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Die Städtebahn fährt auf sicherem Gleis

Der Geschäftsführer sieht die Straßenbahn nach Ottendorf noch nicht. Wichtiger wären bessere Taktzeiten, sagt er.

Von Frank Oehl

Seit dreieinhalb Jahren fungiert auf dem Dieselnetz der Region die Städtebahn Sachsen – ein mittelständiges Unternehmen des Personennahverkehrs. Der Start im strengen Winter 2010/2011 war holprig, inzwischen fährt die Städtebahn auf sicherem Gleis. Dies bestätigt Geschäftsführer Ralf Böhme gegenüber der SZ. „Wir haben uns stabilisiert, mit dem inzwischen langfristigen Auftrag bis 2024 bieten wir auch unseren mehr als 80 Mitarbeitern nun eine gesicherte Perspektive.“

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Die „Lessingstadt Kamenz“ steht nicht auf der Schiene, sondern aufgebockt im Bahnbetriebswerk in Laußnitz/Ottendorf-Okrilla. Sie ist einer von 15 Zügen der Städtebahn Sachsen, die hier regelmäßig gewartet werden. Dafür sorgt unter anderem Uwe Kersting, de
Die „Lessingstadt Kamenz“ steht nicht auf der Schiene, sondern aufgebockt im Bahnbetriebswerk in Laußnitz/Ottendorf-Okrilla. Sie ist einer von 15 Zügen der Städtebahn Sachsen, die hier regelmäßig gewartet werden. Dafür sorgt unter anderem Uwe Kersting, de

Vor allem der mehr als eine Million Euro teure Aufbau eines eigenen Bahnbetriebswerkes habe wichtige Signale auf Grün gesetzt. „Wir können auf solider eigener Basis die Instandsetzung unserer 15 Züge und damit die technische Sicherheit auf all unseren Strecken gewährleisten.“ So habe man die Zugausfälle aus der Anfangszeit längst in den Griff bekommen und liege auch beim Thema Pünktlichkeit „voll im Soll“. Dies werde auch von den Fahrgästen zunehmend honoriert – zum Beispiel in guten Fahrgastzahlen auf den für den Landkreis Bautzen relevanten Strecken SB 33 (Dresden - Königsbrück) und SB 34 (Dresden - Kamenz). Das bestätigt auch Marketingchefin Michelle Böhme, die mit ihrem Namensvetter übrigens nicht verwandt ist: „Auf der SB 34 sind bisher im Jahr 2014 durchschnittlich 3982 Fahrgäste am Tag unterwegs. Und auf der SB 33 durchschnittlich 1660. Damit verzeichnen wir auf beiden Strecken einen Anstieg.“

Für den Geschäftsführer ist dies ein klares Zeichen für die gewachsene Akzeptanz der Städtebahn, die auf den hohen Einsatz und das Engagement der Mitarbeiter zurückgehe. Was freilich zumindest zwischen Dresden und Kamenz auch schon hin und wieder grenzwertig sei. „Wenn unsere Fahrgäste in vollen Zügen stehen müssen, ist das nicht der Komfort, den wir eigentlich bieten wollen.“ Dr. Böhme regt erneut einen höheren Takt an, was freilich eine Angelegenheit des Auftraggebers wäre, also des VVO. Wenn die Bauarbeiten am Knoten Dresden, die immer mal wieder zur Einschränkungen führen, beendet sind, sollte auch da neuer Spielraum entstehen können, meint der Geschäftsführer.

Die Diskussion um die mögliche Anbindung von Ottendorf-Okrilla an das Dresdner Straßenbahnnetz sieht Dr. Böhme derzeit gelassen. Es habe in Deutschland erfolgreiche Projekte dieser Art gegeben, aber auch gescheiterte. Dies sei auch eine Kosten-Nutzen-Frage, aber nicht nur. Für den Eisenbahner hat das große Gleis viele Vorteile gegenüber dem kleineren. „Die Fahrtzeiten sind geringer, der Komfort ist deutlich höher.“ Da die Bahnschiene in Ottendorf-Okrilla ja schon lange vorhanden ist, sollte man seiner Meinung nach eher über eine effektivere Nutzung dieses Gleises nachdenken – zum Beispiel auch über eine verbesserte Infrastruktur, was die vielen Bahnübergänge betrifft. „Sie sorgen für enorme Tempoverluste, was gemeinsam mit allen Partnern, vor allem auch den Kommunen, angegangen werden müsste.“ Ein gutes Beispiel sei die Kooperation mit Kamenz. Die Bahnübergänge wurden gemacht und lassen jetzt ganz andere Geschwindigkeiten zu. Wobei Dr. Böhme schon auch weiß, dass eine Stadt die Drittelfinanzierung (neben Bund und Bahn) eher hinbekommt, als eine kleinere Industriegemeinde. „Wenn man sich einig wäre, könnte man aber auch den einen oder anderen Übergang ganz wegnehmen.“

Die Städtebahn macht aber auch die ureigenen Hausaufgaben. Zum Beispiel mithilfe des rechnergestützten Betriebsleitsystems (RBL), das hilft, Reserven des Überganges zu Fernbahn oder Regionalbus zu erschließen. „Es zeigt, wo sich die Züge im Moment befinden und wo es Spielräume geben könnte.“ Demnächst werden die RBL von Bahn und Bus vernetzt, so Dr. Böhme. Und 70 000 Euro hat das mittelständische Unternehmen jüngst in die Hand genommen, um alle Fahrzeuge mit UV-Schutzfolie zu versehen. „Das unterstützt die Funktion der Klimaanlagen, was ja gleichermaßen kunden- wie kostenrelevant ist.“

Bleiben die kurzfristigen, aber umso wichtigeren Kundeninfos: Die SB 34 fährt ab dem letzten Samstagzug bis Sonntag 21 Uhr drei Minuten eher vom Hauptbahnhof Dresden ab – wegen der Bauarbeiten bis Dresden-Mitte. Ab da werden alle Regelzeiten wieder eingehalten. Die freilich ab 15. Juni mit dem „kleinen Fahrplanwechsel“ auf der SB 34 teilweise leicht verändert sind. Näheres unter www.vvo-online.de!