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Die schwierige Suche nach Lehrlingen

Mehr als 2.000 freie Plätze – Firmen müssen ihre Anforderungen herunterschrauben.

© André Wirsig

Von Bettina Klemm

Gute Zensuren in Mathematik und Physik, ordentliches Auftreten – dies setzt Uwe Behrenwald bei seinen künftigen Lehrlingen voraus. Der Technische Leiter der LSG Laser, Schneid und Gerätebau GmbH legt die Messlatte hoch und möchte in diesem Jahr noch zwei neue Lehrlinge aufnehmen – als Konstruktions- und als Zerspanungsmechaniker. Für eine dritte Ausbildungsstelle zur Industriekauffrau hat er sich schon für eine Bewerberin entschieden.

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Seit 2001 hat die Firma LSG 16 Lehrlinge ausgebildet. „Wir brauchen vor allem Nachwuchs für unser Unternehmen, viele Mitarbeiter gehen in absehbarer Zeit in die Rente“, sagt Behrenwald. Deshalb wurden auch bis auf drei alle Azubis später übernommen. Einer der drei wollte zu einem anderen Unternehmen, bei den anderen habe die Einstellung nicht gestimmt. „Bis vor einigen Jahren hatten wir noch 80 Bewerber für eine Stelle“, sagt Behrenwald. Jetzt gebe es kaum brauchbare Bewerbungen. In den vergangenen zwei Jahren hat die LSG auch Praktikanten aus dem berufsvorbereitenden Jahr beim Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerk und den Metall- und Elektroausbildungsstätten in Kesselsdorf eine Chance gegeben.

Bei so einem Praktikum konnte auch Johannes Pötschke überzeugen. Der 19-Jährige lernt im zweiten Jahr den Beruf eines Konstruktionsmechanikers. Er hat die Schule mit der 9. Klasse verlassen. „Erst in der Berufsschule habe ich gemerkt, wie wichtig die Schulausbildung ist“, sagt er. Die Anforderungen seien nun ganz schön hoch, aber er erhalte Unterstützung bei den Kollegen.

Behrenwald und zwei weitere Kollegen hatten 1992 die Firma LSG gegründet. Sieben Jahre später bezog sie einen Neubau im Technologiepark Nord am Manfred-von-Ardenne-Ring und weitere sieben Jahre später baute sie diesen nochmals kräftig aus. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 53 Mitarbeiter und fünf Auszubildende.

Sie fertigen im Drei-Schicht-System ausschließlich im Kundenauftrag, von einfachen Zuschnitten über anspruchsvolle Fertigungsteile bis zu kompletten Baugruppen reicht die Palette. „Wir erzielen reichlich fünf Millionen Umsatz im Jahr“, sagt Geschäftsführer Thorsten Schmidt. In den Fertigungshallen stehen Anlagen, die jeweils mehr als 100.000 Euro wert sind. Das setzt auch bei den Lehrlingen eine hohe Verantwortung voraus.

So wie die LSG müssen die Unternehmen verstärkt ihre Ansprüche an künftige Lehrlinge herunterschrauben und gleichzeitig noch mehr Aufwand bei der Ausbildung betreiben.

Die schwierige Suche nach Lehrlingen trifft mittlerweile alle Branchen. „Mehr als 2.000 freie Ausbildungsplätze warten noch auf die richtigen Bewerber“, sagt Lars Fiehler von der Industrie- und Handelskammer Dresden. Für die Berufe der Gastronomie und Hotellerie schlossen 2005 beispielsweise 1.600 Lehrlinge im Kammerbezirk einen Ausbildungsvertrag ab. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 575. Die Demografie lässt grüßen. Allerdings bleibe im Kammerbezirk Dresden wenigstens dieses Niveau erhalten, in Leipzig und Chemnitz sinken die Lehrlingszahlen weiter.

Jetzt haben sich die Kammern und die Arbeitsagentur mit ihrem Berufsinformationszentrum zusammengeschlossen. Am nächsten Montag laden sie zum „Tag der Ausbildungschance“ ein. „Dabei geht es vor allem darum, Ausbildungssuchende des Jahres 2014 und unbesetzte Berufsausbildungsstellen für das aktuelle Ausbildungsjahr zusammenzubringen. Außerdem sollen Informationen zu Berufen vermittelt und auch Alternativen aufgezeigt werden“, sagt Pressesprecherin Iris Hoffmann. Sowohl die Kammern als auch die Arbeitsagenturen präsentieren die jeweils gemeldeten offenen Berufsausbildungsstellen. Die Aktion wurde 2011 ins Leben gerufen.

Größte Lehrstellenbörse des Jahres am 16. Juni von 13 bis 17 Uhr in der Arbeitsagentur, Budapester Straße.