merken
PLUS

Die Techniklotsen kommen

IHI-Studenten wollen Älteren die Informationstechnik nahe bringen. Bei Kaffee und Kuchen, unbürokratisch und kostenlos.

Mario Heinke

Yekaterina Nikulkina lädt die Software herunter und installiert sie auf dem Notebook von Karin Huyer. Mit ein paar Befehlen, Klicks und Häkchen an der richtigen Stelle ist die Skype-Software eingerichtet. Mit der Software kann die Rentnerin nun über das Internet mit ihrer Tochter in London telefonieren und sie auch sehen. Frau Huyer ist begeistert von der Videotelefonie. Die Tochter auf der Insel wundert sich, wie die Mutter das hinbekommen hat. Yekaterina Nikulkina aus Kasachstan lebt seit Oktober bei Familie Huyer und ist für die Rentner so eine Art Systemadministrator geworden, denn auch Wolfgang Huyer hat schon die Hilfe seiner Mieterin in Anspruch genommen. Er ist Besitzer eines Smartphones und hat sich von der Kasachin „WhatsApp“, einen internetbasierten Textnachrichtendienst, installieren lassen. Das Beispiel zeigt, wie nachbarschaftliche Hilfe zwischen den Generationen, schnell, unbürokratisch und kostenlos funktioniert. Das Internationale Hochschulinstitut hat jetzt ein Projekt daraus gestrickt. „Techniklotsen – Schritt halten mit der neuen Technik“ nennt sich das Vorhaben im Studiengang Projektmanagement. Katrin Melcher, Vievien Kühn, Yekaterina Nikulkina, Boris Seidel und der Chinese Ce Song sind die Lotsen.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region!

Sie sind jung, international, gut ausgebildet und motiviert. „Wir wollen einmal wöchentlich ein Treffen anbieten, bei dem sich jeder auf den neusten Stand der Technik bringen kann“, erklärt Boris Seidel. Bei Kaffee und Kuchen tauschen sich die Teilnehmer in lockerer Atmosphäre über alle Themen rund um die Informationstechnik aus, so der Plan. Jedermann kann teilnehmen und die Treffen sind kostenlos. Im Unterschied zur Volkshochschule gibt es keine Vorträge oder Seminare und keinen Lehrplan. Damit das Ganze aber auch eine Struktur bekommt, suchen die Studenten noch einen Moderator für die Auftaktveranstaltung am 26. September um 15 Uhr im Café Jolesch. Die Hillersche Villa stellt Beamer und eigene Technik zur Verfügung. Interessenten können sich bis zum 19. September für die Auftaktveranstaltung anmelden. Besonders ältere Menschen haben die Studenten im Fokus. Sie möchten ihnen die Technik zugänglich machen. Wie bekomme ich das Foto vom Smartphone auf das Notebook? Wie schicke ich die Bilder vom letzten Urlaub an die Kinder? Wo lege ich meine Daten ab? Wie richte ich ein Album im Internet ein? Welche Technik brauche ich, um mit meinen Enkeln kostenlos zu skypen? Diese und andere Fragen spielen eine Rolle, geht es nach den Vorstellungen der Studenten. „Grundsätzlich sind die Treffen aber für alle Altersgruppen offen“, erklärt Vievien Kühn.

Bis September bereiten die Techniklotsen das Projekt vor. Die ersten Erfahrungen haben sie schon hinter sich. Bei mehreren Umfragen in Zittau stießen sie nämlich auf skeptische Menschen. „Da war viel Endzeitstimmung“, beschreibt Kathrin Melcher die ablehnende Haltung einiger Passanten. Ursprünglich sollte das Projekt „Senioren-Computerclub“ heißen. Davon sind die zukünftigen Manager inzwischen abgerückt. Mit dem Etikett „Senioren“ kann man selbige nicht begeistern, das haben sie erkannt. Im Gegenteil, wenn die Älteren in die Senioren-Schublade gesteckt werden, mögen sie das gar nicht. Deshalb werden ab September auch die Techniklotsen im Jolesch den Kurs bestimmen. Der Landkreis fördert das Projekt innerhalb seiner Initiative „Lernen beflügelt“.

Anmeldungen bei Katja Hanisch 03583 779620