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Die Spatzen sollen umziehen

Die Gemeinde will rund eine Million Euro investieren, um in Prausitz eine neue Krippe zu bauen. Dafür soll die Einrichtung in Bahra geschlossen werden.

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Von Jürgen Müller

Die Gemeinde Hirschstein tut etwas für ihre Kinder und damit für die Zukunft. In Prausitz soll möglichst bis Ende nächsten Jahres eine neue Kinderkrippe entstehen. Rund eine Million Euro sollen dafür investiert werden. Hirschstein rechnet mit 82 Prozent Fördermittel. „Das Geld aus dem Bundesprogramm wurde uns bereits mündlich zugesagt, ein vorzeitiger Baubeginn genehmigt“, sagt Bürgermeisterin Christine Gallschütz (CDU). Rund 200 000 Euro muss die Gemeinde als Eigenanteil beisteuern.

Alle Kinder nach Prausitz

Rein rechnerisch wäre nach der Kinderzahl ein Neubau allerdings nicht notwendig. Es gibt in den beiden Kindereinrichtungen in Prausitz und Bahra genügend Krippenplätze, der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz kann von der Gemeinde gesichert werden. Und die Prognose für die Kinderzahlen in den nächsten Jahren sei eher rückläufig, so die Bürgermeisterin. In Bahra werden insgesamt 23 Kinder betreut, in Prausitz weitere 68. Nimmt man den Hort dazu, sind es sogar 120. Auf die Hilfe von Tagesmüttern ist die Gemeinde jetzt und auch in Zukunft nicht angewiesen.

Dass dennoch eine neue Krippe gebaut werden soll, hat einen anderen Grund. Die Kindertagesstätte „Spatzennest“ in Bahra, in der derzeit 23 Mädchen und Jungen, davon sechs im Krippenalter, betreut werden, entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. „Wir müssten auch dort umfangreich investieren“, begründet die Bürgermeisterin. Zwar hatte sich der Gemeinderat einst zum Erhalt der Kindertagesstätte in Bahra bekannt, diesen Beschluss aber inzwischen revidiert. Wenn die neue Krippe in Prausitz fertig ist, soll Bahra geschlossen werden, die Spatzen ausfliegen. Alle Kinder aus der Gemeinde werden dann in Prausitz betreut. Durch den Neubau der Krippe wird Platz frei im Kindergarten.

In Bahra stößt diese Idee nicht gerade auf Begeisterung, müssen die Eltern doch künftig mit ihren Sprösslingen lange Fahrtwege in Kauf nehmen. „Na klar kann ich die Eltern verstehen, jeder ist doch froh, wenn er eine Kindereinrichtung im Dorf hat. Doch wir stoßen an unsere Grenzen, erhalten für eine Sanierung in Bahra keine Fördermittel“, sagt Christine Gallschütz. Lange könne die Einrichtung ohne Sanierung nicht mehr betrieben werden, weil sie nicht mehr dem Stand der Technik entspräche. Problematisch sei auch, dass viel Personal vorgehalten werden müsse. Derzeit beschäftigt die Gemeinde in ihren Kindereinrichtungen 15 Leute.

Was mit dem Gebäude in Bahra, das der Gemeinde gehört, künftig einmal werden soll, ist unklar. Am liebsten möchte es die Gemeinde verkaufen. Früher waren hier sechs Wohnungen drin.

Basis für die Grundschule

„Die Entscheidung für den Neubau einer Kinderkrippe ist eine Investition in die Zukunft und auch eine Basis für unsere Grundschule in Prausitz“, so die Bürgermeisterin, die im Sommer nach 25 Jahren aus dem Amt scheidet. Auch in die Schule hat die Gemeinde Hirschstein viel Geld gesteckt. In den Jahren 2009 bis 2011 wurden in das Gebäude rund eine halbe Million Euro investiert. Nachdem 2002 der Status als Mittelschule verloren ging, soll nun die Grundschule auf alle Fälle im Dorf gehalten werden. Die Genehmigung für den Betrieb läuft vorläufig bis zum Jahr 2022.