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Die Schwestern fahren auf Elektro ab

Im Kloster fährt jetzt ein Auto mit Batterieantrieb. Für die Nonnen ist der Umweltschutz schon lange keine Phrase mehr.

© SZ Thomas Eichler

Von Thomas Christmann

Schwester Elisabeth hat sich gleich mal hinters Lenkrad geschwungen. Bevor sie aber aufs Pedal drückt, schnallt sie sich noch an. Äbtissin Schwester Regina nimmt nebenan Platz. Zwar kann bei Höchstgeschwindigkeit 36 und einer Fahrt in der Anlage des Klosters St. Marienthal nicht so viel passieren, aber sicher ist sicher. Beide wollen sozusagen das Gefährt nun einweihen. So drehen die Schwestern in dem Zweisitzer eine Runde durch den Hof. Kurz und laut ertönt eine Hupe. Das neue Elektro-Mobil ist unterwegs. Fast geräuschlos gleitet es auf dem Schotter. Nur das Knirschen unter den kleinen Rädern und ein feines, leichtes Surren sind zu hören.

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Diese Woche erfolgte die feierliche Übergabe des batteriebetriebenen Autos. Familie Röntsch von der gleichnamigen Allianz-Generalvertretung aus Strahwalde schaute bei der ersten Fahrt zu. „Beeindruckend, man hört fast nichts“, sagt Ralf Röntsch zur Lautstärke. Durch sie und mithilfe der Aktion „Blauer Adler“ von der Allianz-Umweltstiftung konnte das Elektro-Mobil erst finanziert werden. „Wir fühlen uns mit dem Kloster verbunden“, sagt er. Seit DDR-Zeiten verfolgen Röntsch und seine Frau die Entwicklung der Anlage. Dem damaligen optischen Verfall schloss sich mit der Wende eine umfassende Rekonstruierung an. Das Ehepaar hält bei seinen Fahrten auf dem Oder-Neiße-Radweg stets am Kloster an. „Eine Augenweide“, sagt er zum heutigen Zustand.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass die Familie etwas für die Klosteranlage spendet. Ein Jahr haben sie beispielsweise für die Aktion „Saubere Neiße“ des Internationalen Begegnungszentrums die Kosten zum Entsorgen der herausgefischten Altreifen übernommen. Das Kloster selbst unterstützten Röntschs hingegen mit dem Anlegen eines Hochbeetes im Kräutergarten. Zudem bezahlten sie die Kamera, mit der seither die Störche auf dem Schornstein der ehemaligen Brauerei beobachtet werden können. Trotz evangelischen Glaubens haben beide nach eigenen Angaben schon interessante Gespräche mit den katholischen Schwestern geführt. „Man sollte Gutes tun und darüber reden“, sagt Röntsch. Das stärke das Wir-Gefühl. Und im Kloster werde viel für den Umweltschutz getan, berichtet er. Für Schwester Elisabeth steht fest: Die Bewahrung der Schöpfung, das Leben im Einklang mit der Natur, der Umweltschutz und die Klimagerechtigkeit sind nicht nur Phrasen, sondern gelebter Inhalt des täglichen Handelns im Kloster. „Wenn auch unser neues Elektro-Mobil nur ein kleiner Beitrag dazu ist“, sagt sie. In der Summe diene aber jeder Schritt der Nachhaltigkeit.

So erzeugt das Kloster schon seit Jahren seinen eigenen Strom, mit der Wasserkraft der Neiße. „Ebenso gehört der verantwortungsvolle Umgang mit der Energie zu den wichtigen Vorhaben“, sagt Schwester Elisabeth. Und ab sofort hilft den Nonnen das Elektro-Mobil bei den täglichen Arbeiten. Damit sollen nun die kleinen und großen Transporte zwischen den Gebäuden auf dem Klosterhof erledigt werden. Als Beispiel bringt Schwester Elisabeth das Abholen und Ausliefern von Wäsche zwischen den Gästehäusern und der klostereigenen Wäscherei. „Wir danken ganz herzlich der Familie Röntsch und der Aktion für die großzügige Unterstützung“, sagt sie.