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Die Schlüssel zum Erfolg

Die Wohnungsbaugesellschaft blickt auf ein gutes Jahr zurück. Um solide zu wirtschaften, sind große Sprünge aber tabu.

Von Marcus Herrmann

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Mit Oppacher gelassen losradeln

Eine ausgedehnte Fahrradtour ist fabelhaft – wenn sie gut vorbereitet ist.

Die schwarze Null steht auch in diesem Jahr. Ein Erfolg für Ina Pugell, Geschäftsführerin der städtischen Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (WBV). Mit ihren acht Mitarbeitern hat sie 2014 eine ordentliche Bilanz vorzuweisen. „Wir haben sogar einige Tausend Euro plus gemacht und daher zufrieden. Dieser verlustfreie Trend zieht sich durch die letzten zwölf Jahre“, sagt Pugell. Die 49-jährige ist seit drei Jahren bei der WBV. Sie konnte sich 2014 darüber freuen, dass in Waldheim so viele Mietverträge wie lange nicht mehr abgeschlossen wurden.

Wohnen in Waldheim ist beliebt. 2014 zogen mehr Leute zu als weg.

Mieter der WBV sind derzeit 965 Personen in Waldheim. Etwa 700 Wohnungen vermietet die Gesellschaft im Stadtgebiet. Kurz nach der Wende waren es einmal knapp 2 000 Stück. Danach ging es zwar bergab, aber in den letzten zehn Jahren ist die Anzahl an Wohnungen stabil. „Wir vermieten seit einigen Jahren immer um die 50 bis 60 Wohnungen pro Jahr. Genauso viele Kündigungen gibt es aber auch, weil Leute aus Waldheim wegziehen oder zum Beispiel ins betreute Wohnen wechseln“, erklärt Pugell. 2014 sei es der WBV aber gelungen, zehn Wohnungen mehr zu vermieten als sie durch Kündigungen verloren hatte. „Das entspricht unserem Ziel, in Zukunft den Leerstand gering zu halten. Da wollen wir den eingeschlagenen Weg beibehalten.“

Große Investitionen sind nicht möglich. Die WBV setzt auf andere Qualitäten.

Als Ziel der Wohnungsgesellschaft gibt Ina Pugell an, durch Kontinuität und stabile Mietpreise zu punkten. Außerdem könne die Stadt eine gute Infrastruktur, viele Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, Ordnung und Ruhe vorweisen. „Auf diese weichen Faktoren setzen wir. Denn im Jahr stehen uns durchschnittlich 400 000 Euro zur Verfügung. Damit lassen sich keine großen Sprünge machen“, sagt Ina Pugell. Dafür können die Mieter, die schon länger in Waldheim wohnen, sicher sein, dass sich die Grundmiete kaum erhöhen wird. Der Gesellschaft sei wichtig, dass die Mieten von langjährigen Kunden nicht oder nur wenig steigen. Das würde bisher auch sehr gut gelingen. „Bei den Betriebskosten versuchen wir durch günstige Verträge mit Gas- oder Elektro-Anbietern unser Möglichstes. Hier lassen sich Erhöhungen aber nicht vermeiden, wenn die Gas-, Strom- oder Wasserpreise insgesamt steigen“, sagt Ina Pugell. Trotzdem seien derzeit Wohnungen in Waldheim für durchschnittlich 3,85 Euro pro Quadratmeter zu haben. „Für neue Wohnungen, die unsere Techniker nach Möglichkeit auch den Wünschen der Mieter entsprechend umbauen oder ergänzen, sind durchschnittlich 4,80 bis 5,80  Euro pro Quadratmeter fällig“, so Pugell. Damit liegt Waldheim deutlich unter dem Schnitt der umliegenden Großstädte und ist auch preiswerter als etwa Döbeln oder Freiberg.

Interessenten für beliebteste Gegenden müssen auf die Warteliste.

Auch wenn Pugells großes Ziel konstante Mieten sind, bestimmt die Nachfrage den Preis. Für einige Regionen Waldheims ist dieser inzwischen sehr hoch. „Es gibt sicherlich keine Luxuswohnungen in unserem Angebot, aber doch Gegenden, in denen die Nachfrage derzeit das Angebot übersteigt“, so Pugell. Als Beispiel nennt sie die teilweise renovierten Mietwohnungen auf der Lindenstraße, der Bergstraße oder Am Zänker. Hier sei die Entwicklung in letzter Zeit sehr positiv. Davon durch Ankäufe in diesen Gebieten weiter zu profitieren, wolle die Wohnungsgesellschaft in Zukunft übrigens nicht versuchen, sagt Pugell. „Das ist nicht unsere Priorität. Wir besitzen derzeit etwa 20 Prozent der Wohnungen in Waldheim. Mehr als 25 Prozent dürfen wir gesetzlich sowieso nicht haben“, erklärt sie.

Altlasten und Sanierungskosten drücken die Bilanz.

Trotz der guten Situation, kommen auf die WBV-Mitarbeiter große Herausforderungen zu. „Wir müssen uns weiter geschickt vermarkten, für Familien attraktiv bleiben und der demografischen Entwicklung so gut wie möglich entgegen wirken“, erzählt Pugell. Viel Geld steht dabei nicht zur Verfügung. Bis 2021 seien noch Kredite aus Altbeständen und Sanierungsarbeiten aus den 1990er Jahren abzubezahlen. Zusammen machten diese Altlasten etwa 3,5 Millionen Euro aus, sagt Pugell. Außerdem liegen in den nächsten Jahren Sanierungen von Einzelheizungen in einigen Mietwohnungen an. Es gebe des Weiteren noch einige Straßenzüge, wo Wohnungen modernisiert werden müssten, sagt die WBV-Geschäftsführerin. „Wir sind seit Jahren an Wohnkomplexen auf der Mittweidaer Straße oder Bahnhofstraße 59 aktiv. Das werden wir auch weiterhin sein.“ Außerdem gebe es vermehrt Anfragen von Immobilienbesitzern, die ihre Häuser veräußern wöllten. Utopische Preise könne die WBV aber nicht bezahlen, sodass einige Häuser leider auf lange Sicht leer stehen. Als Beispiel nennt Pugell etwa die alte Spindelfabrik oder das ruinöse Haus an der Härtelstraße.

Etwa 20 Mietwohnungen stehen derzeit zur Verfügung.

In 20 Wohnungen im Stadtgebiet könnten sofort Leute zur Miete einziehen. Bei einigen davon liefen auch schon Gespräche mit Interessenten, so Ina Pugell. Viele dieser Wohnungen hätten einen Balkon, einige seien durch einen Fahrstuhl zu erreichen. Diese beiden Kriterien seien derzeit besonders gefragt, sodass die WBV je nach finanzieller Situation Fahrstühle ein- und Balkone anbauen will. „Das werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten vorantreiben“, sagt Pugell.

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