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Die Superfeuerwehr

In die Ebersbacher Wehr wurde nach langem Drängen erheblich investiert. Die SZ zeigt, wie die Technik im Ernstfall helfen kann.

Tobias Hähne demonstriert den Flaschenzug mit Rettungstrage für Personenrettung aus Höhen und Tiefen.
Tobias Hähne demonstriert den Flaschenzug mit Rettungstrage für Personenrettung aus Höhen und Tiefen. © Anne Hübschmann

Eberswalde. Für die Ebersbacher Feuerwehr war schon Beschwerung. Im September und November wurden lang ersehnte Ausrüstungen und Geräteausstattung geliefert. Sie ermöglichen den Kameraden eine hohe Leistungsfähigkeit. Die 46 aktiven Feuerwehrleute werden deshalb auch zu Einsätzen außerhalb des Gemeindegebietes gerufen. „Im Vorjahr wurden wir 100 Mal alarmiert, in diesem Jahr hatten wir schon 78 Einsätze“, sagt Gemeindewehrleiter Richard Weiß. Die Ebersbacher sind mit ihren insgesamt 134 Kameraden immer einsatzbereit. In ihre Ausrüstung und Ausstattung wurde in den letzten fünf Jahren eine Viertelmillion Euro mit Fördermitteln investiert. Ist das Geld gut angelegt?

2012 hatte Richard Weiß den ersten Brandschutz-Bedarfsplan aufgestellt und erhebliche Lücken in der Schutzausrüstung angemahnt. Seit 2015 wird nun kontinuierlich aufgestockt – auch, um die Sicherheit der Kameraden zu gewährleisten. So erhielten die 56 Atemschutz-Geräteträger in der Gemeinde eine persönliche Schutzausrüstung im Wert von je etwa 500 Euro. Zwei sind mit Wärmebildkameras ausgestattet. „So was kann wie bei den schweren Bränden in Folbern oder Skäßchen dieses Jahr Leben retten“, sagt Weiß.

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Brandausbreitung verhindern

Zum Einsatz können bei solchen Großereignissen auch Hydroschilde und tragbare Wasserwerfer kommen. Zwei bzw. drei davon haben die Ebersbacher erhalten. Die Kameraden führen beeindruckend vor, wie dabei Wasserwände von einer Breite bis zu 32 Meter aufgebaut werden können. „Damit wird auch Wärmestrahlung auf die Umgebung weggenommen und die Weiterausbreitung eines Brandes verhindert“, erklärt Richard Weiß.

Vincenz Richter zeigt den hydraulischen Rettungssatz mit Schere und Spreizer.
Vincenz Richter zeigt den hydraulischen Rettungssatz mit Schere und Spreizer. © Anne Hübschmann
Christian Gröger am tragbaren Wasserwerfen. Die Ebersbacher haben drei davon.
Christian Gröger am tragbaren Wasserwerfen. Die Ebersbacher haben drei davon. © Anne Hübschmann
Robert Tronicke am Hydroschild. Es kann eine Wasserwand von 16 Metern aufbauen.
Robert Tronicke am Hydroschild. Es kann eine Wasserwand von 16 Metern aufbauen. © Anne Hübschmann
Hannes Winkler steckt in der neuen Schutzausrüstung für Geräteträger.
Hannes Winkler steckt in der neuen Schutzausrüstung für Geräteträger. © Anne Hübschmann

Stolz sind die Ebersbacher zudem auf einen hydraulischen Rettungssatz mit Schere, Spreizer und Rettungszylinder. Seit zwei Jahren arbeiten sie mit dieser Technik, die auch schon bei Unfällen gute Dienste geleistet hat. Richard Weiß erinnert an den Unfall im Herbst 2018 in Rödern und an eine Hilfe für Priestewitz. Mit dem Rettungssatz können Unfallopfer aus ihren Fahrzeugen befreit werden. „Die Schere hat eine Schneidkraft von 109 Tonnen“, so die Ebersbacher stolz. Den Spreizer können sie nutzen, um Fahrzeugtüren auseinanderdrücken zu können.

Neben einem Sprungpolster zeigen die Kameraden auch ihre Rettungsplattform. Wenn Lkws in einen Unfall verwickelt werden, kann man damit besser in der Höhe arbeiten, zum Beispiel etwas aufschneiden. Bei einem früheren Unfall am Wetterberg Kalkreuth, wo ein Radlader umgekippt war, hätten die Feuerwehrleute diese im Vorjahr angeschaffte Plattform gut gebrauchen können. Richard Weiß nennt als Einsatzbeispiele auch die Unfälle mit Schwerverletzten in Altleis, Göhra und Rödern.

Beeindruckend ist der Gerätesatz Flaschenzug mit Rettungstrage. Bei einer Rettung aus einem Kanalschacht oder von einem Dach gewährleistet er eine zuverlässige Verletztenbergung. Auch so etwas sei in der Gemeinde vor vielen Jahren schon mal nötig gewesen, heißt es. Bei Wald- oder Feldbränden, die scheinbar immer mehr zunehmen, ist auch die neue Drohne sehr hilfreich. „Für die Lageerkundung“, erklärt der Gemeindewehrleiter. Beim Feldbrand in Rödern dieses Jahr konnte der Brandherd so rasch lokalisiert werden. Denn die Drohne hat eine Wärmebildkamera, sie kostet deshalb insgesamt fast 6.000 Euro.

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Noch viele weitere Teile wie Sanirucksäcke für Einsatzkräfte mit erweiterter Sanitätsausbildung könnte man nennen – diese Kameraden sind manchmal eher vor Ort als die Rettungssanitäter. Oder ein Belüftungsgerät oder die Vakuummatratze. „Wir können all diese Dinge anwenden und damit im Ernstfall helfen“, sagt Richard Weiß. Das ist viel mehr als Hobby und Spielerei.

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