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Die Suche nach der Dippser Silberhütte

Archäologen forschen mit neuen Methoden nach Bergbau. Wie es mit dem Archaeomontan-Projekt bis 2018 weitergeht.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Osterzgebirge. Die sächsischen Geschichtsbücher mussten korrigiert werden, als 2009 die Funde aus dem Dippser Altbergbau bekannt wurden. Der war hundert Jahre älter als bis dahin angenommen und steht historisch auf einer Stufe mit Freiberg. Das waren sensationelle Erkenntnisse, die nicht nur Dippoldiswalde aufhorchen ließen. Mit diesem Wissen wollen die Forscher im Rahmen des Archaeomontan-Projekts jetzt das ganze Osterzgebirge bis hoch nach Altenberg und nach Tschechien untersuchen. „So wie die Bergleute im Mittelalter schon bis Dippoldiswalde und Niederpöbel gekommen sind, liegt es nahe, dass sie auch weiter oben im Erzgebirge aktiv waren. Das werden wir erforschen“, sagt Christiane Hemker, die beim Landesamt für Archäologie für das Projekt Archaeomontan 2018 verantwortlich ist.

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Das Projekt ist jetzt für drei Jahre verlängert worden, und in seinem Rahmen ist diese Suche nach weiterem mittelalterlichen Bergbau im Osterzgebirge möglich. Doch die Wissenschaftler müssen dabei ganz andere Methoden anwenden als in Dippoldiswalde oder Niederpöbel. An diesen beiden Orten mussten sie die Spuren aus dem Mittelalter retten. In Dippoldiswalde haben immer wieder Tagesbrüche die Menschen beunruhigt. Das Oberbergamt hat darauf reagiert und die Ursachen der Brüche erkunden lassen. Dazu hätten die Archäologen weder das Geld noch die Technik. Aber im Windschatten der Bergsicherung konnten sie sensationelle Funde machen, und sie mussten diese ans Tageslicht holen. Denn die alten Hohlräume an der Glashütter Straße oder unter dem Busbahnhof beispielsweise sind mit Beton gesichert worden, damit keine Gefahr mehr besteht für die Menschen, die im früheren Dippser Bergrevier leben.

Bachbett analysiert

Ähnlich war die Situation in Niederpöbel. Dort ließ die Talsperrenverwaltung alle Hohlräume erkunden und verwahren, damit der neue Hochwasserschutzdamm sicher steht und kein Wasser durch irgendwelche Stollen um den Staudamm herum fließen kann. In diesen beiden Fällen haben die Archäologen auf andere Bauvorhaben reagiert. Nun wollen sie selber die Initiative ergreifen. Allerdings können sie keine alten Stollen öffnen oder erweitern. Daher suchen sie nach anderen Spuren des Bergbaus, die leichter zugänglich sind. Zwei Archäologen arbeiten an Archaeomontan jetzt mit. Matthias Schubert, der bereits die Grabungen am Roten Hirsch in Dippoldiswalde geleitet hat, und Johann Friedrich Tolksdorf. Letzterer hat bereits mit dem Biologen Hannes Knapp die Landschaft in Niederpöbel erkundet. Sie haben geguckt, welche Hölzer damals in Kohlemeilern verarbeitet wurden und Ablagerungen im Bachbett des Pöbelbachs analysiert. Daraus haben sie Rückschlüsse auf die Bergbaulandschaft im Mittelalter gezogen. Das wollen sie jetzt ausweiten.

„Mit dem Aufblühen der Stadt Dippoldiswalde und des Bergbaus gingen sicherlich intensive Rodungsaktivitäten einher und führten zur Bodenerosion und Ablagerung von Sedimenten in der Weißeritzaue“, sagt Tolksdorf. Solche Ablagerungen im Einzugsgebiet der Roten Weißeritz nimmt er sich dieses Jahr vor. Er hofft, dass er verkohlte Pflanzenreste, Schlacken oder Keramikreste findet. So könnte sich das Bild des mittelalterlichen Dippoldiswalde abrunden. Vielleicht finden sich neue Orte, wo im Mittelalter Bergbau betrieben wurde. Vor allem eines würde die Wissenschaftler noch interessieren. „Wir haben bisher keinen mittelalterlichen Standort für eine Verhüttung gefunden“, sagt Christiane Hemker.

Eigentlich müsste es so etwas wie eine Dippser Silberhütte aber gegeben haben. Um diese Forschungen zu koordinieren, haben sich die beteiligten Stellen am Archaeomontan-Projekt im Januar in Most/Brüx in Tschechien getroffen, um das Arbeitsprogramm bis 2018 abzusprechen. Für Dippoldiswalde hoffen sie auf neue Funde. Das größte Vorhaben in der Stadt ist aber der geplante Bau eines Depot- und Ausstellungsgebäudes neben dem Museum. Dort werden derzeit Gebäude abgerissen, um diesen Neubauten Platz zu machen. Außerdem ist 2018 im Rahmen des Jubiläums „800 Jahre Dippoldiswalde“ eine wissenschaftliche Konferenz geplant.