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Die Tea Party ist wieder da

Die extrem konservative Bewegung sorgt bei einer Vorwahl für ein politisches Erdbeben in Washington.

Von Jens Scmitz, SZ-Korrespondent in Washington

In einer faustdicken Überraschung hat die konservative Tea-Party-Bewegung den zweitwichtigsten Republikaner der US-Hauptstadt entmachtet. Der Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Eric Cantor, verlor die Vorwahl in Virginia gegen einen weithin unbekannten Wirtschaftsprofessor. Der 50-Jährige hatte als Kronprinz von Sprecher John Boehner gegolten; seine Niederlage wirbelt die Partei durcheinander.

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Denn der Schlag kam aus dem Nichts. Noch am Morgen hatte die Washington Post verkündet: „Die Frage in diesem Rennen ist, mit welchem Abstand Cantor gewinnt.“ Und auch in den Abendnachrichten um 19 Uhr erklärte der öffentliche Sender PBS, es werde erwartet, dass Cantor die Tea Party in ihre Schranken verweise. Um 20 Uhr war er geschlagen, mit elf Prozentpunkten Rückstand.

Dabei hätte der 52-jährige Collegeprofessor Dave Brat nie eine Chance haben dürfen – wo Brat 200 000 Dollar gesammelt hatte, verfügte Cantor über fünf Millionen und einen professionellen Mitarbeiterstab. Seit 1899 gibt es seine Position im Repräsentantenhaus, noch nie ist ein amtierender Mehrheitsführer in der Vorwahl seiner Partei gescheitert. Brat trat mit den typischen Zutaten der Tea-Party-Basis an – er kritisierte Cantor als jemanden, der in Washington seine konservativen Ideale verrate, unter anderem, indem er im Haushaltsstreit nachgegeben und sich nicht klar genug gegen eine Einwanderungsreform ausgesprochen habe.

Orientierungslose Republikaner

Diese Angriffe sind aber nicht neu, und 2013 sollte eigentlich das Jahr sein, in dem das Establishment den Ultrakonservativen die Kontrolle über die Partei entreißen würde. In ausführlichen Strategiebesprechungen hat die Parteiführung die Amtsinhaber davor gewarnt, Herausforderer auf die leichte Schulter zu nehmen. Und Cantor war mit gutem Beispiel vorangegangen: Er hat finanziell das 40-Fache aufgewendet, um seinen Gegner als Linken und sich selbst als Hüter des konservativen Erbes zu inszenieren. Allerdings hat er dabei möglicherweise übertrieben: „Sie haben eine Million Dollar dafür ausgegeben, um meinen Namen bekannt zu machen“, freute sich Brat in einem Interview mit dem Magazin „Politico“.

Cantor galt vielen im konservativen siebten Bezirk von Virginia als zu sehr auf Washington konzentriert. Auch neutrale Beobachter glauben, dass seine aggressive Antiwerbung die Alternative möglicherweise erst bekannt gemacht hat. Andernorts hat die Strategie allerdings funktioniert: Der für weitaus verwundbarer gehaltene Senator Lindsey Graham konnte seine Herausforderer in South Carolina in Schach halten. Auch er hatte eine finanzielle Überwältigungstaktik gewählt, die in diesem Jahr in weiten Teilen des Landes erfolgreich war.

Die Parteiführung hingegen wirkte gestern zunächst orientierungslos. Für sie verheißt die kalte Dusche nichts Gutes: Sie befürchten, dass zu weit rechts stehende Bewerber auf die Wähler eher abschreckend wirken. Für die bedrängten Demokraten mag das ein Hoffnungsschimmer sein, und Präsident Barack Obama kann sich freuen, seinen nervigsten Gegner los zu sein. Die Hoffnung auf Kompromisse mit der Opposition allerdings vorerst wohl auch.