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Dresden

Die Slammerin von Fridays for Future

Clara Hanitzsch packt die Ängste der Dresdner Schüler in ein bewegendes Gedicht. Die 15-jährige beweist, wie viel Gedanken sich die Kinder um die Welt und den Klimaschutz machen.  

Clara Hanitzsch bei der Fridays-for-Future-Kundgebung vorm Rathaus.
Clara Hanitzsch bei der Fridays-for-Future-Kundgebung vorm Rathaus. © René Meinig

Selbstbewusst und ohne zu zögern steigt Clara Hanitzsch auf das kleine Podest, das ihre Mitstreiter schnell aus leeren Bierkästen und Holzplatten zusammengezimmert haben. Die 15-Jährige hat ein Gedicht geschrieben, das sie am Nachmittag bei der Fridays-for-Future-Kundgebung vorträgt.

Mehr als 200 Kinder und Jugendliche lauschen ihren Reimem in Form eines Poetry Slams, die aus den Lautsprechern vor der Kreuzkirche hallen. Die Schülerin der Christlichen Schule Niedersedlitz ist schon länger im "Klimaschutz-Modus" wie sie sagt und ist fast von Anfang an Teil der Fridays-for-Future-Bewegung, die mittlerweile weltweit tausende Kinder auf die Straße treibt.

"Der Satz ist abgedroschen, aber es ist nunmal fünf vor zwölf. Wir können so nicht weitermachen", sagt sie. Die Kinder und Jugendlichen fordern von der Politik Veränderungen, nicht nur auf überregionaler Ebene, sondern auch hier in Dresden. An diesem Freitag sammeln sie in einem Karton Wünsche, die sie an das Rathaus übergeben wollen. Und Mitorganisator Kevin Bauch kündigt mit Blick auf die anstehende Kommunalwahl und den Klimaschutz an: "Egal wer gewählt wird, wir werden euch sowas von auf die Nerven gehen."

Die nächsten Demonstrationen sind schon geplant. Nicht nur in den kommenden Wochen in Dresden, sondern am 21. Juli in Aachen, bei der die gesamte Bewegung zusammenkommen will. 

Das sind die Worte von Clara Hanitzsch

"I close my eyes and I can see, a world thats waiting up for me and that I called my one.
Ich schließe meine Augen und dann sehe ich eine Welt,
die wartet nur auf mich…und es ist meine Welt, die ich gestalte
und nicht zuschauen will, wie sie zerfällt.
Wie die Meeresspiegel steigen, ganze Inseln mit sich reißen - Kinder arbeiten im Müll.
Tag ein und Tag aus wie der Alltag es will.

Mehr Plastik als Fische im Ozean…Sieht es sich überhaupt noch jemand an?
Ist es uns egal? Wir empfinden kein Mitleid - sehen nicht ihre Qual.
Doch ich sehe mir das alles an und werde still - denn es wirkt fast als ob der Mensch mit
sozialer Kälte der globalen Erwärmung entgegen wirken will.

Und wenn eure Kinder fragen: Was habt ihr dagegen unternommen - wollt ihr
dann wieder sagen: Wir haben davon nichts mitbekommen?
Darum müssen wir heute die Welt verwandeln und endlich anfangen zu handeln.
Denn wir sehen doch das Leiden in den Ländern, welche wir in unserem Denken & Reden so gern vermeiden.
Und hier? Hier ertrinken wir im Wohlstandsschutt und machen unsere Erde immer weiter kaputt.

Und ich sehe mir das alles an und werde still, denn es wirkt fast so,
als ob der Mensch mit sozialer Kälte der globalen Erwärmung entgegen wirken will.
Also lasst uns Verantwortung übernehmen, statt uns weiter zu bequemen.
Denn es können nicht mehr nur die Großen, Mächtigen reißen.
WIR KÖNNEN HEUTE UNSERE KRAFT BEWEISEN!

Schmelzendes Eis, im Sommer super heiß, immer mehr CO2 & eine Massenmetzgerei.
Das Leiden aller Menschen, die sich eine bessere Zukunft wünschen.

Ist unsere Aktion ein Ergebnis dummer Kinder die spielen?
Oder doch Beteiligung an Politik, weil wir die Ernsthaftigkeit fühlen?
Ist das nur ein Hobby? Ist das nur ein Spiel? Welches wir verlieren?
Es ist meine Vision - dass wir die Welt schützen für die nächste Generation.
Denn...Nein! Das hier ist kein Hobby - kein Spiel.
Es geht um alles. Nicht nur um viel.

Es MUSS mein - dein - unsere tiefe Sehnsucht werden. Wie ein inneres Lied, ein Ohrwurm, der nie aufgibt.

Eine Sucht, die nichts zerstört, sondern fest in unsere Herzen und Köpfe gehört.
Ein Drängen und Streben Tag und Nacht.
Ein ständiges Bedrängnis, auch wenn es für dich Nachteile hat.

Denn ich sehe mir das alles an und werde still, denn es wirkt fast so als ob
der Mensch mit sozialer Kälte der globalen Erwärmung...Stopp!
Was ich hier sehen kann, das seid ihr, das sind wir.
Menschen voller Eifer, voller Wärme.
Und wir...WIR FANGEN HEUTE AN!"