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Die Stunde der Wahrheit

Ständig schneller, höher, weiter? Seit 1831 wird den politisch Verantwortlichen im Land auf besondere Weise ein „Spiegel“ vor das Gesicht gehalten. Das statistische Jahrbuch zeigt unerbittlich, wo es in Sachsen läuft und wo es klemmt.

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Von Gunnar Saft

Ständig schneller, höher, weiter? Seit 1831 wird den politisch Verantwortlichen im Land auf besondere Weise ein „Spiegel“ vor das Gesicht gehalten. Das statistische Jahrbuch zeigt unerbittlich, wo es in Sachsen läuft und wo es klemmt. Da macht die Ausgabe 2003 keine Ausnahme, die der Präsident des Statistischen Landesamtes in Kamenz, Hartmut Biele, gestern vorstellte. Gleichzeitig offenbart der Zahlen-Wälzer auch die eine oder andere Überraschung.

GEBURTEN

Schade: Im vergangenen Jahr wurden wieder weniger Kinder geboren. 31 518 Babys bedeuten 425 Lebendgeburten weniger als im Vorjahr. Sachsen liegt damit deutschlandweit auf Platz zwölf. Baby-Spitzenreiter ist Baden-Württemberg.

SCHEIDUNGEN

Traurig: Die Zahl der Scheidungen hat zugenommen. 8 515 Paare trennten sich. Die meisten nach einer Ehezeit von elf bis 15 Jahren. Alle neuen Singles sollten aufpassen: Bis zum Alter von 54 Jahren existiert statistisch ein Frauendefizit. Über dieser Altersgrenze gibt es dann mehr Frauen als Männer.

Preisspirale

Auch wenn es viele anders empfinden, die Euro-Einführung treibt die Preise nicht weiter nach oben. Die Teuerungsrate lag 2002 bei nur 0,9 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es immerhin noch 1,8 Prozent.

Straßenverkehr

Auf unseren Straßen wird es noch enger. Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge stieg vergangenes Jahr um 0,3 Prozent auf 2 260 419. Besonders groß war die Nachfrage nach neuen Motorrädern. Die Zahl der Lkws ging dagegen sogar leicht zurück. Überraschend: Die Zahl der Verkehrsunfälle sank dennoch auf 128 882 - ein Minus von 6,2 Prozent. Zwar wurden dabei leider 393 Menschen getötet. Dies ist aber immerhin der niedrigste Stand seit 1980.

Einkommen

Die Statistik macht es möglich, zumindest grob das eigene Einkommen mit dem des Nachbarn zu vergleichen. So bekam ein vollzeitbeschäftigter Angestellter im produzierenden Gewerbe im Jahr 2002 ein durchschnittliches Bruttomonatsgehalt von 2 717 Euro, für technische Angestellte lag es bei 2 924 Euro und für kaufmännische Angestellte bei 2 448 Euro. Ein sächsischer Arbeiter im produzierenden Gewerbe kam dagegen auf nur 1 797 Euro – dafür waren das aber auch 27 Euro mehr als im Vorjahr.

Gesundheit

Achtung, gesund bleiben! In Sachsen gibt es nur noch 88 statt 92 Krankenhäuser. Dafür stieg aber die Zahl der Ärzte auf 13 938. Zu den häufigsten Todesursachen gehören Herz-Kreislauf- sowie Krebserkrankungen. Die Zahl der Geschlechtserkrankungen hat sich gegenüber dem Jahr 2000 halbiert. Unerklärlich: Die Krankheitsfälle dieser Art wurden fast ausschließlich in den Regierungsbezirken Dresden und Chemnitz registriert.

Eierrekord

Zum Abschluss die gute Nachricht für alle Frühstück-Liebhaber. Sachsens Hennen legten vergangenes Jahr im Schnitt 300 Eier – insgesamt 1,019 Millionen Stück. Für die Hühner – ob glücklich oder nicht – war das die beste Leistung seit 1990.