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Die Südsee im Keller

In Seeligstadt versteckt sich das wahrscheinlich größte Korallenriff Sachsens.

Von Peter Anderson

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Ein Wintertag im Meißner Hochland. Der Wind pfeift über die kahlen Felder. Vom Himmel kommt eine Mischung aus Schnee und Regen. Tommy Ruhland fröstelt, als er die Tür zu seinem Einfamilienhaus öffnet. Der Hobby-Aquarianer führt seinen Besuch eine Treppe hinab. Die nächste Tür geht auf und der Winter verschwindet. In riesigen Aquarien spielen Fische in allen Farben des Regenbogens muntere Haschespiele. Korallen schwanken in den Wellen der Wasserpumpen. Das Wasser schimmert blau wie in der Südsee. Ein leises Plätschern ist zu hören. Urlaubsstimmung macht sich breit.

Tommy Ruhland kennt diesen Überraschungseffekt. Oft schon hat er ihn bei seinen Besuchern erlebt. Fünf Kubikmeter Meerwasser mit über 100 Korallenarten umfasst sein sächsisches Südseereich. Vermutlich versteckt sich in dem Seeligstädter Keller das größte Riff des Freistaates.

Korallen kommen per Post

Angefangen hat das Alles ganz harmlos vor ungefähr 13 Jahren. „Als ich in meine erste eigene Wohnung gezogen bin, wollte ich ein eigenes Aquarium haben“, sagt der 38-Jährige. Auf den ersten kleinen Glaskasten folgte ein größerer Glaskasten. Schritt für Schritt ging es weiter. Mittlerweile stehen die riesigen Aquarien auf massiven Steintischen. Die Anlage würde jedem Zoo zur Ehre gereichen.

„Wenn ich alle Investitionen über die Jahre zusammenrechne, steckt hier das Geld für einen Kleinwagen drin“, sagt er. Zu den Investitionen für die Einrichtung kommen laufende Kosten für Wasser und Strom. Südseeflair im winterlichen Meißner Hochland ist teuer.

Um wenigstens einen Teil der Kosten wieder einzuspielen, hat Ruhland einen Versandhandel für Korallen aufgebaut. In speziellen Styroporkisten schickte er seine Schützlinge quer durch ganz Deutschland. Ohne das Internet, sagt der Seeligstädter, hätte sich die Korallenzüchterszene nie so entwickeln können. Von den wenigen Handbüchern, die auf dem Markt sind, hält er nur wenig. Entscheidend sei der Erfahrungsaustausch zwischen den Korallen-Fans. Dabei stelle er immer wieder fest, dass es keinen für alle geltenden Königsweg gebe. „Ich kenne Züchter, die haben schon Ewigkeiten ihr Wasser nicht mehr ausgetauscht. Trotzdem geht es ihren Korallen bestens“, sagt Ruhland. Andere Kollegen wiederum schwören auf bestimmte Zusätze oder besondere Fischarten, die mit den Korallen in einer Symbiose leben.

Tommy Ruhland selbst ist nicht der Typ, der aus seinem Hobby eine komplizierte Wissenschaft machen möchte. Es sei auch nie seine Absicht gewesen, eine bestimmte Korallenlandschaft identisch nachzubilden. Arten aus allen möglichen Ozeanen und Meeren gibt es bei ihm zu sehen – vom Mittelmeer bis hin zur Südsee. Wichtiger scheint dem 38-Jährigen das Staunen zu sein, der überraschte Ausdruck in den Augen seiner Besucher. Die fragenden Mienen, wie so etwas möglich ist. Deshalb sagt Ruhland selten nein, wenn mal eine Geburtstagsgesellschaft aus der Nachbarschaft vorbeischauen will, für einen kurzen Ausflug mitten aus der nass-kalten Februarlandschaft hinein in die Südsee.

http://www.sachsenkoralle.de/

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