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„Die Schulen sind viel zu voll“

Die Vorsitzende des Kreiselternrats, Annett Grundmann, sieht vor allem in Cotta und Löbtau zu wenig Platz für Schüler.

© André Wirsig

Frau Grundmann, für den Schulbau hat die Stadt noch nie so viel Geld investiert wie im vergangenen Jahr. Gibt es für die Eltern überhaupt noch etwas zu meckern?

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Ja. Es gibt immer noch keine richtige Prioritätenliste, das heißt keine verlässliche Aussage, was mit den Schulen passiert, die immer noch im Sanierungsstau feststecken. Es gibt zwar einen Plan für Schulneubauten und Erweiterungen, aber bei den Sanierungen sind es immer dieselben Schulen, die hinten runterfallen, zum Beispiel die Dreikönigsschule, die 46. Mittelschule und die 49. Grundschule. Außerdem müssen die Gymnasien Plauen, Klotzsche und Cotta dringend saniert werden.

Wie groß ist der Unmut bei den Eltern?

Sehr groß. Oftmals werden die betroffenen Schulen gerade mit kleinen Ersatzbauten, sprich Turnhallen, mehr oder weniger hingehalten. Sie können aber letztlich in ihrer individuellen Arbeit gar nicht fortfahren, wenn das Haus nicht dazu passt.

Wo läuft es gerade gut?

Bei den Neubauten ist es gut. Beim Marie-Curie-Gymnasium sieht man den Fortschritt. Die Bauauslagerung der Schüler nach Gorbitz wird inzwischen sehr positiv gesehen. Vorher gab es dazu ja viele Vorbehalte. Was auch sehr gut läuft, ist, dass die Stadt versucht weiterzuarbeiten an Veränderungen und Aktualisierungen des Schulnetzes. Und das, obwohl die offizielle Bestätigung des Planes nach unserer Kenntnis aus dem Kultusministerium noch fehlt.

Noch nicht entschieden ist, ob Berufsschulzentren von Dresden in die Umgebung verlagert werden, um hier Platz für neue allgemeinbildende Schulen zu schaffen. Sind Sie dafür?

Wir haben uns mit Schülern und Unternehmen zu den geplanten Umstrukturierungen beraten und uns intensiv damit beschäftigt. Wir halten es für negativ und verstehen nun, warum Schüler ihre Schule hier behalten wollen.

Warum sind Sie dagegen? Es entsteht doch Platz für notwendige neue Schulen in der Stadt.

Es ist zum Nachteil der Schüler. Die Verlagerung der Schulen nach außen verschiebt auch das Problem nur. Die Schüler wollen in der Großstadt sein, um auch hier ihre Freizeit zu gestalten und etwas erleben zu können. Wenn wir die Berufsschulzentren nun aufs Land verteilen, werden die Schüler eher in die nächste Großstadt ziehen. Das kann dann auch außerhalb Sachsens sein. Und ob sie von dort wiederkommen, ist fraglich. Denn was können Schüler außerhalb des Unterrichts machen? Eine vernünftige Infrastruktur dafür müsste erst auf dem Land geschaffen werden.

Wie gut ist die Stadt angesichts weiter steigender Schülerzahlen vorbereitet? Wird es Engpässe geben?

Die Engpässe haben wir schon. Sie will nur niemand sehen. Die Schulen sind bereits viel zu voll, über ihre Kapazitäten hinaus. Wir versuchen jetzt mit den Schulneubauten nur das abzufangen, was über dem jetzigen Maß noch kommt. Beispiel Vitzthum-Gymnasium: Es ist eigentlich nur für vier Klassenzüge pro Jahrgang ausgerichtet, wird aber schon jetzt fünfzügig genutzt. Auch andere Schulen sind überlastet, vor allem in Striesen und Blasewitz. An fast allen weiterführenden Schulen in Dresden sind die Klassen mit je 28 Schülern bis auf den letzten Platz voll.

Bekommt es die Stadt in den Griff?

Wenn alle mitarbeiten würden, ja. Aber es fehlt noch an Kooperation untereinander. Kita-, Hort- und Schulbereich müssen besser harmonieren. Auch die Bildungsagentur muss enger in Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

In welchen Stadtteilen fehlen die meisten Schulen?

Die Ortsamtsbezirke Cotta und Löbtau können zu großen Problemen werden. Striesen und Blasewitz sind schon lange schwierig. Die Neustadt hat sich entspannt.

Stichwort Sporthallen: Beginnt jetzt der Kampf zwischen Sportvereinen und Schulen um die freien Minuten?

Die Situation ist sehr kritisch. Ein festgelegter Beschluss zur Beschränkung der Hallenzeiten für Schulen kann nicht die Lösung sein, sondern führt eher zu einer Verschärfung des Problems. Wir müssen eine Lösung vor Ort mit den Schulen finden.

Man kann einer Schule nicht vorschreiben, dass sie bis zu einer bestimmten Uhrzeit fertig sein muss. Wir haben zu wenig Kapazitäten für Sportunterricht und Vereinsnutzung. Das ist ein generelles Problem. Einige Schulen sind schon in Doppelnutzung, zum Beispiel auch in Klotzsche. Dort müssen die Mittelschüler in die Halle des Gymnasiums. Und so lässt sich Sportunterricht auch nach 17.30 Uhr nicht verhindern. Ausgerechnet dort wollen aber nun auch noch die Sportvereine eher hinein. Wäre das Problem eher durch die Verantwortlichen erkannt worden, würde es sich jetzt nicht auf die Schulen verlagern.

Das führt jetzt sogar zu Diskussionen über Ganztagsangebote. Die halten wir aber für sehr sinnvoll, auch wenn manchmal nur acht Schüler in einem Kurs sind. Für viele Kinder ist es das einzige Mal in der Woche, überhaupt Sport zu machen. Vereinsarbeit könnte ja auch ein Ganztagesangebot sein. Eine Mischung des Schulangebots mit der Vereinsarbeit kann ich mir gut vorstellen.

Das Kultusministerium hat in diesem Schuljahr die Stunden aus dem Ergänzungsbereich massiv gekürzt. Was hat das für Konsequenzen?

Der Ergänzungsbereich beinhaltet Stunden für pädagogische Angebote, die über die normale Grundabdeckung des Unterrichts hinausgehen, wie Förder- oder Klassenleiterstunden. Für die ist nun keine Zeit mehr. Auch für Projektarbeit fehlt es an Stunden. Der Ergänzungsbereich ist um die Hälfte der Stunden gestrichen worden, um stattdessen einen Vertretungspool für Krankheitsfälle zu schaffen. Damit soll ein Ausgleich für Langzeitkranke ermöglicht werden. Wir haben das mal ausgerechnet. Pro Schule kann der Wegfall eine halbe Lehrerstelle ausmachen.

Ging es dabei um Geld- oder Personalmangel?

Man hat versucht, damit das Personalproblem zu beheben. Was aber nicht wirklich aufgegangen ist, weil wir in Dresden faktisch schon einen Lehrermangel haben. Die Schulen melden trotzdem massive Engpässe, zum Beispiel am Gymnasium Cotta und am Vitzthum-Gymnasium. Das Problem ist trotzdem da und wir werden auch zunehmend darauf hinsteuern, weil bestimmte Fächer gänzlich fehlen. Physikunterricht zum Beispiel ist gerade absolute Mangelware, generell die Naturwissenschaften, aber auch Sprachen wie Französisch.

Was sind die größten Herausforderungen für 2014?

Großes Thema ist auch Prävention. Es gab in der vergangenen Zeit mehrere Vorfälle an Schulen, wo Kinder von fremden Personen angesprochen wurden. Einige wurden sogar verfolgt. Eltern sind beunruhigt. Daher haben wir eine enge Kooperation mit der Aktion „Bärenstarker August“. An dem Thema müssen wir weiterarbeiten, zum Beispiel mit dem Projekt „Trau Dich“.

Das Gespräch führte Claudia Schade.