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Die Straße der Schwerverletzten

Bis zu zehn schlimme Unfälle gibt es jährlich auf der B 6 von Meißen nach Dresden. Was lässt sich dagegen tun?

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Von Peter Anderson

Kaum ein Monat vergeht ohne Einsatz für die Klipphausener Feuerwehren auf der B 6. Fahrer müssen aus Autowracks befreit werden. Nach Unfällen auslaufendes Öl verschmutzt die Straße. Zusammengeknietschte Pkw versperren die wichtige Bundesstraße.

Zumeist werden die Kameraden nach Gauernitz gerufen. Scharfenberg ist ein zweiter Unfallschwerpunkt. Auch in Wildberg und Constappel kommen immer wieder Autofahrer mit ihren Fahrzeugen von der Straße ab oder rasen in den Gegenverkehr. SZ-Informationen zufolge ereigneten sich vergangenes Jahr knapp fünf Prozent aller Unfälle im Kreisgebiet auf dem rund zwölf Kilometer langen Teilstück der Bundesstraße 6 zwischen Niederwartha und Meißen.

Wie den Berichten der Polizeidirektion Dresden zu entnehmen ist, sind in der übergroßen Anzahl der Fälle die Unfallverursacher deutlich zu schnell mit ihren Wagen unterwegs. Gefährliche Überholmanöver bilden eine zweite, oft vorkommende Ursache. Aggressive Fahrer verlieren hinter langsam zuckelnden Wagen die Geduld und riskieren ihr Leben sowie das Leben anderer. Ein Blick auf eine Auswahl besonders schwerer Unfälle der vergangenen beiden Jahre (siehe Infobox unten) zeigt, dass oft Unbeteiligte wie Beifahrer oder die Lenker zufällig entgegen kommender Pkw zu den Schwerverletzten zählen.

Zeitlich gesehen sind nicht – wie man annehmen könnte – die kalten Monate mit überfrierender Nässe oder Schneeglätte die Haupt-Unfallzeit. Stattdessen konzentrieren sich die Zusammenstöße laut Polizeibericht auf die Sommermonate.

Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann (parteilos) vermutet, dass der Kahlschlag entlang der Strecke eine Ursache für die sich häufenden Unfälle sein könnte. Im August 2011 war der Fahrer eines VW-Transporters bei dem Zusammenstoß mit einem auf der Strecke umgestürzten Baum tödlich verunglückt. Anschließend hatte die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft des Bundes entlang der Straße einen breiten Streifen freischlagen lassen. Die B 6 sei dadurch deutlich heller geworden und verleite noch mehr zum Rasen, spekuliert Bürgermeister Gerold Mann.

Der Kommunalpolitiker spricht zudem von einem gestiegenen Lkw-Verkehr auf der Strecke. Die neue Elbbrücke zwischen Naundorf und Niederwartha könnte dafür verantwortlich sein. So würden Schrott-Zulieferer für das Feralpi-Stahlwerk in Riesa vermehrt die B 6 nutzen, sagt Mann. Möglichkeiten, den Unfallschwerpunkt zu entschärfen, sieht er derzeit nicht. Es sei bereits eine Menge getan worden. Dazu zählten Überholverbote und Ausweichbuchten für Langsamfahrer.

Anders sieht das Hans Richter, der Vorsitzende der Meißner Verkehrswacht. Er verweist darauf, dass der wiederholte Einsatz mobiler Blitzer an Stellen, wo tatsächlich gerast werde, über längere Zeit erzieherisch auf Autofahrer wirke. Das gleiche gelte für feste Blitzer. Diese stehen momentan im Ort Wildberg und helfen dort, die Autofahrer zu disziplinieren. Die Unfallschwerpunkte liegen allerdings außerhalb.

Diskutiert werden solche Ideen auch im Landratsamt Meißen. Ende Mai trifft sich dort die Unfallkommission des Kreises, um die Unfallschwerpunkte 2012 auszuwerten. Die B 6 dürfte eines der wichtigsten Themen sein.