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Die SZ stellt die ersten zwei Exponate der Landesausstellung vor

Das eine ist jene Urkunde, in der Görlitz erstmals erwähnt wird, das andere ein Bildnis der Heiligen Hedwig. Beide sind 2011in Görlitz zu sehen.

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Von Peter Chemnitz

Im kommenden Jahr findet in Görlitz die 3. Sächsische Landesausstellung „via regia“ statt. Zurzeit laufen in Görlitz und Dresden die Vorbereitungen für die Schau auf Hochtouren. In Görlitz wird der Kaisertrutz als zentraler Ausstellungsort saniert. Durch das Projektteam der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wird die Ausstellungskonzeption ausgearbeitet.

Zur Einstimmung auf die Landesschau werden in der Sächsischen Zeitung in loser Folge einige ganz besondere Exponate vorgestellt, die im kommenden Jahr in Görlitz zu sehen sein werden. Dazu zählt eine Urkunde aus dem Jahr 1071. Auf ihr wird Görlitz erstmalig als „villa goreliz“ urkundlich erwähnt: Als Ort, an dem Heinrich IV. dem Bischof von Meißen Grund und Boden übereignete. Das fragile Pergament belegt eine lange Stadtgeschichte. Generationen von Kaufleuten und Handwerkern, Adligen und Beamten waren an der Stadtentstehung beteiligt.

Die Lage der Stadt Görlitz an der via regia, der wichtigsten Ost-West-Trasse, begünstigte den Handel. Das Privileg, den Farbstoff Waid und das damals sehr kostbare Salz zu handeln, förderte die Wirtschaft. Münzrecht und Durchgangszoll brachten der Stadt wichtige Einnahmen.

Dieses einzigartige Dokument mit der Ersterwähnung von Görlitz wird im Hauptstaatsarchiv Dresden aufbewahrt. Da die Urkunde ausgesprochen lichtempfindlich ist, wird sie selten im Original gezeigt und eine der Attraktionen der Landesausstellung sein.

Ein anderes besonderes Exponat ist eine Darstellung der Heiligen Hedwig. Diese ist die Schutzpatronin von Schlesien, aber auch von der Stadt Görlitz in der Oberlausitz. Hedwig wurde 1174 im bayrischen Andechs geboren, bereits mit zwölf Jahren wurde sie mit Herzog Heinrich I. von Schlesien verheiratet.

Gemeinsam mit ihrem Mann förderte sie die Vertiefung des christlichen Glaubens und die kulturelle Entwicklung Schlesiens. 1202 gründeten sie das Zisterzienserinnenkloster Trebnitz bei Breslau. Als Vorbild christlicher Nächstenliebe unterstützte Hedwig die Kirche, half den Armen und soll selbst im Winter barfuß gegangen sein. Nach ihrem Tod 1243 und der Heiligsprechung 1267 breitete sich die Verehrung ihrer Person von Schlesien entlang der via regia nach Westen aus. Heute gilt die Heilige Hedwig auch als Patronin der Versöhnung zwischen Polen und Deutschen.

Das Bildnis der Heiligen Hedwig wurde um 1500 von einem vermutlich flämischen Maler gemalt. Da sein Name unbekannt ist, nannte man ihn den „Meister von Frankfurt“, da die bedeutendsten seiner Werke in der Stadt am Main in Auftrag gegeben worden sind.

Ursprünglich war das Bildnis ein Altarflügel. Zusammen mit dem anderen Flügel, auf dem der Heilige Andreas dargestellt ist, zählte es zu den frühesten Erwerbungen des sächsischen Kurfürsten und Königs von Polen August des Starken 1698 für die Dresdener Kunstkammer. Während des Zweiten Weltkrieges ausgelagert, blieben beide Gemälde nach Kriegsende verschollen.

1950 wurde durch Zufall die Heilige Hedwig wieder gefunden, der zweite Flügel kehrte erst 1997 in die Dresdner Gemäldegalerie zurück, nachdem er zuvor über ein Auktionshaus versteigert werden sollte. Dieses Beispiel zeigt: Nicht nur Menschen gehen mitunter verschlungene Wege, auch Gemälde erleben Abenteuer.