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„Die Stadt verträgt einen neuen Turm“

Der Streit um den Ferdinandplatz-Turm flammt wieder auf. Der Planungsstopp war absehbar, sagen Kritiker nun.

Blick auf die Innenstadt aus Richtung Süden: Der Turm des neuen Verwaltungszentrums könnte Frauen- und Dreikönigskirche teilweise verdecken.
Blick auf die Innenstadt aus Richtung Süden: Der Turm des neuen Verwaltungszentrums könnte Frauen- und Dreikönigskirche teilweise verdecken. © Sven Ellger

Lange wurde im Bauausschuss an einem Kompromiss für das neue Rathaus am Ferdinandplatz gestrickt. Statt der geplanten 60 Meter sollte der Turm des Gebäudes nur noch 43 Meter hoch werden, um Sichtbeziehungen vor allem von Süden aus nicht zu stören. Doch nun hat sich das Landesamt für Denkmalpflege eingeschaltet. Die Behörde hält den bereits gekürzten Turm immer noch für zu hoch und schlägt vor, sich am gegenüberliegenden Rathausdach zu orientieren. Bis die Frage nach der richtigen Höhe geklärt ist, ruht das Projekt. Eines steht aber fest: Sie spaltet die Stadt.

Die Bürgerinitiative Stadtbild Dresden hält den Stopp des Projektes für schwierig. „Generell verträgt Dresden an der Stelle einen weiteren Hochpunkt, wenn man sich den Einheitsbrei der Flachdächer ringsum an der Prager Straße und der Wallstraße anschaut“, sagt Sprecher Robert Berger. „Uns kommt es vor allem darauf an, wie der neue Turm gestaltet wird.“

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Nichts würde der Dresdner Silhouette mehr schaden als ein Klotz aus Stahl, Beton und Glas, wie ihn die Visualisierung zeige. Wenn aber stattdessen ein architektonisch ansprechender Turm aus Sandstein, mit Pfeilern und einem Ziegeldach entstünde, könnte dies das Bild durchaus positiv bereichern, findet Berger. Das müsse unbedingt in dem städtebaulichen Dialog passieren, der geplant ist.

Der Linke-Stadtrat Tilo Wirtz hat Zweifel, dass der städtebauliche Dialog überhaupt noch etwas am Aussehen des Turmes ändern wird. „Parallel dazu bereitet die Stadt bereits die Ausschreibung der Bauleistung vor. Wenn wir noch etwas ändern wollen, würde das wieder alles in Frage stellen. Das ist knallharte Erpressung der Verwaltung“, sagt Wirtz. Input von außen sei nicht vorgesehen.

Für ihn sei es ein positives Signal, dass sich das Landesamt für Denkmalpflege eingeschaltet hat. Wirtz kämpfte bereits im Bauausschuss gegen den Turm. Dank seiner privat angefertigten Visualisierungen wurde damals erst sichtbar, wie der geplante 60 Meter hohe Turm die Sicht auf die Frauenkirche und andere Gebäude von Süden aus komplett verdeckt hätte. So kam der Kompromiss von 43 Metern Höhe zustande. Wirtz selbst sieht ebenfalls die Firsthöhe des Rathausdaches vom Dr.-Külz-Ring als Maximum an.

Insgesamt hat er keine gute Meinung vom Entwurf für das neue Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz. Es sehe aus wie ein gestrandetes Raumschiff. Wirtz hatte kleinteiligere Fassaden und eine Orientierung an der historischen Parzellierung gefordert. Doch der Zeitdruck, dass das Gebäude bis 2025 fertig sein soll, lasse dies wohl nicht zu.

Wie bei vielen Innenstadt-Bauten hat auch die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) eine Meinung zum geplanten Neubau auf dem Ferdinandplatz. „Erst sollte das Hochhauskonzept fertig sein, wonach der Turm dann beurteilt wird“, fordert Vorstand Torsten Kulke. Die Meinung des Landesamtes für Denkmalpflege sei übrigens nicht neu und hätte auch der Stadt bekannt sein können. Die Behörde hätte bereits auf einer Veranstaltung der GHND im November des letzten Jahres in einer Stellungnahme klar gesagt, dass die Firsthöhe des Rathauses als Obergrenze für den neuen Turm angesehen werden sollte. Damals stand der Behörde mit ihren über 50 Mitarbeitern noch Rosemarie Pohlack vor. Inzwischen leitet der Dresdner Architekt Alf Furkert das Amt. Die Ansicht des Landeskonservators unterstütze man voll und ganz, so Kulke. Auch alle anderen in Planung befindlichen Bauprojekte müssten nach dem Konzept beurteilt werden. Das Dach des Rathauses endet in knapp 39 Metern Höhe. Somit müsste der Turm noch einmal um vier Meter gekürzt werden, sollten sich die Kritiker des aktuellen Entwurfs durchsetzen.

Das würde wiederum Bürofläche kosten. Zurzeit ist die Verwaltung mit ihren gut 6.500 Mitarbeitern auf mehr als 50 Standorte quer über das Stadtgebiet verteilt. Zur Unterbringung sind Gebäude gemietet worden. Dafür zahlt die Stadt knapp 5,7 Millionen Euro im Jahr. Einige Mietverträge laufen 2025 aus. Geplant ist, alle Mitarbeiter im Zentrum anzusiedeln und den Bürgern so kurze Behördenwege zu ermöglichen. Auch Mitarbeiter des Rathauses sollten umziehen, damit das Gebäude weiter saniert werden kann. Ende 2025 soll das neue Verwaltungszentrum dann bezugsfertig sein.

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Sowohl das Landesamt für Denkmalpflege als auch die Dresdner Stadtverwaltung betonen, einen Kompromiss finden zu wollen. Die Gespräche liefen konstruktiv, hieß es am Dienstag gleichlautend. Über Details der Verhandlungen vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Noch ist nicht absehbar, ob sich die Meinungsverschiedenheiten auf den Zeitplan beim Bau des neuen Rathauses auswirken werden.

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