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Die täglichen Mühen der Jugendsozialarbeit

Unter anderem Covid-19 und Personalmangel machen zum Beispiel Streetworking in Hoyerswerda zur Herausforderung.

An der Seite von Irena Kerber ist eine Stelle frei.
An der Seite von Irena Kerber ist eine Stelle frei. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Auf dem Sportplatz vor der Lindenschule in Hoyerswerdas WK III spielen Kinder Theater. Es wird gerannt und gelacht. Irgendwie geht es um Löwen. Drei der Knirpse hocken jedenfalls in einem mit einer Schnur gelegten Kreis, fauchen und brüllen auf Kommando der Regisseurin. Das nachmittägliche Schauspiel leitet Irena Kerber. 

Die erfahrene Sozialarbeiterin vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) kümmert sich seit Jahren als Streetworkerin um Kinder und Jugendliche. „Präventive Jugendhilfe“ nennt das Gesetz ihre tägliche Arbeit.

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Auch diese war, wie so vieles, seit dem Frühling etwas eingeschränkt. Am Spielpavillon im WK III hing lange ein Zettel, dass Covid-19 die donnerstäglichen Angebote vor Ort unmöglich macht. Es gab so etwas wie einen Rückzug aufs Pfadfindergelände an der Heinrich-Heine-Straße.

Doch seit Mitte Juni ist Irena Kerber zwischen Herder- und Becherstraße zurück. Basteln ist zwar erst einmal nicht möglich. „Aber Spiele mit Abstand gehen schon“, sagt die Sozialarbeiterin und fügt an, eine Herausforderung sei das durchaus. Für den 1. Oktober bereitet der CVJM im Rahmen der lokalen interkulturellen Tage ein kleines Wohngebietsfest im WK III vor. Von 15 bis 18 Uhr heißt es dann zwischen Schule und ehemaligem Brunnen mit Staffelspielen und Kuchenbasar „Zusammen leben, zusammen wachsen“. Und schon in den nächsten Tagen soll immer mittwochs auch das „Spielhaus“-Angebot im WK V wieder zur Verfügung stehen, das bisher immer noch ruhte. Allerdings hängt all das etwas am seidenen Faden. „Wenn ich ausfalle, dann fällt alles aus“, sagt Irena Kerber. Eigentlich sind die vom Kreis Bautzen finanzierten Sozialarbeiter zu zweit unterwegs. Aber die Hoyerswerdaerin, die ganz korrekt als leitende CVJM-Referentin bezeichnet wird, kann derzeit nur auf Ehrenamtler zählen. Für eine offene Stelle als sozialpädagogische Fachkraft lässt sich momentan niemand finden. Dabei geht es um einen Vollzeit-Job mit 40 Wochenstunden und dem Versprechen, bei der Wohnungssuche zu helfen. Freilich muss man sich dafür wohl auf das einlassen wollen, was der CVJM „Gottes Wort“ nennt.

Nach der letzten Kreisgebietsrefom hatte die Verwaltung des Kreises Bautzen 2010 sogenannte Sozialraumteams gebildet. Sie bekamen den Auftrag, sich um die 10- bis 18-Jährigen und ihre Eltern zu kümmern. Inzwischen heißen sie Regionalteams. Das hehre Ziel: „Kinder, Jugendliche und junge Volljährige im Landkreis Bautzen sollen sich zu gemeinschaftlichen und eigenverantwortlichen Persönlichkeiten entwickeln.“ Aktuell leben im Kreisgebiet etwas mehr als 40.000 Kinder und Jugendliche bis 18, fast ein Zehntel davon in Hoyerswerda. Bei einer ganzen Reihe der jungen Leute diagnostiziert die Behörde, was im Amtsdeutsch als „eingeschränkte Erziehungskompetenz der Eltern“ bezeichnet wird. Die Arbeit der Sozialteams soll helfen, daraus resultierenden Defiziten im sozialen Verhalten entgegen zu wirken – nicht nur mit offenen Angeboten wie in den WK III und V, sondern zum Beispiel auch mittels Schulsozialarbeit. Erst im Juni war diese Arbeit Thema im Jugendhilfeausschuss des Kreistages. Es ging um die Frage weiterer Stellen – die dann nicht bewilligt wurden. Der Punkt an der Sache: Zwar kooperieren in der Stadtregion Hoyerswerda bereits CVJM, Internationaler Bund, RAA, Evangelische Jugendarbeit und die Familienbildungsstätte Bischofswerda. Für Angebote in Spreetal, Lohsa und der Gemeinde Elsterheide reicht es freilich nicht.

Irena Kerber wäre schon froh, wenn die existierende, aber freie Stelle besetzt werden könnte. Denn Krankheit oder Urlaub machen derzeit Schwierigkeiten.

Während sie das erzählt, haben sich die Kinder im WK III Schwämme und Wassereimer geschnappt. Sie spielen eine Art ausgeklügelter Wasser-Fange. Das kostbare Nass hat Irena Kerber im angejahrten CVJM-Transporter mitgebracht. Es ist nicht nur zum Spielen gedacht. Covid-19 macht Händewaschen auch draußen zur Pflicht.

www.cvjm-hoyerswerda.de

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