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Die Schienen-Diana von Oberoderwitz

Wie eine Dampflok der Waldeisenbahn Muskau ins Windmühlendorf kam und wieder zurückgeholt wurde.

Diana als „Zugpferd“ bei der Muskauer Waldeisenbahn. Seit über 20 Jahren tut sie dort wieder ihre Dienste, nachdem sie zuvor von 1978 bis 1994 in Oberoderwitz an der Bundesstraße 96 unweit der Kirche gestanden hatte.
Diana als „Zugpferd“ bei der Muskauer Waldeisenbahn. Seit über 20 Jahren tut sie dort wieder ihre Dienste, nachdem sie zuvor von 1978 bis 1994 in Oberoderwitz an der Bundesstraße 96 unweit der Kirche gestanden hatte. © Heiko Lichnot

Hört man Oberoderwitz und technisches Denkmal, denkt fast jeder gleich an die Wind- und Wassermühlen. Doch von 1978 bis 1994 stand hier direkt an der B96 auch eine Dampflokomotive der 600-Millimeter-Spurweite, die nicht nur die Nummer 99 3312 hatte, sondern auch einen Namen: Sie hieß Diana. Die Oberoderwitzer Modelleisenbahner hatten für sie in der Nähe der Kirche an ihrem Domizil ein Gleis verlegt mit Signal daneben und sorgten für den Glanz und den Erhalt der Maschine.

Gebaut wurde die kleine Lok mit der Fabriknummer 8472 bereits 1912 in Berlin-Tegel bei der Firma Borsig. Im Oktober desselben Jahres wurde sie auf die Gleise der Waldeisenbahn Muskau gesetzt. Hier erhielt sie auch den Namen Diana, der sie fortan begleitete. Sie war die vierte Lok der Bahn.

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Bereits seit 1883 gab es diese Bahn, die damals „Gräflich von Arnimsche Kleinbahn“ hieß. Der Graf kümmerte sich in seiner Standesherrschaft um die industrielle Entwicklung und ließ Schienen als Verbindungsweg zwischen seinen Unternehmen legen. Nachdem im ersten Jahr die Wagen durch Pferde gezogen wurden, kaufte der Graf schon im Jahr darauf für seine Güterbahn Dampflokomotiven. Der Name Wald-eisenbahn bürgerte sich schnell ein. Auf deren Gleisen fuhr auch Diana zwischen Muskau, Weißwasser, Kromlau und später noch Mühlrose. Auf ihren Wagen transportierte sie hauptsächlich Rohbraunkohle, aber ebenso Ton, Holz und Sand zu den Fabriken. 1951 übernahm die Deutsche Reichsbahn das Unternehmen, nummerierte die Loks und Diana erhielt die 99 3312.

So sah Diana in der ersten Oberoderwitzer Zeit aus. Modelleisenbahner des Ortes machten dann einen Blickfang daraus. Das Bild bekam die Autorin als Dia geschenkt
So sah Diana in der ersten Oberoderwitzer Zeit aus. Modelleisenbahner des Ortes machten dann einen Blickfang daraus. Das Bild bekam die Autorin als Dia geschenkt © Heike Schwalbe

Nachdem Diana 65 Jahre lang die Gleise befahren hatte, kam Mitte der 1970er Jahre das Ende der Waldeisenbahn. Es gab wirtschaftliche Schwierigkeiten, weil Kunden wegfielen. So wurde 1978 die Betriebseinstellung beschlossen. Der Rückbau begann und Lokomotiven wurden verkauft. Zwei Dampfloks blieben in der Oberlausitz. Die eine, die 99 3317, kam sogar auf einen Denkmalsockel in Weißwasser. Die andere, Diana, sollte verschrottet werden. Doch das hörten die Modellbahnfreunde in Oberoderwitz und konnten sich damit nicht abfinden. Sie sammelten eine gleichwertige Menge Schrott und erhielten dafür diese kleine Lok, natürlich alles vertraglich abgesichert. Als Diana 1978 nach Oberoderwitz kam, hatte sie ein ockerfarbiges Aussehen. Aber bald erstrahlte sie im Schwarz einer Dampflokomotive mit rotem Fahrgestell. 15 Jahre lang wurde sie als technisches Denkmal betrachtet, bestaunt und bewundert.

Mittlerweile waren die Kleinbahnfreunde der Waldeisenbahn nicht untätig und bemühten sich um deren Wiedererweckung als Museumsbahn. An manchen Wochenenden organisierten sie Sonderfahrten. Der touristische Wert wurde erkannt. So konnte nach der Wende die Anlage abschnittweise wieder aufgebaut werden und 1992 der touristische Personenverkehr mit Dieselloks regulär beginnen. Und man erinnerte sich an die beiden Dampflokomotiven. Die eine hob man von ihrem Denkmalsockel. Und man verhandelte mit den Oberoderwitzern über die Rückgabe von Diana. Die Zustimmung fiel den Modelleisenbahnern nicht leicht, andererseits freuten sie sich über den Wiedereinsatz als Dampflok. So kam es, dass im eisigen, verschneiten Januar 1994 Diana verladen und in Bad Muskau wieder auf ihre angestammten Gleise gesetzt wurde. Zuvor war aber noch eine Hauptuntersuchung in Meiningen notwendig. Seit 1998 ist Diana nun wieder als voll einsatzfähige Traditionslokomotive im Norden der Oberlausitz unterwegs.

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