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Die Stadt privatisiert ihre Wochenmärkte

Dresden. Stadträte legen ein Konzept vor, undBürgermeister Hilbertwill ihm folgen.

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Von Stefan Rössel

Ausgerechnet beim Striezelmarkt wollte Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) vor zwei Jahren mit einer Privatisierung der Märkte beginnen. Damit holte er sich damals ziemlich wütende Reaktionen ein. Jetzt steht die Privatisierung von Märkten erneut auf der Tagesordnung, aber ohne das große Weihnachtsspektakel.

Insgesamt elf Wochenmärkte werden unter der Obhut der Stadt veranstaltet. Insgesamt sind sie für die Stadtkasse recht profitabel. Kosten für Verwaltung und Infrastruktur in Höhe von 352 900 Euro standen im vorigen Jahr Erlöse von 588 600 Euro gegenüber. Trotzdem bringen fünf Märkte rote Zahlen (siehe Tabelle).

Ein Vorschlag Hilberts, deshalb einige Märkte zu schließen oder zu reduzieren, stieß im Stadtrat erneut auf heftigen Widerspruch. „Wir wollen, dass die Märkte alle erhalten bleiben“, sagt SPD-Stadträtin Sabine Friedel. Damit begründet sie einen gemeinsamen Antrag mit CDU, FDP und Bürgerfraktion vom März, probeweise sechs Wochenmärkte zu privatisieren.

Auf die Linie ist jetzt auch Hilbert eingeschwenkt. Er kündigte jetzt der SZ ein Konzept an, nach dem die Kernmärkte im Stadtzentrum und den nahen Stadtteilen, etwa am Schillerplatz, in der Regie der Stadt erhalten werden sollen. Märkte weiter am Stadtrand sollten dagegen in die Hände der Genossenschaft der Wochenmarkthändler in Dresden abgegeben werden.

Die Vorlage solle nun schnellstens eingebracht werden, damit sie noch vor der Sommerpause vom Stadtrat verabschiedet werden kann, sagte Hilbert. Das Thema steht bereits diese Woche auf der Tagesordnung des Stadtrats.

Die CDU hatte den interfraktionellen Antrag bereits mit unterschrieben. „Märkte lassen sich bei einer Privatisierung einfach noch effektiver betrieben“, sagt Stadtrat Helfried Reuther zur Begründung.

Die PDS-Fraktion forderte nun allerdings erst einmal eine Stärkung der bestehenden Wochenmärkte ein. Sie sollten womöglich attraktiver gestaltet und besser beworben werden, sagte Stadtrat André Schollbach. Er könne sich auch eine weitere Veranstaltung am Fürstenzug als historisch gestalteter Wochenmarkt vorstellen. Beim Alaunplatz plädiert er dafür, die Öffnungszeit am Sonnabend von jetzt zwölf Uhr bis weit in den Nachmittag zu verlängern, da viele Neustadt-Anwohner einfach später aufstehen.