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Sorbische Tracht aus Senftenberg

Der Verein zur Pflege der Regionalkultur Mittlere Lausitz half bei der Ausstattung einer Trachtenhochzeit in Crostwitz.

Marie Josefine (Mitte) und Julia Paulisch werden von Kirsten Böhme vom Trachtenhaus Jatzwauk in die Senftenberger Tracht eingekleidet.
Marie Josefine (Mitte) und Julia Paulisch werden von Kirsten Böhme vom Trachtenhaus Jatzwauk in die Senftenberger Tracht eingekleidet. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda/Senftenberg. Etwa 120 Jahre ist es her, dass Senftenberger Frauen ganz selbstverständlich die sorbische Tracht getragen haben. Mit der Industrialisierung wurde diese Kleidung zur Truhentracht, doch die in Senftenberg ansässige sorbische Familie Paulisch will das jetzt ändern.

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Eine Trachtenhochzeit in Crostwitz bot Günter Paulisch und seinen jungen Enkelinnen Marie Josefine und Julia Paulisch am vergangenen Wochenende die Gelegenheit, endlich wieder Trachten ihrer Heimatregion zu zeigen.

Marie Josefine Paulisch trug die aufwändige Brautjungferntracht und war besonders stolz auf das Blumenkränzchen, das auf ihrer weißen Haube prangte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist es wohl angefertigt worden, erzählt die junge Sorbin, deren Urgroßmutter zu dieser Zeit noch täglich die Kleidung der Senftenberger Sorben getragen hat. „Vielleicht war meine Urgroßmutter auch mal Brautjungfer“, mutmaßt Marie Josefine Paulisch. Ihre sechsjährige Schwester Julia freute sich über die sommerliche Ausgangstracht und darauf, auf der Hochzeit Blumenmädchen zu sein.

Doch die Familie besitzt keine Trachtenteile von der Urgroßmutter mehr. Deshalb fragte Günter Paulisch beim Trachtenhaus Johann Jatzwauk nach. Und dort fanden sich tatsächlich einige wertvolle originale Kleidungsstücke aus Senftenberg.

Der Verein zur Pflege der Regionalkultur Mittlere Lausitz e. V. betreibt das Trachtenhaus in Hoyerswerda und fertigt in seiner Trachtenwerkstatt nach alten Fotos und Beschreibungen fehlende Teile neu an, erläutert die Ankleidefrau Kirsten Böhme. So geschah das auch für die beiden Senftenberger Trachten. An der Nähmaschine saß dafür Rosemarie Fröhlich, die Enkelin des Firmengründers Johann Jatzwauk, mit ihrem großen Wissen.

Hinter dem Projekt, die Senftenberger Tracht wiederzubeleben und sie erneut in der Wahrnehmung der Menschen zu verankern, steckt das vor zwei Jahren gegründete sorbisch-wendische Trachtenforum des Landkreises Bautzen. Möglichst alle Arbeits-, Kirchgangs-, Ausgeh- und Hochzeitstrachten der Senftenberger Region sollen rekonstruiert werden. Das erklärt das Vorstandsmitglied Kirsten Böhme vom Verein zur Pflege der Regionalkultur Mittlere Lausitz. Sie gehört wie der Muttersprachler Günter Paulisch zum Trachtenforum, das alle sorbischen Regionen miteinander verbinden will.

Die Kleidung der Sorben soll besser erforscht werden, um wertvolles Wissen über die Vielfalt, die Bedeutung, das Tragen und die Herstellung der Trachten zu erhalten und zu verbreiten. Viele Ankleidekurse zur Hoyerswerdaer Tracht führen die Mitglieder des Trachtenforums deshalb durch, und zunehmend erweitern sie ihre Aktivitäten in die Senftenberger Region, sagt Kirsten Böhme. Mit dem Ort Schleife bestehen auch schon ausbaufähige Kontakte.

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