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Die Sprache ist der Schlüssel

Die Gemeindedolmetscher sind gefragt wie nie. In 25 verschiedenen Sprachen helfen sie bei alltäglichen Problemen.

© sächsische zeitung

Von Juliane Richter

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Reem Alzaim ist die Fachsprache der Ärzte gewöhnt. Ihr Mann arbeitet selbst als Anästhesist. Deshalb fällt es ihr leichter als anderen, die Aussagen von Ärzten zu übersetzen – allerdings nicht nur in verständliche Begriffe, sondern auch noch in die arabische Sprache. Die 36-jährige Syrerin arbeitet ehrenamtlich für den Gemeindedolmetscherdienst.

Erst vor vier Monaten hat sie mit dem Dolmetschen begonnen, seitdem aber schon fast 45 Einsätze gehabt. „Die meisten meiner Gesprächspartner sind Flüchtlinge. Ich helfe ihnen beim Hausarzt, beim Kinderarzt oder auch vor Operationen“, sagt sie. Denn wenn Asylbewerber nach Dresden kommen, können sie die Sprache noch nicht, müssen aber dennoch die alltäglichen Probleme meistern.

Reem Alzaim, die mit ihrem Mann seit vier Jahren in Dresden lebt, wirbt für Verständnis, dass die Flüchtlinge häufig nicht nur Krieg und Verfolgung, sondern auch Hunger und Kälte überlebt haben. „Solche Leute brauchen uns Dolmetscher. Sie brauchen jemanden aus ihrer Kultur und jemanden aus ihrem Land“, sagt sie.

Seit dem Beginn des Gemeindedolmetscherdienstes im Jahr 2007 gab es fast 530 Einsätze in arabischer Sprache. Lediglich die Hilfe russischer Muttersprachler war mit 670 Einsätzen noch häufiger gefragt. Insgesamt bietet der zuständige Dresdner Verein für soziale Integration von Ausländern und Aussiedlern etwa 25 verschiedene Sprachen an. Viele der derzeit 47 ehrenamtlichen Helfer waren einst selbst Asylbewerber und wollen nun etwas zurückgeben. Ihre Dienste sind gefragter denn je. Während es im Anfangsjahr 62 Einsätze für Dolmetscher gab, waren es 2013 bereits mehr als 1 200. Im vergangenen Jahr ist die Zahl noch einmal auf fast 2 000 Einsätze angestiegen. Projektleiter Hans-Joachim Wolf wurde von dieser Entwicklung selbst ein wenig überrascht. Er führt diesen rasanten Anstieg auch auf die wachsende Anzahl von Asylbewerbern zurück. In den meisten Fällen helfen seine Dolmetscher bei Kontakten mit städtischen Einrichtungen, davon vor allem beim Sozialamt, dem Jugendamt, in Kitas und in Schulen.

„Ich bin sehr stolz, dass die Stadt als unser Hauptförderer auch unser Hauptnutzer ist“, sagte Wolf gestern bei einer Veranstaltung, bei der die Gemeindedolmetscher ihre neuen Ausweise erhalten haben. Diesen bekommen sie nur, wenn sie das umfangreiche Schulungsprogramm erfolgreich absolvieren. Das waren 2014 mehr als 20 Seminare, bei denen die Mitglieder nicht nur die Techniken des Dolmetschens, sondern auch Fachbegriffe oder den Aufbau deutscher Ämter und Institutionen lernen. Dabei werden die Dolmetscher laut Projektleiter Wolf so gut ausgebildet, dass allein neun von ihnen im vergangenen Jahr von sozialen Trägern abgeworben worden sind und nun feste Arbeitsplätze haben.

Reem Alzaim sagt, die Arbeit helfe ihr, ihre deutschen Sprachkenntnisse noch mehr zu vertiefen. In der Gruppe mit den anderen Dolmetschern zu sein, mache sie stärker und selbstbewusster. Bei der Frage, ob sie sich in Dresden zu Hause fühlt, zögert sie. „Vor den Pegida-Demonstrationen hätte ich noch Ja gesagt. Aber jetzt ist alles anders. Es macht mich sehr traurig, dass uns die Leute beleidigen und gegen uns demonstrieren, obwohl sie nicht mit uns reden und uns nicht kennen.“

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