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Kamenz

Die Tagesmutter mit dem besonderen Rezept

Veronika Pech kümmert sich seit zwölf Jahren in Lückersdorf um die Jüngsten der Umgebung. Tiere, Bewegung und viel frische Luft gibt’s als Bonus obendrauf.

Veronika Pech (55) ist seit zwölf Jahren Tagesmutti für Lückersdorf und Umgebung. Eine Aufgabe, die sie ausfüllt. Fünf Kinder von null bis drei Jahre kann sie gleichzeitig betreuen. Hier wird frisch gekocht, viel in der Natur und mit Tieren gespielt.
Veronika Pech (55) ist seit zwölf Jahren Tagesmutti für Lückersdorf und Umgebung. Eine Aufgabe, die sie ausfüllt. Fünf Kinder von null bis drei Jahre kann sie gleichzeitig betreuen. Hier wird frisch gekocht, viel in der Natur und mit Tieren gespielt. © Matthias Schumann

Kamenz. Das Landleben hat doch was! Ruhe, kaum Autos auf der Straße vor der Tür. Grüne Wiesen, ein Garten voller Obst zum Pflücken, Pferde auf der Koppel bei Lichthorns und sogar einen Kuhstall gibt’s gleich um die Ecke. Und ganz viele freundliche Menschen, die einem noch zuwinken, wenn man draußen vorbeiläuft. Veronika Pech und ihre lustige Fuhre sind aber auch gerngesehene Gäste in Haus und Hof. „Wenn wir mit unserem Spazierwagen durch Lückersdorf rollen, dann müssen wir schon öfter mal stehen bleiben auf einen Schwatz“, lacht die 55-Jährige.

Gefühlte Oma für 42 Kinder

Seit zwölf Jahren ist sie die Tagesmutti im Ort. Ihre Schützlinge kommen aus der gesamten Kamenzer Ecke. Ganze 42 Mädchen und Jungen hat sie bis jetzt schon in den ersten drei Lebensjahren mit auf ihren Weg gebracht. Die meisten von ihnen hängen auf einem Bild verewigt an der Wand im Zimmer, wo der Mittagsschlaf abgehalten wird. Erinnerungen werden da wach an die erste Zeit. An die Anfänge, als alles neu war und aufregend. „Nun ist es immer noch aufregend, doch schöne Routine“, sagt die Lückersdorferin. Obwohl jedes Kind anders ist. Und eigene Bedürfnisse hat. Wo könnten diese besser befriedigt werden, als in einer kleinen Gruppe? Von null bis drei Jahre alt sind die Menschenkinder, die Veronika Pech anvertraut werden. Die Warteliste ist lang. Viele Eltern schätzen vor allem die Individualität.

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

„Wir Tagesmütter sind wichtig für diejenigen, die keinen Krippenplatz bekommen. Oder die etwas flexiblere Betreuungszeiten benötigen, als sie die Kindertagesstätten anbieten“, sagt die Erzieherin. Ansonsten läuft hier aber alles wie in einer normalen Einrichtung ab. Man betreut die Kinder nach dem sächsischen Bildungsplan. Fährt zu Weiterbildungen. Ist immer auf dem Laufenden. Ostern, Weihnachten, Geburtstage und andere saisonale Höhepunkte werden mit den Eltern zusammen begangen. „Die Kinder bekommen natürlich auch eine Zuckertüte, wenn sie in den Kindergarten wechseln“, lacht Veronika Pech. Nur der Mikrokosmos einer Tagesmutti ist diffiziler. Nebenbei wird für die fünf hungrigen Mäulchen gekocht. Der tägliche Besuch im hauseigenen Obstgarten gehört dazu. Wie auch bei den Hühnern, wo frische Eier geholt werden. Lange Spaziergänge durchs Dorf ebenso. Familienkatze Sandra ist der sechste Spielkamerad im Bund. Die Liste der Vorteile ist lang.

Seit einem Jahr wurde sie mit in den Bedarfsplan der Stadt aufgenommen. Das hilft natürlich wirtschaften und die Eltern zahlen jetzt den normalen Krippenplatzpreis, wie in anderen öffentlichen Einrichtungen. Auch versicherungstechnische Angelegenheiten haben sich dadurch erleichtert. „Es ist aber auch eine Anerkennung für meine Arbeit“, sagt sie. In Zeiten, als es reichlich Kinderkrippenplätze in der Stadt gab, war es manchmal nicht so leicht als Tagesmutti. Vier Frauen bieten im Raum Kamenz seit vielen Jahren diese Dienste an. Und sind umschwärmte Dienstleisterinnen in einer Gesellschaft, wo man sich manchmal etwas schwer tut mit dem Erfüllen von Sonderwünschen. Die Bedürfnisse von Eltern wachsen jedoch stetig. Auch veränderte Arbeitsbedingungen schreien förmlich nach Alternativen. Wo bringe ich mein Kind hin, wenn ich es nicht eher als 17.30 Uhr von der Arbeit zurück schaffe?

Veronika Pech liebt das, was sie tut. Geht darin auf. „Die Arbeit mit Kindern ist das, was ich immer wollte“, sagt die gelernte Pädagogin. Dabei ging es in den neunziger Jahren auch für sie rauf und runter. Sie arbeitete fast zehn Jahre als Raumpflegerin in den Kindereinrichtungen der Stadt, später in der Altenpflege. 2000 schulte sie zur Erzieherin um, arbeitete ebenfalls eine Weile als Familienpflegerin. Erst 2007 packte sie ihre Träume und Wünsche beim Schopf und machte sich als Tagesmutti selbstständig.

Niemals selber krank

Bereut hat sie es keinen Tag. Die Arbeit füllt sie aus. Und Ehemann Hartmut zog mit ihr an einem Strang. Der Landwirt baute die Scheune am Haus aus, ist so ganz nebenbei etwas wie ein Opa auf Zeit für die Kinder geworden. Wenn der Landwirt mit dem Traktor unterwegs ist, dann winken ihm alle begeistert zu. Auch zu Veronika Pech sagen übrigens alle Oma. „Ich bin in dem Alter, wo das doch ganz gut passt“, lacht sie verschmitzt. Und Omas kann man ja bekanntlich nicht genug haben. Selbst ist sie Mutter von drei erwachsenen Kindern und hat auch fünf Enkel. Das Spieleparadies im Hinterhof mussten die sich über die Jahre mit den Tageskindern teilen. Doch das funktionierte immer gut.

Gerade beginnt die Erkältungszeit. Da heißt es Naseputzen im Akkord. Dass eine Tagesmutti niemals krank werden darf, ist halt so. „Nur einen einzigen Tag habe ich in zwölf Jahren absagen müssen. Da ging es wirklich nicht“, erinnert sie sich. Glück liegt eben nicht darin, dass man tut, was man mag, sondern mag, was man tut …

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