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Die Stadt der Optimisten

Fast keiner der Döbelner Händler hat nach dem Hochwasser aufgegeben. Sie trotzen auch der Bürokratie.

Von Jens Hoyer

Die Friseurmeisterin Simone Vatter hat sich den Spaß erlaubt, Johannes Beermann zu ihrem Versicherungsberater zu machen. Der Chef der sächsischen Staatskanzlei hatte nach dem Hochwasser im vergangenen Jahr verkündet, dass nach Aussagen der Versicherungswirtschaft 99 Prozent aller Gebäude problemlos zu versichern sind. „Ich habe ihm geschrieben, er soll mir einen Tipp geben, wo ich eine Versicherung bekommen.“ Die Antwort des Staatsministers hat sie mit ihrer Anfrage an die Versicherungsgesellschaften geschickt: erfolglos. Ein Vertrag ist bis heute mit keiner zustande gekommen.

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Auch ohne Versicherung: Die Friseurin denkt positiv. Vor einem Jahr hatte die Mulde einen halben Meter hoch in ihrem Friseursalon und im Blumenladen ihres Mannes Stefan gestanden. Sechs Wochen später war der Salon wieder offen. Die letzten Schäden im Haus sind noch nicht behoben. „Der Keller ist noch im Rohbau. Es sind derzeit ja auch keine Handwerker zu bekommen“, sagte sie. Irgendwie gehe es immer weiter. Sicher, das Beantragen der Fluthilfe sei langwierig und bürokratisch. Auf der anderen Seite könne man doch froh sein, bis zu 80 Prozent der Schäden ersetzt zu bekommen, sagte Sabine Vatter. Das Haus ist jetzt hochwassersicherer als früher, Elektrik und Heizung sind nach oben verlegt. Beim nächsten Mal wird es weniger Schäden geben.

Kaum einer der Händler und Gewerbetreibenden in der Döbelner Innenstadt hat aufgegeben. Leere Schaufenster sieht man nur ganz wenige. An der Sattelstraße gibt es noch leerstehende Geschäfte. Frank Dittrich ist gerade mit der Sanierung eines Ladens fertig geworden. Der Umbau des zweiten soll beginnen, wenn Geld da ist, erzählt Dittrich, der die Häuser für eine Eigentümergemeinschaft verwaltet. Das Bearbeiten der Anträge für Hochwassermittel gehe sehr zäh vonstatten. Dittrich würde sich deutlich kürzere Bearbeitungszeiten wünschen. Und ein bisschen mehr Vertrauen vonseiten der Sächsischen Aufbaubank (SAB) als Genehmigungsbehörde. „Wir werden manchmal unter den Generalverdacht des versuchten Betruges gestellt“, sagt er.

Die SAB nimmt es diesmal sehr genau. 2002 hatte es deutlich schneller Geld gegeben. Vielleicht zu schnell. In die Ausführungsbestimmungen seien die Erfahrungen von damals eingeflossen, sagte Beate Bartsch, Sprecherin der SAB. „Rückforderungen von Fördermitteln sind für alle Seiten unangenehm.“ Viele Antragsteller hätten ja keine Erfahrungen mit Fördermitteln. Verzögerungen gebe es, wenn die Unterlagen nicht vollständig sind und nachgefragt werden müsse, sagte Beate Bartsch. Manche Antragsteller schicken ihre Anträge gleich zur SAB. Das ist so nicht vorgesehen, weil sie nämlich bei den Stadt- und Gemeindeverwaltungen eingereicht werden müssen und dann zur Prüfung zum Landratsamt gehen. Dieser Verfahrensweg sei eingeführt worden, um das Verfahren für die Antragsteller zu vereinfachen, sagte Beate Bartsch. Privatleute und Verein haben bisher 129 Anträge auf Fluthilfe gestellt, 101 sind genehmigt, 1,2 Millionen Euro bisher ausgezahlt worden – von mehr als sechs Millionen. Dazu kommen noch einmal 96 Anträge von Unternehmen. 56 hat die SAB positiv beschieden und 3,5 Millionen Euro schon überweisen – von insgesamt 6,6 Millionen Euro.

Nachdem es im vorigen Jahr mal eine Flaute gab, haben sich die Geschäfte sehr gut entwickelt, schätzt Ralf Hensgens, Geschäftsführer des City-Kaufhauses, ein. Aber erst, als die anderen Händler eröffnet hatten und Normalität eingezogen war. „Daran sieht man, wie wichtig eine funktionierende Innenstadt ist“, so Hensgens. Deshalb sei es auch wichtig, dass auch die kleineren Händler wieder einen Versicherungsschutz bekommen. „Sonst besteht die Gefahr, dass viele nicht mehr da sind, wenn es noch mal Hochwasser gibt.“