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Die Schöne mit der rauchigen Stimme

Marion Fiedler singt zum Pirnaer Stadtfest vor City. Ihr Name ist vielen nicht geläufig, dabei ist sie sehr erfolgreich.

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Von Thomas Möckel

Als über 40 000 Hörer des internationalen Radiosenders „Popjazzradio“ – Plattform für berühmte Künstler wie Norah Jones, Jamie Cullum und Katie Melua – abstimmten, war der Erfolg nicht aufzuhalten. Der Song „Give it all“ landete auf Platz eins, über 20 Wochen hielt er sich auf der Spitzenposition in den Pop-Jazz-Charts.

Das Lied stammt von Marion Fiedler, Sängerin und Multi-Instrumentalistin. Ihre familiären Wurzeln liegen in der Sächsischen Schweiz, und am Sonnabend kehrt sie für ein Konzert in ihre alte Heimat zurück. Mit ihrer Band spielt sie auf der Pirnaer Marktbühne als Vorgruppe von „City“, für eine reichliche Stunde sind ihre Lieder ab 20 Uhr zu hören. „Es ist für uns eine große Ehre, vor der Ostrock-Legende zu spielen“, sagt Marion Fiedler. Erstmals in ihrer Karriere entwickelte sie das Konzept für die Show komplett selbst. Sie stimmte die Reihenfolge der Lieder aufeinander ab, feilte am Tempo und den Inhalten, tüftelte mit der Band coole Rhythmen aus. „Ich freue mich riesig, hier zu sein“, sagt sie.

Marion Fiedler kam 1984 in Pirna zur Welt, nach einer Zwischenstation in Heidenau wuchs sie in Dresden auf. Früh entdeckte sie ihre Liebe zur Musik, weil Melodien bei ihr so viele Gefühle hervorriefen. Um ihnen selbst Ausdruck zu verleihen, brachte sie sich alles autodidaktisch bei: Sie spielt Flöte, Klavier und Gitarre, sie singt und komponiert. Erst als Jugendliche ging Marion Fiedler zur Musikschule, die sie sogleich als Hochbegabte förderte, was ihr die Türen für ihr Studium an der Dresdner Musikhochschule öffnete. Gesang ist ihr Hauptfach, kombiniert hat sie es mit amerikanischer und französischer Kultur.

2008 ging sie für drei Jahre zum Studium in die USA, nach Nashville in Tennessee, die Hochburg der Country-Musik. Für Marion Fiedler bedeutete der Aufenthalt in Amerika auch einen musikalischen Umschwung. Als Jazzmusikerin war sie in die Staaten gekommen, dank verschiedener Einflüsse mixte sie dann ihren eigenen Stil – den Jazz-Pop. Ihre Stimme ist manchmal zart und leise, beinahe zerbrechlich und verletzlich, mal rauchig und entfesselt. „Wie ich singe, hat viel mit der Stimmung zu tun, die ich in die Songs transportiere“, sagt sie. Ihre Lieder sind sehr persönlich, sie spiegeln stets einen Lebensabschnitt wider. Die meisten ihrer aktuellen Stücke sind auf Touren mit ihrem geliebten Vierbeiner entstanden. Mit der Richback-Hündin Bagheera ist Marion Fiedler viel unterwegs, oft mit dem Fahrrad, gern in der Sächsischen Schweiz. „Draußen genieße ich die Freiheit, das inspiriert mich ungemein“, sagt sie. Aber auch die Liebe findet sich in den Liedern wieder. Die Sängerin wird oft für Hochzeiten gebucht, für jedes Paar schreibt sie einen eigenen Song, manche schaffen sie es sogar auf den Tonträger.

Im Juli veröffentlicht Marion Fiedler ihr zweites Album, sieben Jahre nach ihrem ersten. „Give it all“ wird es heißen, so wie ihr erfolgreicher Hit. Gedauert hat es so lange, weil sie nie ganz zufrieden war mit dem Material, sie besserte oft nach, arbeitete die amerikanischen Einflüsse ein, nun ist sie stolz auf ihr Werk. Final verfeinert wird es derzeit in einem Musikstudio in Hollywood, wo beispielsweise auch Elton John und Beyonce ihren Songs den letzten Schliff verpassen lassen.

Nach dem Album wartet noch etwas Pflicht auf sie, dieses Jahr will sie unbedingt ihr Studium beenden. „Ich will frei und unterwegs sein, von der Musik leben, auf Tournee gehen“, sagt Marion Fiedler. Vielleicht verlegt sie ihren Lebensmittelpunkt eines Tages auch ganz in die USA.

Doch am Sonnabend spielt sie erst einmal für ihre Fans zu Hause, für das Konzert hat sie sich etwas Besonderes einfallen lassen. Marion Fiedler hat endlich eine Gitarre gefunden, deren Klang ihr zusagt, auf der Marktbühne will sie das Instrument auf den Namen „Sunny“ taufen – das Ergebnis einer Umfrage unter Fans.