merken
PLUS Görlitz

Bunte Maskenparade in Görlitz und Niesky

Weiß und aus Papier? Von wegen! Viele Görlitzer und Nieskyer haben beim Maskenkauf auf Stil geachtet - oder sind einfach erfinderisch gewesen.

Von wegen Einheitsbrei: Es gibt Schutzmasken in vielen Farben und Formen.
Von wegen Einheitsbrei: Es gibt Schutzmasken in vielen Farben und Formen. © Nikolai Schmidt/André Schulze

Schwarz, gepunktet, aus Stoff oder Papier: Seit in Sachsen die Maskenpflicht gilt, sind Mundschutze noch begehrter als Toilettenpapier. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten - man muss nur die richtigen Leute kennen oder sich zu helfen wissen. Wir haben nach den schönsten oder ausgefallensten Masken Ausschau gehalten.

Die Importierten

© Nikolai Schmidt

Georg und Milena sahen der drohenden Maskenpflicht ganz entspannt entgegen, denn sie hatten ihre Exemplare schon länger im Schrank. Der Grund: Bei einem Urlaub in Vietnam vor drei Jahren bewegten sie sich mit Moped und Motorrad fort. In Vietnam trägt fast jeder Fahrer eine Maske, als Schutz vor den Abgasen im Straßenverkehr. 

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Bei so einem großen Bedarf gibt es Auswahl - und preiswert sind die Masken ebenfalls. Umgerechnet gerade mal einen Euro hat eine gekostet, dabei sind sie nicht nur äußerst formschön, sondern aus festem Stoff. "Sie schützen genau wie andere Masken", ist sich Georg sicher.

Das Erstlingswerk

© Nikolai Schmidt

Mit seinem roten Mundschutz fällt Steffen auf jeden Fall auf. Und das Beste: Er hat nicht mal etwas dafür bezahlt. Das rote Stoffstück mit der weißen Naht ist ein Geschenk seiner Schwester. Die arbeitet bei der Caritas und hat sich gerade eine Nähmaschine gekauft. "Meine Maske war eines ihrer ersten Projekte", sagt Steffen. Dann atmet er aus, seine Brille beschlägt. "Das ist das Einzige was nervt", schnaubt der 25-Jährige.

Die Schlagfertige

© André Schulze

Steve aus Rietschen wollte eine Gesichtsmaske mit einem coolen Spruch darauf: Bevor Du fragst: Nein! steht da drauf. Dafür hat er das Internet durchstöbert und am Freitag bestellt, nachdem die Maskenpflicht bekannt wurde. Am Dienstag lag sie in seinem Briefkasten und am Mittwoch war der 32-Jährige mit seiner Mutter Rita Bursian in Niesky einkaufen. Die 60-Jährige gibt sich mit einer Einweg-Maske zufrieden. "Ich brauche sie ja kaum, nur wenn ich mit meinem Sohn unterwegs bin", berichtet sie. Dass sie für so einen "Pfennigartikel" zwei Euro zahlen muss, findet sie unverschämt.

Die High-Tech-Maske

© Nikolai Schmidt

Die Straßenbahn hält auf der Berliner Straße, ein junger Mann mit Cap, Musik im Ohr und dunkler Stoffmaske vor dem Mund tritt heraus. "Das mit der ausgeschnittenen Nase ist erlaubt", sagt Swen selbstbewusst, als wir ihn ansprechen. Und schützen tue sie allemal.

Swen muss es wissen, schließlich arbeitet er in einem Bautzener Pflegeheim, dort bekommen sie ihre (handgenähten) Masken allerdings gestellt. Seine private, eigentlich eine Skimaske, hat er bereits Anfang des Jahres für knapp 20 Euro erworben. Für den Fall einer Maskenpflicht. Besonders praktisch: Über ein Ventil an der rechten Seite kann er die Luftzufuhr regeln.

Die Wiederverwertete

© André Schulze

Zahnärztin Theresa Eger trägt seit Montag etwas Selbstgenähtes als Schutz vor ihrem Gesicht. Dafür gesorgt hat ihre Mutter. Sie hat am Wochenende aus Baumwollstoff, der schon einmal ein Kleidungsstück war, Masken genäht. "Somit mussten wir uns keine kaufen, jetzt sind meine beiden Kinder und ich damit ausgestattet. Mein Mann wird durch seinen Betrieb versorgt", sagt die junge Frau aus Eibau. Die 36-Jährige arbeitet im Gesundheitsamt des Landkreises in der Außenstelle Niesky. Daher weiß sie schon von Berufs wegen, dass dieser Schutz wichtig und notwendig ist.

Die Frühlingshafte

© Nikolai Schmidt

Trägt Roselore wirklich eine rosa Blumenmaske? Weit gefehlt: Denn was von weitem aussieht wie ein kitschiges Rosenmotiv entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Flamingomuster. "Es ist eher eine Behelfsmaske", sagt die 69-Jährige. Als das Tragen Pflicht wurde, hat sie sich aus Stoffresten und Gummis schnell eine geschneidert. 

Sie hat Übung: Als Mitglied des Frauenbundes Görlitz näht sie schon seit geraumer Zeit Masken für das Görlitzer Klinikum. Ein Fan der Masken wird sie aber wahrscheinlich nicht mehr: "Es stört beim Atmen, für die kurze Zeit beim Einkaufen geht es, aber jetzt weiß ich, wie sich die armen Ärzte und Schwestern fühlen, die solche Dinger den ganzen Tag tragen müssen", sagt sie.

