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Die stolze Brust des kleinen Franzosen

Franck Ribery macht wieder einmal den Unterschied aus. Dass Mario Götze zeitgleich sein Bayern-Debüt erlebt, ist da bestenfalls Nebensache.

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© pessefoto ulmer/markus ulmer

Von Klaus Bergmann

Am Schlussjubel der Bayern vor ihren Fans nahm auch Mario Götze wieder teil, für die Show-Effekte auf dem Rasen hatten zuvor aber zwei etablierte Triple-Helden gesorgt. Allen voran Franck Ribery trumpfte beim 2:0-Derbysieg gegen Nürnberg auf und empfahl sich noch einmal nachdrücklich für seine Wahl zu „Europas Fußballer des Jahres“ am Donnerstag.

Nur eine Minute nach dem Ende des wenig spektakulären Götze-Debüts sorgte der kleine, große Franzose mit seinem ersten Kopfballtor in der Bundesliga für das erlösende 1:0 des Champions-League-Siegers, dessen größter Trumpf auch unter Trainer Pep Guardiola die individuelle Klasse der Topstars bleibt. Ribery riss sich danach das Trikot vom Leib und sprintete mit blanker Brust jubelnd durch die ausverkaufte Arena. „Das war emotional und komisch für mich, ein super Kopfball, ein wunderbares Tor und so wichtig“, berichtete Ribery hinterher immer noch aufgekratzt.

Die 2:0-Zugabe besorgte schließlich Arjen Robben, der erst drei Nürnberger wie Slalomstangen umkurvte und sein Traumsolo dann mit dem schwächeren rechten Fuß vollendete. „Wenn die Mannschaft gut funktioniert, können Einzelspieler den Erfolg ausmachen“, sagte Robben.

Für Ribery wäre es im reifen Fußballer-Alter von 30 Jahren die Erfüllung, bei der bevorstehenden Ehrung die Weltstars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo auszustechen. „Ich habe alles dafür gemacht, individuell und kollektiv mit der ganzen Mannschaft“, sagte er. Seine Wahl wäre ja auch eine Auszeichnung für den dominierenden Klub der vergangenen Saison. „Man hat diesmal wieder gesehen, dass er Extraklasse darstellt. Es wäre schön, wenn das auch europaweit so gesehen wird und nicht nur in Deutschland“, befand Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Bei Riberys Auswechslung in der 80. Minute erhoben sich die Fans jedenfalls zur Huldigung des Publikumslieblings von den Plätzen.

Götze musste sich zuvor indes mit höflichem Applaus begnügen. Im Bayern-Trikot konnte er beim ersten Pflichtspiel nach der schweren Muskelverletzung noch nicht das zeigen, was er in Dortmund so begehrenswert gut gemacht hatte und den Bayern immerhin 37 Millionen Euro wert gewesen ist. „Er hat drei Monate nicht gespielt. Aber man hat gesehen, dass er ein großartiger Fußballer ist“, erklärte nicht nur Rummenigge. Wie bei der quälend langen Dopingkontrolle nach dem Spiel wird Götze Zeit brauchen, um in Bestform zu kommen. „Für mich persönlich war es nach der Reha-Zeit wichtig, auf dem Platz stehen zu können. Ich habe mich einfach gefreut“, resümierte der 21-Jährige und ärgerte sich vielmehr, dass er seine Chance zum 1:0 vergaben hatte (61.).

Der Jungstar scheiterte ebenso am starken Nürnberger Torwart Raphael Schäfer wie unter anderem David Alaba mit einem unberechtigten Foulelfmeter (33.). Lange hielt das Abwehrbollwerk der Gäste, „bis uns ein bisschen der Sprit ausgegangen ist“, wie Trainer Michael Wiesinger sagte. Was wiederum an den Bayern gelegen habe: „Gerade in Ballbesitz sind sie eine Maschine.“ Insbesondere bei der Ballkontrolle funktioniert das Pep-System tatsächlich schon bestens.

Beim 28. Spiel in Serie ohne Niederlage – das ist Vereinsrekord – wurden erstmals 81 Prozent Ballbesitz in der Bundesliga gemessen. „Im Moment sind die ersten Siege wichtig“, befand Guardiola. Nicht nur Götze braucht Zeit, auch die radikale Umstellung auf das neue System wird ein langwieriger Prozess. Kein Problem, so der Trainer: „Die Spielweise wird wichtiger sein im Mai und Juni, wenn die Titel vergeben werden.“

Einstweilen muss es also Ribery, muss es Robben richten. Morgen wieder im vorgezogenen Ligaspiel beim SC Freiburg. Und wohl auch gegen den Europa-League-Sieger Chelsea am Freitag. „Der Supercup ist uns wichtig“, sagte Rummenigge, „der fehlt uns noch auf dem Briefbogen.“ Dabei wird Neuzugang Thiago fehlen. Der Spanier verletzte sich am Syndesmoseband und wird vermutlich sieben Wochen ausfallen. (dpa)