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Die schönsten Radtouren in Sachsen - Teil 6

Der Radweg von Löbau nach Großpostwitz führt entlang einer alten Bahnstrecke mit typischen Lausitzer Umgebindehäusern. Wer bis nach Bautzen will, nimmt den Spree-Radweg. 

Im Land der Umgebindehäuser.
Im Land der Umgebindehäuser. © Rainer Große

Von Peter Schellin

Das Empfangsgebäude des Löbauer Bahnhofs stammt noch aus der Zeit, als die sächsisch-schlesische Eisenbahn ins Leben gerufen wurde. Das backsteinrote Bauwerk ist der Ausgangspunkt dieser Tour, auf der man nur am Anfang und am Ende ein bisschen aufpassen muss, um sich nicht zu verfahren.

Los geht’s nach rechts auf die Bahnhofstraße, die an der Jahnstraße endet. Diese befährt man nur kurz nach links, um am Wettiner Platz nach rechts über die Blumen- und noch einmal rechts über die Brunnenstraße zur erneut auf die Bahnhofstraße zu treffen, die ins historische Zentrum führt. Der Altmarkt, den die Tour nach rechts überquert, ist in der Tat das älteste Stück Stadt – das sächsische Königshaus legte Löbau zuerst einmal als Markt an.

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Der Garten ruft
Der Garten ruft

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Die Innere Bautzner Straße geleitet den Radler wieder hinaus aus der Altsdat zum Promenadenring, den man bis zur übernächsten Kreuzung befährt, um dort dann in die Poststraße zu biegen, von der gleich wieder links die August-Bebel-Straße abgeht. Diese trifft auf die Äußere Bautzner Straße. 

Hier kann man sich entscheiden zwischen weiterfahren oder einen Abstecher wagen zu einem architektonischen Meilenstein, dem Haus Schminke. Der deutsche Architekt Hans Scharoun schuf mit diesem Gebäude eines der weltweit vier herausragenden Beispiele der Stilrichtungen „Neues Bauen“ und „International Style“. Das Haus öffnet seine Tür von April bis Oktober donnerstags bis sonntags von 12 bis 17 Uhr.

Nun ist es nicht mehr weit bis zum Einstieg in den Radweg – einfach die Äußere Bautzner Straße weiterradeln und an der Raststätte verlassen und an dieser geradeaus vorbeifahren. Es folgt eine Spitzkehre und ein kleines Stück Feldweg, denn der Radweg beginnt nach der Unterführung der B178.

Ab jetzt ist es ein wahres Fahrvergnügen auf dem erst im Frühsommer 2015 eingeweihten Weg. Er führt durch viel Grün und kleine Dörfer der Oberlausitz, etwa Groß- und Kleindehsa (Dažin und Dažink). Die Gegend ist die Heimat der Sorben, und so haben die meisten Orte auch zwei Namen, einen deutschen und einen sorbischen.

Neben zweisprachigen Ortsschildern sind es die Umgebindehäuser, die die Gegend zwischen den beiden Bergen Bieleboh und Czorneboh prägen. In Cunewalde wurde den Gebäuden quasi ein Denkmal gesetzt: In einem Miniaturenpark stehen 13 originalgetreu nachgebaute Umgebindehäuser im Maßstab 1:5, zu besichtigen von Ostern bis Oktober. Die Oberlausitzer Umgebindehäuser wurden vom 17. bis zum 19. Jahrhundert errichtet. 

Allein in Cunewalde stehen rund 220 dieser Gebäude – in normaler Größe. Um die Miniaturen zu sehen, peilt man die Kirche an – im Übrigen die größte Dorfkirche in Deutschland mit 2632 Sitzplätzen und drei Emporen. Für diese beiden Abstecher verlässt man den Radweg am besten über den kreuzenden Hohlweg nach rechts, nimmt ein paar Meter der Hauptstraße nach rechts weg mit und radelt schnell nach links zum Kirchweg. Wer sich mehr für Kraftfahrzeuge interessiert, ist im nahe gelegenen Haus des Gastes „Dreiseitenhof“ richtig, in dem sich ein Oldtimer-Museum befindet.

