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Die Schleifer Kult-Brigade

Der SR-2-Verein pflegt die Zweiradkultur. Endlich geht es auch wieder auf Ausfahrt.

Als Fans der alten Zweiradtechnik teilen sie in der SR2-Brigade Slepo ein gemeinsames Hobby: Frank Glowka, Sebastian Tobis, Werner Kolchmeier und Vereinsvorsitzender Mike Besch (von links nach rechts im Bild zu sehen). Für die Ausfahrt am kommenden Sonna
Als Fans der alten Zweiradtechnik teilen sie in der SR2-Brigade Slepo ein gemeinsames Hobby: Frank Glowka, Sebastian Tobis, Werner Kolchmeier und Vereinsvorsitzender Mike Besch (von links nach rechts im Bild zu sehen). Für die Ausfahrt am kommenden Sonna © Joachim Rehle

Mit gemütlichen 40 km/h ganz gediegen durch die Landschaft tuckern, das ist Kult. Vorausgesetzt, man sitzt auf einem SR2. Dieses Gefühl können Fans der alten Zweiradtechnik am 15. August ein weiteres Mal erleben. Dann nämlich, wenn sich die SR2-Brigade Slepo zu ihrer nächsten Ausfahrt aufmacht. Dazu trifft man sich am Sonnabend an der Kirche in Schleife, wo es gegen 16 Uhr auf Strecke geht. Eine knappe Stunde wird man auf der etwa 30 Kilometer langen Tour unterwegs sein. Abstand halten, wie es die Corona-Schutzregeln erfordern, ergibt sich von selbst.

Mitfahren kann jeder, der dem charakteristischen Knattern der Motoren etwas abgewinnen kann. Einzige Bedingung: Das Moped muss aus DDR-Produktion stammen! 1955 hatte das VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann in Suhl mit der Herstellung von Kleinkrafträdern begonnen, der SR1 (SR = Simson und Rheinmetall), um genau zu sein.

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Längst auch im Westen Kult

Das Nachfolgemodell SR2 wurde 1957 bis 1959 gebaut. Wegen des größeren Tanks, des stabilen Gepäckträgers und tiefer gezogener Kotflügel war das robuste Moped damals sehr gefragt, obwohl es nur einer Person Platz bot. Bei 1,1 Pferdestärken war es mit zwei durch Drehgriff zu schaltenden Gängen und einem Sechs-Liter-Tank ausgestattet, wog gerade mal 51 Kilogramm.

Der Oldtimer auf zwei Rädern erfreut sich mehr denn je großer Beliebtheit, hat längst auch im Westen Deutschlands seine Fans gefunden. Ebenso wie seine Nachfolger: der KR 51 (Kleinroller/ab 1964), der als Schwalbe und noch dazu als Zweisitzer weit besser bekannt ist – bis hin zu der ganzen Vogelschar, den Mopeds, die da Spatz, Star, Habicht und Sperber hießen.

Seit 2009 finden in Schleife alljährlich SR1-/SR2-Treffen statt. Im vorigen Jahr waren 90 Mopeds zu bestaunen – hochglanzpoliert oder mit Gebrauchsspuren, aber immer als ganzer Stolz ihrer Besitzer. Die Sensation 2019: Unter den Teilnehmern war sogar eine junge Frau aus dem thailändischen Bangkok mit ihrem Moped.

Auch 2020 wollte die SR2-Brigade Slepo am ersten Juni-Wochenende wieder ihr beliebtes Treffen veranstalten. Es wäre bereits das 12. gewesen. Aus bekannten Gründen wurde daraus nichts. Genauso hart traf es die Veranstalter des nach eigenen Angaben „weltgrößten SR-Treffens“ im vogtländischen Kürbitz. Zur 20. Auflage 2015 wurden dort sage und schreibe 1.246 Zweiradfahrer gezählt. Ob man das 2020 getoppt hätte, bleibt Spekulation. Das 25-Jahr-Jubiläumstreffen musste wegen Corona abgesagt werden. 2021 sieht man sich wieder.

