgang durch die drei Räume und zeigt auf barbusige Frauenkörper, aus Schaufensterpuppen hergestellt. Sie alle sind mit weißem Lack bemalt, „weil ich mir nichts anderes als dieses Weiß für meine Plastiken vorstellen kann“, sagt van de Water. Er zeigt erneut auf „die Trinkerin“. Sie sitzt auf einer weißen Bierkiste, eine Maske auf dem Gesicht, die Flasche in der Hand. Daneben eine Reihe weiter, weiß getünchte Weinflaschen. „Sie verdeckt ihr Gesicht, sie verschleiert ihre Sucht in der Gesellschaft, aber trotzdem sieht man es ihr an“, sagt der gelernte Dekorateur.

Im Gegensatz zu den Plastiken sind seine Malereien sehr farbenfroh. Sie bestehen alle aus zahlreichen Linien und Formen. Dennoch kann man erkennen, was darin abgebildet ist. Die „Rheinische Kaffeetafel“ beispielsweise zeigt zwei große Kannen – eine mit Kaffee, die andere mit Milch, erklärt der Künstler – und zwei Tassen vor einem Fenster. Van de Waters Art zu malen ist sehr speziell, die Bilder spielen mit der Räumlichkeit der Dinge. „Ich habe mir diese Technik selbst ausgedacht, immer wenn ich male oder an einer Plastik arbeite, kommt mir meist schon eine Idee für das nächste Werk“, sagt der Künstler. Etwa 50 Gemälde und ein Dutzend Plastiken hat er seit 2009 geschaffen – und ständig entstehen wieder neue. Verkaufen will er sie nicht, aber ausstellen, auch außerhalb von Staucha, das wäre sein Traum. „Ich habe schon mit einer Galerie in Dresden gesprochen, aber ich weiß noch nicht, ob das klappt. Das Schönste für mich wäre, wenn meine Kunstwerke, so wie sie hier stehen, von Galerie zu Galerie wandern könnten“, erzählt Leo van de Water. Seine Augen beginnen zu leuchten wie die eines Kindes, wenn er davon spricht.

Sein Sohn hat ihm sogar schon einen Ausstellungskatalog für die eigene Galerie in Staucha anfertigen lassen. Das große Buch liegt jetzt im Foyer des Hauses van de Water zur Ansicht aus. Die meisten seiner Kunstwerke sind darin abgebildet. Am letzten April-Wochenende wird Leo van de Water anlässlich der Gewerbemesse in Staucha einen Tag der offenen Tür in seiner Galerie veranstalten. „Wir wollen an beiden Tagen zwischen 10 und 17 Uhr für alle Interessierten öffnen“, sagt er. Von Staucha bis in die großen Galerien des Landes kann es dann doch nicht mehr sehr weit sein.