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Die spannende Geschichte eines kleinen Ortes

Jubiläum. Ortschronist Gotthard Ender hat eine Festschrift über Buchholz verfasst. Anlass ist das 700-jährige Bestehendes Dorfes.

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Von Roland Otto, Ratsarchivar

Das im Südwesten des Niederschlesischen Oberlausitzkreises gelegene Dorf Buchholz, seit 1994 in die Gemeinde Vierkirchen integriert, wurde 700 Jahre alt. Anlass für den langjährigen Ortschronisten Gotthard Ender eine Festschrift, die den Zeitraum von 1305 bis 2005 umfasst, zu erarbeiten.

Kirchdiener lehrten Kinder

Er entschied sich dafür, die einzelnen Themenkomplexe weitgehend chronologisch darzustellen. Eine dreiseitige Zeittafel über wichtige Ereignisse ist eine gewisse Zusammenfassung der Ortsgeschichte. Zunächst beschreibt er Lage und Zugehörigkeit und gibt Einblicke in die Tier- und Pflanzenwelt.

Gottfried Ender informiert beispielsweise über 63 einzelbäuerliche Wirtschaften in der Größe von einem bis über 50 Hektar in Buchholz sowie 32 Einzelbauern und eine kleine LPG von einem bis 20 Hektar im benachbarten Tetta im Jahre 1954. Später werden die für DDR-Zeiten typischen Namen wie LPG Typ I „Vorwärts Tetta“, LPG Typ III „Thomas Müntzer“ Melaune und LPG Typ I „Bauernfleiß“ Buchholz genannt. Detailliert werden die baulichen Veränderungen an der Kirche in Buchholz erfasst. So erfährt der Leser, dass am 22. Januar 1703 die Kirche und das Pfarrhaus sowie das daneben liegende Lehngütlein „Thümlitz“ abbrannten. Die Pfarrer nach 1900 werden aufgeführt, so u. a. der Oberkonsistorialrat Hans-Joachim Fränkel von 1947-1952, der spätere evangelische Bischof des Görlitzer Kirchengebietes und Ehrenbürger der Stadt Görlitz. Im 16. Jahrhundert unterrichteten noch die Kirchdiener, auch Schreiber genannt, in den hiesigen Dörfern die Kinder.

Masern-Epidemie 1946

Ein Grund für den auch später noch niedrigen Bildungsstand auf dem Lande war die geringe Besoldung der Lehrer. Da anfangs geeignete Räumlichkeiten fehlten, erfolgte der Unterricht zunächst in der Wohnung des Lehrers. Später nutzte man ein kleines Fachwerkhaus, und erst 1844 konnte ein neues Schulgebäude gebaut werden (jetzt alte Schule). Infolge des Ersten Weltkrieges richtete man 1915 in der alten Schule ein Lazarett ein. Am 9. Dezember 1946 brach eine Masernepidemie aus, und man schloss die Klasse I, da von insgesamt 23 Schülern nur noch fünf zum Unterricht erschienen. Unter der Rubrik Kriegsnöte wird zum Beispiel über die Hussittenkriege (1417-1434), den Siebenjährigen Krieg (1756-1763), den Napoleonischen Feldzug (1811-1813), den Ersten Weltkrieg (1914-1918) mit Namen der Gefallenen aus Krischa (seit 1937 Buchholz) und Tetta (von 1937-1949 Margaretenhof) und den Zweiten Weltkrieg (1939-1945) mit Namen der Gefallenen und Vermissten aus Buchholz, Tetta und Maltitz berichtet.

Bau eines Spritzenhauses

Gottfried Ender gelingt eine gute Einordnung des Ortsgeschehens in die regionale und europäische Geschichte. Am 11. Dezember 1903 erfolgte unweit von Görlitz der erste Spatenstich zum Bau der so genannten Kreisbahn. Zwischen 1905 und 1972 gehörte Buchholz/Tetta zu ihren Stationen. Ender nennt auch die jeweiligen Postboten in Buchholz von 1967-1992, als die Dienststelle geschlossen wurde, sowie von Tetta 1952-1992. Am 14. Februar 1902 wurde in der Krischaer Gemeindevertretersitzung laut Verfügung des Königlichen Landratsamtes der Bau eines Spritzenhauses gefordert. Die Gründung der gemeinsamen Freiwilligen Feuerwehr Krischa/Tetta erfolgte im Jahre 1923. Im August 2000 wurde schließlich im Rahmen eines „Tags der offenen Tür“ der mit Hilfe freiwilliger Arbeitseinsätze und Betriebsspenden neu gestaltete Vorplatz der Feuerwehr eingeweiht.

Dorfclub aufgelöst

Den ehemaligen Dorfclub Buchholz löste man im Zuge der politischen Wende 1989/90 auf und am 3. Februar 1994 wurde sein Nachfolger, der Kultur- und Sportverein Buchholz/Tetta e.V. gegründet. Dieser ist u.a. für Seniorennachmittage bzw. Ausflüge zuständig. Im Juli findet das Buchholzer Dorffest statt und seit 1995 werden auch Kinderfeste, Kindernachmittage und Ferienprogramme organisiert. Der Tenne e.V. Christlicher Kulturverein Buchholz wurde am 18. November 1997 gegründet.Wer noch mehr über die Geschichte von Buchholz erfahren möchte, erhält im Buchhandel und bei Rainer Zumpe in Buchholz die Festschrift.