Die "Maulkörbe"

© André Schulze

Für Ben (9) und Bea (5) aus dem Nieskyer Ortsteil See hat eine Nachbarin die Masken mit extra bunten Motiven genäht. Die Kinder brauchten die Masken bisher kaum, denn Kita und Schule sind geschlossen und ihre Mutter macht derzeit Heimarbeit. Auf dem großen Grundstück und der freien Natur um das Dorf finden sie Bewegung, ohne vielen Menschen zu begegnen. Ben sagt: "Zum Einkaufen geht das mit der Maske, zu Hause wäre das blöd." Denn für die beiden Kinder ist es eine Umgewöhnung, wenn sie ihren bunten "Maulkorb" tragen müssen.

Die Stilbewusste

© Nikolai Schmidt

Dass Schutzmasketragen nicht nur nervige Pflicht sein muss, beweist Doris aus Görlitz. "Ich habe sie gekauft, weil sie so gut zu meinen Haaren passt", sagt die 72-Jährige und muss lachen. Sie hat sie in einem asiatischen Modegeschäft auf der Jakobstraße gekauft, handgenäht von der Inhaberin. Fünf Euro habe sie gekostet. Die Maske ist leicht, dürfte aber trotzdem die meisten Viren zurückhalten. 

Die Schutzspendende

© André Schulze

Waldraut und Otto fahren aus Reichenbach regelmäßig zum Einkaufen nach Niesky. Jetzt auch mit Mund- und Nasenschutz. "Wir begrüßen diese Maßnahme, denn durch sie fühlen wir uns sicher. Auch wir zählen zur Risikogruppe", erzählt der 72-Jährige. 

Ihre beiden Stoffmasken haben sie von einer Bekannten bekommen, die mehrere Stück für ihre Leute genäht hat. "Wir können sie waschen und mehrfach verwenden", sagt Waldtraut Kißmann zu den Vorteilen gegenüber den Wegwerfmasken. Die 68-Jährige und ihr Mann wollen sich und andere Menschen schützen.

Die Zweckentfremdete

© Nikolai Schmidt

Alles begann mit einem Keller. Den wollte Podsiadlo aus Görlitz gemeinsam mit seiner Frau entrümpeln. Offenbar war das dringend notwendig - denn es hatte sich so viel Staub angesammelt, dass sie entschieden, nur noch mit Schutzmaske weiterzuarbeiten.

Das ist jetzt ein Jahr her, und nun zahlt sich aus, dass noch eine Packung mit Schutzmasken übrig geblieben ist. "Man kann hierdurch besser atmen als durch Stoff", sagt der 66-Jährige. Und preiswert sind sie auch: Drei Euro haben die drei Masken gekostet. Nur das Auskochen, das wird schwierig. Deshalb will seine Frau jetzt selbst welche nähen. Bis dahin sollen es die Pappexemplare tun.

Die Farbenfrohe

© André Schulze

Madlen arbeitet in der Tankstelle in Jänkendorf. Auch dort muss sie eine Maske vor Mund und Nase tragen. Nicht nur die 30-Jährige kann sich dabei etwas Farbenfrohes umbinden. Eine Bekannte von ihr hat für das Tankstellenpersonal und die Kunden diese Masken aus Baumwollstoff genäht. Für die Angestellte ist das jetzt notwendig. "Denn je besser wir uns schützen, umso schneller überwinden wir diese Corona-Zeit", sagt sie. Deshalb hat sie für Mann und Kind auch gleich zwei dieser Masken gekauft. "Eine Umstellung ist es doch, vor allem beim Sprechen", fügt sie noch hinzu.

Der Klassiker

© Nikolai Schmidt

Weiterführende Artikel

Infos zu Corona im Kreis Görlitz bis 3. Mai

Infos zu Corona im Kreis Görlitz bis 3. Mai

Mehr Geheilte, abgesagte Veranstaltungen und der Umgang mit den Auswirkungen:Die Entwicklungen bis Anfang Mai sind hier zu lesen.

Was kaufen die Görlitzer in Corona-Zeiten?

Was kaufen die Görlitzer in Corona-Zeiten?

Seit einer Woche haben viele Geschäfte in Görlitz wieder geöffnet. Der große Ansturm auf der Berliner Straße ist vorbei. Zeit für eine Bilanz.

Plötzlich kam die Maske

Plötzlich kam die Maske

Eine Mundschutz-Pflicht ist offenkundig sinnvoll, kommentiert SZ-Redakteur Maximilian Helm. Ihre Einführung wirft trotzdem Fragen auf.

Corona: Masken begehrter als Klopapier

Corona: Masken begehrter als Klopapier

Mit der Mundschutzpflicht in Sachsen, gibt es nun einen regelrechten Ansturm in der Region Döbeln. Doch mancher Anbieter wartet vergeblich auf eine Lieferung.

Doch bei allem bunten Stofffeuerwerk: In erster Linie sollen die Masken andere Menschen schützen. Menschen wie Christa. "Ich gehöre zu dieser berühmten Risikogruppe", sagt die 84-Jährige und rückt ihre leicht grünliche Papiermaske zurecht. Die ist zwar nicht so bunt und auffällig, erfüllt aber ihren Zweck. Und ist für sie in der Apotheke kostenfrei.


Weitere Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Weitere Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Weitere nachrichten aus Zittau lesen Sie hier.

Weitere nachrichten aus Löbau lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz