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Die Schrottkarre von der Wiesenstraße

Ein vermüllter VW Polo blockiert seit Monaten einen Parkplatz. Warum wird der Wagen nicht abgeschleppt?

Die Fahrerscheibe ist einen Spalt geöffnet. Das reicht für manche, um ein altes Auto auf der Wiesenstraße als Mülleimer zu benutzen. Seit Monaten gammelt die Schrottkiste dort vor sich hin.
Die Fahrerscheibe ist einen Spalt geöffnet. Das reicht für manche, um ein altes Auto auf der Wiesenstraße als Mülleimer zu benutzen. Seit Monaten gammelt die Schrottkiste dort vor sich hin. ©   Norbert Millauer

Von Luisa Tschentscher, Nick Vetter und Nina Schirmer

Radebeul. Einen freien Stellplatz auf der Wiesenstraße zu finden, ist nicht gerade einfach. Die Querverbindung zwischen Garten- und Dresdner Straße im Osten der Stadt ist meist ordentlich zugeparkt. Anwohner, Mitarbeiter von umliegenden Firmen und Patienten einer Zahnarztpraxis sind auf die wenigen Parkplätze angewiesen. Umso ärgerlicher, dass einer davon seit Monaten von einer Schrottkarre blockiert wird. 

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Der weiße VW Polo wurde schon viele Monate nicht bewegt. „Er steht seit mindestens Anfang Januar hier“, erzählt eine Frau, die den Wagen täglich auf dem Weg zur Arbeit sieht. Wem das Auto mit ungarischem Kennzeichen gehört, weiß sie nicht. So wie auch sonst niemand in der Umgebung, den man fragt. Vielen ist das Auto aber ein Dorn im Auge, nicht nur, weil es einen Parkplatz einnimmt, sondern auch, weil es immer mehr vergammelt.

Vorbeikommende benutzen den VW als Mülleimer. Die Fenster stehen zum Teil offen, in einem klemmt eine Kakaoflasche. Nach drinnen wurden Getränkedosen und Tüten geworfen. Auf dem Beifahrersitz liegt auch ein Zettel, der nicht mehr lesbar ist. 

Vielleicht der gescheiterte Versuch eines Anwohners, den Halter aufzufordern, sein Auto wegzufahren. Das müsste derjenige allerdings ohne Auspuff tun, denn der ist zwischenzeitlich abgefallen und liegt auf der Straße. Im Winter hat es in das Auto wohl auch reingeschneit, weil ein Teil des Daches fehlte, berichten Beobachter. Danach wurde es mit schwarzem Panzertape abgeklebt.

 Mittlerweile ist der Auspuff abgefallen und liegt auf der Straße.
 Mittlerweile ist der Auspuff abgefallen und liegt auf der Straße. © SZ/Schirmer

Was sich die Anwohner fragen: Kann man gar nichts gegen die Schrottkarre tun? Bleibt sie jetzt ewig in der Wiesenstraße stehen? Nur wenige Meter weiter auf der Birkenstraße hat die Polizei ihre Wache.

Das Auto kenne man freilich, sagt ein Mitarbeiter dort. Aber machen könne die Polizei da nichts. Denn der Wagen sei ordnungsgemäß zugelassen und stehe auf einem öffentlichen Parkplatz, für den es keine Zeitbegrenzung gibt. Dem Halter ist damit rechtlich nichts vorzuwerfen.

Auch beim Ordnungssamt kennt man das vermüllte Auto schon eine Weile. Einfach abgeschleppt werden darf das Fahrzeug aber nicht, sagt Daniela Bollmann von der Stadtverwaltung .

Zurzeit stehe das Auto unter Beobachtung. Erst wenn der Polo extrem zugemüllt und beschädigt ist, dürfe der Fall an die Untere Abfallbehörde Meisen abgegeben werden, die das Auto abschleppen lassen könnte. Den Besitzer ermitteln und anschreiben, kann die Stadt nicht so leicht, da das Auto ja ungarische Kennzeichen hat. Die wiederum verhindern ein rigoroses Durchgreifen, wie es beispielsweise in Bremen seit diesem Jahr gehandhabt wird. Dort werden nicht zugelassene Schrottkisten jetzt ohne Vorwarnung abgeschleppt.

Vier Wochen räumt das Ordnungsamt den Haltern dann eine Schonfrist ein: So lange haben sie Zeit, ihr Fahrzeug von den Betriebshöfen auszulösen. Danach landen die Fahrzeuge entweder in der Schrottpresse oder werden versteigert. Bürger können über eine extra für diesen Zweck eingerichtete E-Mail-Adresse solche Autos bei der Behörde melden. Für die Stadt verursacht das Abschleppen allerdings hohe Kosten, die von der Allgemeinheit getragen werden müssen.

In der Wiesenstraße in Radebeul wird das Fahrzeug zum Leidwesen der Anwohner wohl noch eine Weile parken. Immerhin eine positive Nachricht gibt es: Früher standen noch deutlich häufiger Schrottautos in der Stadt herum, sagt Daniela Bollmann. Inzwischen sei das eine Ausnahme.

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