Die SR2-Brigade aus Schleife hat sich in den vergangenen Jahren keins der vogtländischen Treffen mit Gleichgesinnten aus dem In- und Ausland entgehen lassen. Und wenn man an diesem 15. August schon nicht in Kürbitz sein kann, geht’s eben zu Hause auf Tour. Die Ausfahrt am Sonnabend sei deshalb eine kleine Alternative, sagt Vereinsvorsitzender Mike Besch (41/Schleife). Ob sich dann fünf oder 50 Teilnehmer in die Sättel ihrer Mopeds schwingen, vermochte er vorab nicht zu sagen. Vereinskollege Sebastian Tobis (29/Weißwasser) ist in jedem Fall dabei.

An den vorangegangenen Ausfahrten nahmen neben „den älteren Semestern“ auch etliche Jugendliche mit ihren S 50 (gebaut ab 1975 als sportliche Serie) teil. Werner Kolchmeier freut sich über deren gewachsenes Interesse für die alte Zweiradkultur. Die Begründung liegt für ihn auf der Hand: „An den alten Mopeds kann man noch fast alles selber machen und es ist für jedermann erschwinglich.“ Auch gebe es ja wieder Ersatzteile dafür. Anfang der 90er Jahre waren die nicht mehr zu kriegen. Inzwischen würde sogar nachproduziert. „Weil man den Wert erkannt hat“, ist sich Werner Kolchmeier sicher. Der mit 63 Jahren Älteste in der Brigade fügt hinzu, dass sich zur Wende viele von der Werbung aus dem Westen hätten blenden lassen. Jetzt bemerke so mancher, „dass das Zeug aus der DDR gleichwertig war“. Zumindest für die Mopeds will er das so stehenlassen. „Das passt in den sich langsam entwickelnden Trend der Abkehr von der Wegwerfgesellschaft“, erklärt er noch. Die anderen Männer der SR2-Brigade geben ihm Recht.

Schrauben für die nächste Ausfahrt

Im Januar 2015 gründeten sie einen Verein. Aktuell hat dieser 22 Mitglieder, von denen der Jüngste gerade 22 Jahre ist. Sie kommen von Weißwasser bis Spremberg und sind auch beruflich querbeet eingespannt. Wie gut sich Alt und Jung verstehen, hebt Frank Glowka (52/Schleife) hervor. „Dass Väter und Söhne etwas zusammen unternehmen, ist in der heutigen Zeit doch gar nicht mehr so selbstverständlich“, betont er. Frauen sind nicht im Verein, ist von Mike Besch zu erfahren. Aber auch, dass die besseren Hälften sie bei der Organisation ihrer SR-Treffen immer unterstützen würden. Froh sind die Männer zudem über etliche Sponsoren, die derlei Aktivitäten überhaupt erst ermöglich würden.
Pro Jahr stehen fünf bis sechs Ausfahrten an. Manchmal entscheide man sich auch sporadisch dazu, Ansonsten werde an den Mopeds rumgeschraubt, „damit sie die nächste Ausfahrt durchhalten“, so Werner Kolchmeier.

„Die Mitgliedschaft im Verein soll kein Zwang sein, bei uns steht der Spaß im Vordergrund“, hebt Mike Besch hervor. Und weil sich alle Mopeds im Privatbesitz befinden, man für keinerlei Vereinsobjekt Verantwortung trage, habe die Corona-Krise die SR2-Brigade Slepo weit weniger getroffen als viele andere Vereine. Die alte Zweiradkultur zu erhalten und zu pflegen, das sei ihr gemeinsames Ziel. „Vielleicht noch den einen oder anderen mitreißen, damit es später jemand weitermacht“, wünscht sich Werner Kolchmeier. Die SR2-Fans sind da durchaus guten Mutes. Sie haben festgestellt, dass generell das Interesse an alter Technik steigt. Das gelte für alte Mopeds ebenso wie für Autos, Traktoren oder Feuerwehren. Womöglich können sie ja bei ihrer kleinen Ausfahrt an diesem Sonnabend jemanden begeistern, der sich bisher noch ein bisschen unschlüssig war.

Ausfahrt der SR2-Fans

Wann? Treff ist am 15. August vor 16 Uhr an der Kirche in Schleife.
Wo? Tour von Schleife über Trebendorf – Weißwasser – Krauschwitz – Bad Muskau – Gablenz – Kromlau zum Garten Eden in Halbendorf.
Wer? Mitfahren kann jeder, der über ein Zweirad aus DDR-Zeiten verfügt.

Facebook.com/sr2BrigadeSlepo

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