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Die Sonne hinter Planen

Das historische Gasthaus wird derzeit gesichert – damit bleibt eines der bedeutendsten Denkmale der Stadt erhalten.

Von Udo Lemke
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Das historische Gasthaus zur Sonne von 1561 ist gesichert. Wann der Innenausbau erfolgen soll, ist derzeit noch nicht bekannt.
Das historische Gasthaus zur Sonne von 1561 ist gesichert. Wann der Innenausbau erfolgen soll, ist derzeit noch nicht bekannt. © Claudia Hübschmann

Meißen. An der Ecke Theaterplatz Schlossberg, direkt neben dem Filmpalast, steht das historische Gasthaus „Zur Sonne“. Allerdings verbirgt sie sich gerade hinter großen weißen Bauplanen. Warum, das weiß Andreas Hainz vom gleichnamigen Meißner Architekturbüro, das die Arbeiten begleitet. „Das war eine Notsicherung“, erklärt er. „Dieser als ,Sonne‘ bekannte Renaissancebau von 1561 war 1852 der erste Gasthof mit Saalbetrieb in Meißen und wurde seit 1918 als Kino genutzt“, schreibt seine Frau Antje Hainz in der Visitenkarte des Gebäudes auf der Denkmalroute der Stadt. Und: „Das seit 1991 leerstehende Objekt fand im Zuge des Umbaus des nebenstehenden Kinos 1999 leider keine Beachtung, lediglich das Dach wurde mit Wellbitumenplatten notgesichert.“

Und eben diese Platten waren nun soweit verschlissen, dass sie das Dach der „Sonne“ nicht mehr dichtzuhalten vermochten. „Die alten Wellbitumenplatten wurden vom großen Walmdach des Gebäudes entfernt und durch Tonziegel, sogenannte Biberschwänze, ersetzt. Nun hat das Haus wieder eine rote Deckung, wie es der Denkmalschutz vorgeschrieben hat“, so Andreas Hainz. Und Antje Hainz hat dazu auf der Denkmalroute erklärt: „Der aus der Erbauungszeit 1561 stammende, allseitig abgewalmte Dachstuhl ist eine Besonderheit.“

Darüber hinaus verfüge der Renaissanceteil des Hauses über „sehr schöne profilierte Holzbalkendecken mit schräg verlaufenden Einschubbrettern – für Meißen eine sonst nicht übliche Form. In den Innenräumen haben sich sehr viele Detailausformungen mit Wandschränken, Nischen, Konsolen und Bogenstellungen erhalten.“ Um 1821 wurde im angrenzenden Gebäudeteil ein großer Saal errichtet, 1852 ein noch größerer. „Damit war die ,Sonne‘ der erste Gasthof mit Saalbetrieb, der sich zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens entwickelte.“ 1898/99 folgte ein weiterer Ausbau zum damals größten Saal in Meißen und Umgebung, seit 1918 fanden hier auch Kinoaufführungen statt.

Das Gasthaus zur Sonne war lange ein beliebter Gasthof mit einem großen Saal, wie die alte Postkarte zeigt. 
Das Gasthaus zur Sonne war lange ein beliebter Gasthof mit einem großen Saal, wie die alte Postkarte zeigt.  © Stadtarchiv

Zur jetzt erfolgten Notsicherung gehörte es auch, dass Risse im Gebäude repariert wurden, so Ingolf Brumm, Inhaber der gleichnamigen Baufirma, die die Arbeiten übernommen hatte. „Die Risse wurden vernadelt und verpresst und das Gebäude so auch statisch gesichert.“ Eigentümer des Hauses Theaterplatz 14, diese Nummer trägt die „Sonne“, ist der Unternehmer Meinolf Krohner aus dem nordwestlich von Dortmund gelegenen Herten.

Er hat bereits das Gebäude auf der Görnischen Gasse 4 sanieren lassen. Dafür hat er im Februar eine Anerkennung beim Bauherrenpreis der Stadt 2018 bekommen. Das zweigeschossige Wohn- und Geschäftshaus gehört zu den historisch wertvollsten Bürgerhäusern der historischen Altstadt. Und auch der vollkommen ruinösen Häuser Görnische Gasse 2 und 3 hat sich Krohner angenommen.

Die beiden Wohnhäuser sollen 2021 bezugsfertig sein. Insgesamt 2,9 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt. „Ohne eine Förderung des Vorhabens ist die Finanzierung seitens des Bauherrn nicht zu stemmen“, hatte Antje Hainz, die das Projekt im Februar 2018 im Stadtrat vorgestellt hatte, erklärt. Die Stadträte bewilligten bis 2021 rund 177 000 Euro städtische Förderung für das Projekt. Mit diesem Eigenanteil können Finanzhilfen von Bund und Land in Höhe von insgesamt 708 000 Euro fließen.

Eine solche Förderung ist für die „Sonne“ nicht in Sicht. Zwar liegt sie wie die Häuser in der Görnischen Gasse im Sanierungsgebiet Historische Altstadt, doch das ist quasi ausgelaufen. Architekt Andreas Hainz sieht derzeit keine Chance für die substanzielle Förderung von Denkmalen in der Altstadt. Für die Bauherren bedeutet dies, dass sie ihre Projekte strecken müssen, bis es einmal wieder Unterstützung gibt, oder dass sie gar nicht erst anfangen. 

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