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„Die Schiffe legen in einer Woche ab“

Uwe Fritzsching sprach mit dem DA über seine Rückkehr an die Talsperre und den schleppenden Saisonauftakt.

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Herr Fritzsching, nach der Entlassung ihres Nachfolgers Thomas Waldheim sind Sie auf den Posten als Geschäftsführer des Zweckverbandes Kriebsteintalsperre zurückgekehrt. Wie viel Überzeugungsarbeit musste Mittweidas Bürgermeister Matthias Damm leisten?

Bei den Problemen in der letzten Zeit habe ich das fast schon kommen sehen. Man ist ja nicht ganz taub. Die Talsperre liegt mir sehr am Herzen, schließlich bin ich hier aufgewachsen und habe viel Arbeit reingesteckt. Deswegen musste ich nicht wirklich lange überlegen, als die Anfrage kam.

Und wie ist es, wieder an Bord zu sein?

Das ist schon eine Umstellung. Es ist nicht so, dass ich mich als Rentner gelangweilt hätte. Ich bastel an meinem Oldtimer-Motorrad, kümmere mich um meine Bienen und bin Ortsvorsteher in Lauenhain. Glücklicherweise stehen mir an der Talsperre die Mitarbeiter des Zweckverbandes zur Seite.

Der Zweckverband will die Entlassung ihres Vorgängern nicht kommentieren. Wie sollen gemachte Fehler in Zukunft vermieden werden , wenn sie nicht öffentlich aufgearbeitet werden?

Es geht um Vertrauen. Wenn das nicht gegeben ist, macht die Zusammenarbeit keinen Sinn mehr. Ich bin an der Talsperre bekannt, das Vertrauen ist daher vorhanden. Aber ich bin nur eine Übergangslösung, bis ein Nachfolger gefunden ist. Ich möchte nicht über den Sommer bleiben.

Welche Qualifikationen sollte denn ein Geschäftsführer mitbringen?

Er muss vor allem gute Beziehungen zu den Mitarbeitern, Vereinen, Siedlern und Unternehmern aufbauen. Er muss bereit sein, den Sommer durchzuarbeiten. Und er sollte wegen der Schiffe natürlich auch ein technisches Verständnis mitbringen.

Ihre Rückkehr an die Talsperre stand unter keinem guten Stern. Wegen der Kälte konnten die Schiffe am Karfreitag nicht fahren. Der Saisonauftakt musste erstmalig auf die Burg Kriebstein verlegt werden. Wie sehr hat das dem Zweckverband geschadet?

Uns sind bestimmt Einnahmen in Höhe von 20 000 Euro entgangen. Trotz des schlechten Wetters sind aber immerhin noch rund 200 Leute auf die Burg gekommen. Die Parkplätze waren voll. Einen so großen Zuspruch habe ich nicht erwartet. Wir wollen jetzt aber so schnell wie möglich loslegen. Zwei Fahrgastschiffe liegen bereits im Wasser, die Fähren sollen demnächst folgen. Die Schiffe legen in einer Woche ab. Die erste fahrplanmäßige Tour startet am 13. April um 10 Uhr am Hafen in Kriebstein.

Die Unternehmer an der Talsperre machen sich allerdings Sorgen, dass in dieser Saison nicht alle geplanten Veranstaltungen stattfinden werden.

Die großen Veranstaltungen wie das Talsperrenfest, das Motorbootrennen und die Theaterstücke auf der Seebühne sind gesichert. Nur das Konzert mit Stefanie Hertel haben wir abgesagt, weil der Zweckverband noch keinen Haushalt hat. Den wollen wir bis zum Sommer auf den Weg bringen. Der erstmalig angesetzte Talsperrenlauf im September ist in der Schwebe, weil die Veranstalter keine Genehmigung der Naturschutzbehörde eingeholt haben. Darüber werden wir demnächst verhandeln. Ansonsten sollen alle Veranstaltungen weiterlaufen wie in den anderen Jahren auch.

Wie sieht es denn mit der Aktion „1 000 Hände für die Talsperre“ am kommenden Wochenende aus?

Der Frühjahrsputz soll über die nächsten Wochen verteilt werden und nicht nur an einem Wochenende stattfinden. So können wir das besser organisieren. Viele Vereine und Schulen kommen extra zum Helfen her. Das Gymnasium Mittweida ist Mitte Mai da, die Mittelschule Waldheim hat leider abgesagt. Einige Vereine an der Talsperre reinigen ihre eigenen Anlagen. Wir holen den eingesammelten Müll dann mit den Schiffen an den Anlegestellen ab.

Wo sehen Sie eigentlich die Potenziale für den Tourismus an der Talsperre?

Bei der Vermarktung sollten wir uns auf das Urstromtal der Zschopau und die Burg Kriebstein konzentrieren. Damit können wir Tagestouristen herlocken, die die Natur genießen und Wandern möchten. Einen längeren Urlaub verbringen die wenigsten hier. Es sind vor allem Familien und Menschen mittleren Alters, die herkommen. Der Kletterwald, das Kriebelland und die Restaurants fügen sich da gut ein. Ich setze auf aktive Erholung. Auf der anderen Seite passt ein Rummelplatz überhaupt nicht zu der Region. Selbst eine Badestelle wäre unrealistisch, weil wir an dem Stausee nicht die nötige Wasserqualität garantieren können. Wir sollten auch gar nicht erst auf die Idee kommen, uns mit dem Leipziger Neuseenland zu vergleichen. Dafür ist unsere Region viel zu klein. Nur was die Natur angeht, liegen wir eindeutig vorn.

Die Großveranstaltungen stoßen bei den Anliegern nicht nur auf Gegenliebe. Wie kann ein Ausgleich zwischen dem Talsperrenfest und dem Bedürfnis nach Ruhe geschaffen werden?

Beim Talsperrenfest wird es eigentlich nur beim Feuerwerk am Samstagabend richtig laut. Solche Veranstaltungen ziehen nun mal manche Leute an, andere bleiben dann lieber zu Hause. Die jetzigen Großereignisse haben Tradition und sollen so beibehalten werden. Auch auf der Seebühne wird es weitergehen wie gehabt. Es darf aber nicht lauter werden, sonst kriegen wir Probleme mit den Behörden. Ein großes Rockkonzert etwa wird es an der Talsperre nicht geben.

Wie entspannen Sie sich eigentlich persönlich an der Talsperre?

Ich gehe sehr gerne zwischen Lauenhain und Tanneberg wandern, am liebsten im Winter, wenn es an der Talsperre ruhig ist. Das kann ich jedem empfehlen.

Die Fragen stellte Jan Iven.