Auf zwei Rädern geht es nun weiter, wieder aus dem Ort hinaus, der mit elf Kilometern Länge das längste Straßendorf in Deutschland ist. Bald kann man sich entscheiden: Möchte man wieder nach Löbau zurück, kann man dies auf einer anspruchsvolleren Strecke tun. 

Dafür heißt es am Ende des Radwegs in Halbendorf auf die B96 in Richtung Eulowitz fahren und dort rechts auf die Dorf- und gleich wieder links auf die Cosuler Straße bis Cosul radeln. Den Beschilderungen zu all diesen Orten folgen: Großkunitz, Pielitz, Döhlen, Rachlau, Meschwitz, Wuischke, Neuwuischke, Sornßig, Lehn, Jauernick, Eiserode sowie Großdehsa, um dann auf selber Strecke wie anfangs in Löbau einzurollen.

Wer dagegen bis Bautzen reisen will, der kann gleich zum nächsten Radweg wechseln. Vom einstigen Haltepunkt Halbendorf dreht die Strecke dafür nach links auf die B96, überquert den Bach und dreht dann nach rechts auf die Rodewitzer Straße. In Bederwitz wird diese zur Dorfstraße, quert die Spree und mündet letztlich auf die Hauptstraße in Rodewitz. 

Hier kommt der Spreeradweg vorbei, der den Radler nach rechts gen Bautzen geleitet, wo man am Bahnhof wieder gut Anschluss hat, um nach Hause oder zurück nach Löbau zu kommen. Zuvor ist die Spree der beste Wegweiser, obwohl auch der Radweg sehr gut ausgeschildert ist. Auf der Fahrt lernt man idyllische Fleckchen Erde kennen, etwa Großpostwitz. Hier steht eine imposante Schnabel-Mühle am Ufer, 1823 errichtet, um Getreide zu mahlen. Künftig sollen neue Wasserturbinen Ökostrom erzeugen.

Rund vier Kilometer vor Bautzen liegt Obergurig am Fuße des Mönchswalder Berges. Wie Perlen an einer Schnur reihen sich in dieser Gegend die Gipfel am Nordhang des Oberlausitzer Berglandes aneinander. Eine alte Brücke, die sogenannte „Böhmische Brücke“ überquert hier die Spree und ist das Wahrzeichen des Ortes, den der Spree-Radweg durchquert.

Bald schon kommen die Türme Bautzens ins Blickfeld. Der älteste, der Lauenturm, prägt bereits seit 1403 das Bild der über 1000 Jahre alten Stadt. Das Zentrum der Sorben hat mit vielen weiteren Türmen, einer der größten Simultankirchen Deutschlands sowie der Ortenburg weitaus mehr zu bieten als nur den bekannten Senf. Den gibt es natürlich auch – ihm wurde sogar ein kleines Museum gewidmet. 

Der Rathausturm schmückt den historischen Löbauer Altmarkt. 
Der Rathausturm schmückt den historischen Löbauer Altmarkt.  © Peter Schellin
Das Schminke-Haus steht hingegen für moderne Architektur.
Das Schminke-Haus steht hingegen für moderne Architektur. © SZ
Das Cunewalder Oldtimer-Museum ist einen Besuch wert. 
Das Cunewalder Oldtimer-Museum ist einen Besuch wert.  © Peter Schellin
In Bautzen ist es immer schön. 
In Bautzen ist es immer schön.  © Sylvia Miskowiec

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Länge: 35 km, Höhenmeter: 200 hm, Sehenswürdigkeiten: Altmarkt in Löbau, Schminke-Haus, Umgebinde-Miniaturenpark & Oldtimermuseum Cunewalde, Schnabelmühle Großpostwitz, Startpunkt: Bahnhof Löbau

Radtyp: Alle

Schwierigkeit: 1/4

In Kooperation mit dem adfc Sachsen

Streckenkarte.
Streckenkarte. © SZ Grafik

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